Kita-Kosten: Kreis Wesel führt neue Pauschale ein

Kreis Wesel : Kita-Kosten: Kreis führt neue Pauschale ein

Bis zu zwölf Stunden Betreuung durch Kita oder Tagesmutter – der Kreis Wesel reagiert mit Beitragserhöhungen.

Weil in immer mehr Familien beide Elternteile arbeiten, wächst der Bedarf an Kinderbetreuung im Kreis Wesel stark an. Insbesondere nimmt die Zahl der Kinder, die mehr als 45 Stunden pro Woche in der Kita betreut werden müssen, stark zu. So gibt es Kinder, die mittlerweile im Schnitt zwölf Stunden pro Tag betreut werden – in der Kindertagesstätte und ergänzend von Tagesmüttern. Das kostet – darauf reagiert die Kreisverwaltung.

Eltern konnten bisher wählen, ob sie ihre Kinder für 25 Stunden, 35 Stunden oder 45 Stunden betreuen lassen wollen. Entsprechend zahlten sie unterschiedlich hohe Beiträge. Eine Betreuung über 45 Stunden sei lange die starke Ausnahme gewesen, heißt es in einer vom Fachbereich Jugend für den Kreistag erstellten Vorlage. Das hat sich geändert: Elf Kinder in den Kitas des Kreises werden derzeit bis zu 50 Stunden, 20 bis zu 60 Stunden und 16 sogar mehr als 60 Stunden betreut. Bei fünf Betreuungstagen bedeutet dies, dass manche Kinder im Schnitt zwölf Stunden am Tag betreut werden müssen, durch Kita und in den Randzeiten durch Tagesmütter. „Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur“, sagt Tanja Witthaus, Leiterin des Jugendamtes beim Kreis Wesel.

Nicht immer, so teilen andere Mitarbeiter des Kreises vertraulich mit, seien es aber Arbeitsgründe, weshalb die Tagesmutter in Randzeiten einspringt. Dem Kreis Wesel sind auch Fälle bekannt, in denen ein Elternteil die Betreuung durch Tagesmütter nutzt, um abends mal in die Disco gehen zu können. Wenn die Familie nicht betreuen kann, werde die Tagesmutter gebucht, berichten Kreismitarbeiter. Hier wird genutzt, was der Gesetzgeber bietet.

Der Kreis Wesel betreut in den sieben kleineren Kommunen, darunter Hamminkeln und Schermbeck, als Jugendamt die Kitas. In Städten wie Wesel und Dinslaken wiederum ist die Kommune Träger der Kitas. In Wesel wird die Regel schon umgesetzt, dass man bei einer Nutzung von über 45 Stunden auch extra zahlt. Nun will auch der Kreis reagieren. Für ihn ist es ein Kostenfaktor, weil die Elternbeiträge eine solch hohe Nutzung von Betreuung nicht vorsahen – bei 45 Stunden Betreuung war Schluss, der Rest war nicht durch Beiträge refinanziert. Insgesamt 462 Stunden, umgerechnet 120.000 Euro, musste der Kreis an Tagespflegepersonen und für Kita-Kosten extra zahlen. Die Randzeitenzuschläge und Nachtpauschalen für Tagesmütter seien hier nicht einmal eingerechnet, teilt der Kreis in einer Vorlage mit.

Die Politik im Kreis ist jetzt aufgefordert, hier über ein neues Modell abzustimmen. Wer bis 20.000 Euro im Jahr verdient, muss keine Zusatzbeiträge bezahlen, wenn er sein Kind mehr als 45 Stunden betreuen lässt. Bei Einkommen bis 49.000 Euro sind 30 Euro im Monat zusätzlich zu zahlen. Wer über 85.000 Euro verdient, der muss bis zu 91 Euro mehr zahlen. Der Kreis liegt mit seinen Einkommensgrenzen noch sehr niedrig. Andere Kommunen belasten auch höhere Einkommen noch stärker. In Wesel gibt es eine zusätzliche Stufe von 85.000 Euro bis 97.000 Euro, von 97.000 Euro bis 110.000 Euro und über 110.000 Euro. Das bedeutet: Hier zahlen Wohlhabende noch deutlich mehr Kita-Gebühren. Der Kreis agiert hier noch zurückhaltend, belastet obere Einkommen nicht stärker.

Am Donnerstag war das Thema im Kreisausschuss. Auch beim nächsten Kreistag am Donnerstag, 4. April, wird das Thema behandelt. Der Jugendhilfeausschuss hat der Planung des Kreises bereits zugestimmt. Eine Überarbeitung der Beitragssatzung im Kreis Wesel ist generell nötig, weil sich die Gesetzeslage zum 1. August 2019 verändert. Baukindergeld darf bei der Einkommensberechnung nicht berücksichtigt werden. Weitere Änderungen seit 1. Januar 2019: Schulkinder dürfen bei Bedarf in den Schließungszeiten der Schule durch eine Kindertagespflegeperson betreut werden.

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