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Alpen: Zwei Tage Friedensfest mit viel Musik und Gänsehautmomenten

Alpen.Home-Festival : Es ist angerichtet fürs große Friedensfest

Am Samstag beginnt auf dem Reitplatz in Veen das zweitägige Alpen.Home-Festival mit „Musik für die Welt und das Dorf“, vielen Gänsehautmomenten und ministeriellem Segen.

Der Reitplatz am Bergweg draußen in Veen, umgeben von Wald, ist ein sehr schöner Ort für ein Festival unter freiem Himmel, erst recht für das Alpen-Home Festival, das hier an zwei Tagen ein Zeichen für den Frieden senden will. Was es sonst noch dazu braucht, schafft eine kleine Hundertschaft von freiwilligen Helfern seit Tagen heran. Die große Bühne für den 170-stimmigen Chor steht. Die Lautsprechertürme wachsen. „Es sieht alles gut aus“, sagt Sängerin Judy Bailey, Fachfrau für Großkonzerte mit Kennerinnenblick. Jetzt muss alles nur noch gut klingen. Die Nagelprobe erfolgt am Freitag beim ersten Soundcheck.

Das Organisationsteam ist zuversichtlich, dass auch technisch der Ton stimmt. Dafür würden Stefan Kwetka – Mann für alles und Social-Media-Bespieler –, Sascha Becker und Kai-Kevin Krupper schon sorgen, heißt es. Die drei seien mit hohem Sachverstand und großem Engagement bei der Sache. Auch die Crew von Musikerin Judy Bailey steuert ihre große Erfahrung bei.

Neben der Bühne müht sich Bürgermeister Thomas Ahls in sommerlicher Arbeitskluft mit gestapelten Stühlen ab, die er mit einer Sackkarre von einem Anhänger ablädt. Sitzgelegenheiten für die Besucherinnen und Besucher, die nicht gerne lange stehen. Das Bemühen, jedem und jeder das Erlebnis Friedensfest möglich zu machen, ist ausgeprägt. „Komplette Barrierefreiheit hinzukriegen, ist hier zwar kaum möglich“, so Kwetka, „aber es ist sogar gelungen, ein Behinderten-WC zu organisieren.“

 Lagebesprechung auf dem Reitplatz (v.l.): Patrick Depuhl, Inga Mosters, Judy Bailey und Melanie Koerfer vom Orga-Team.
Lagebesprechung auf dem Reitplatz (v.l.): Patrick Depuhl, Inga Mosters, Judy Bailey und Melanie Koerfer vom Orga-Team. Foto: Armin Fischer (arfi)
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Auch die lässigen Sonnenstühle zum Fläzen im Sand in der Cocktail-Strandbar sind auf dem Weg. Am Freitag kommen auch die Kühlwagen für die Getränke und zur Lagerung des Fingerfoods. Unverzichtbar bei den hochsommerlichen Temperaturen. Als Schattenspender für die Nachmittagssonne werden noch zwei riesige Fallschirme aufgespannt. Die Feuerwehr hält Brandwache. Rauchen ist verboten. Die Waldbrandgefahr ist einfach zu groß. Die Feuerwehr hofft, dass sie ihre Schläuche nur für die ein oder andere abkühlende Dusche aufdrehen muss. Ihre Wasserspiele sind zur Unterhaltung der Kinder im Einsatz. Darüber hinaus gibt’s im Rahmenprogramm neben dem Angebot, mit Ludger Terlinden am Friedensdenkmal zu bauen, einen Menschenkicker, einen Bungee-Run, der niemanden so einfach weglaufen lässt.

Im Gegenteil. Die Festival-Macher hoffen, dass noch weit mehr kommen als die gut 1000 Leute, die sich inzwischen eine Karte für den Festival-Samstag – der Sonntag ist gratis – gekauft haben. Damit sind sie recht zufrieden. Doch jeder, der an der Abendkasse ein Ticket löst, bringt die Veranstalter der schwarzen Null ein Stück näher. Das Budget ist mit rund 50.000 Euro beachtlich. Beruhigend, dass das NRW-Heimatministerium was beisteuert, und auch die Gemeinde eine Bürgschaft zugesichert hat. Ministerin Ina Scharrenbach will sich bei der Stipvisite am Sonntagmorgen davon überzeugen, dass das Geld gut angelegt ist. Zweifel daran wird sie nach den Erfahrungen bei der Erstauflage von Alpen Home kaum haben.

 Bürgermeister Thomas Ahls betätigte sich am Donnerstag in sommerlicher Arbeitskluft als Stühlerücker. Tanja Klotzbach und Klaus Schmidt schauen zu.
Bürgermeister Thomas Ahls betätigte sich am Donnerstag in sommerlicher Arbeitskluft als Stühlerücker. Tanja Klotzbach und Klaus Schmidt schauen zu. Foto: Armin Fischer (arfi)

Es ist angerichtet für ein großartiges Musikfest mit garantierten Gänsehaut-Momenten. Höhepunkt wird am Samstagabend das Konzert mit dem großen Festival-Chor sein – 170 Stimmen, zwischen sechs und 88 Jahre alt, mit Menschen ohne und mit Handicap, mit Profis wie Judy Bailey, die die Songs geschrieben hat, und Solisten wie die inzwischen 17-jährige Syrerin Sidra, die vor drei Jahren bei der Alpen-Home-Premiere mit ihrer Stimme das Publikum zu Tränen gerührt hat und diesmal mit ihrer Mama Seam auf der Bühne steht. Rund 30 Geflüchtete, die in Alpen eine neue Heimat gefunden haben, singen mit und stimmen ein in die neue Hymne „Alpen, mein Ort“.

Gänsehaut-Momente verspricht auch am Sonntag das interreligiöse Friedensfest „Pray for Peace“. Dazu berichtet der 95-jährige Alpener Erwin Neizert von seine Kriegserlebnissen, und jemand aus der Ukraine erzählt, was Verlust von Heimat heißt. Dann ist auch das Friedensdenkmal fertig.

(bp)