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Alpen: Politiker fährt mit dem Fahrrad durch fünf Länder in den Alpen

Fünf-Länder-Tour in den Bergen : Ein Alpener radelt in den Alpen

FDP-Politiker Thomas Hommen ist bei seiner Tour in den Bergen durch fünf Länder gestrampelt und hat dabei mehr als 2000 Kilometer zurückgelegt. Uns hat er erzählt, was er dabei alles erlebt hat.

Kaum hatte sich der Rat Ende Juni in die Sommerpause verabschiedet, war Fraktionschef Thomas Hommen (FDP) schon weg. Über alle Berge. Im ledernen Sattel seines neuen Rades mit der sportiven Modellbezeichnung Supercharger 2 GT Vario. Ein E-Bike. „Mit der Kraft der zwei Akkus“, wie der Marathonradler sagt, hat er in gut zwei Wochen nicht nur vier Landesgrenzen passiert, sondern bei seiner Fünf-Länder-Tour der Alpen-Anrainer 2157 Kilometer strampelnd hinter sich gebracht. Täglich zwischen 120 und 140 Kilometer. 24.281 Höhenmeter stehen im Navi zu Buche. Ein wahrer Kraftakt, trotz Strom im Tank. Auch für einen trainierten Flachlandtiroler aus Alpen am Niederrhein. Und das bei Temperaturen von bisweilen annähernd 40 Grad. Das zehrt. „0,75 Liter auf zehn Kilometer“, so Hommen. Aqua minerale mit Gas. „Apfelschorle wäre bei der Hitze eine ungenießbare Brühe geworden“, sagt er. „Außerdem hab‘ ich jeden Rasensprenger am Wegesrand mitgenommen.“

Start der Expedition auf zwei Rädern war am 29. Juni, in Wolfratshausen kurz hinter München. Da wohnt „ein Kumpel“, bei dem er sein Auto abstellen kann. Von dort ging’s durch den Allgäu Richtung Bodensee, dann über Vaduz ins Herzogtum Liechtenstein nach Graubünden in der Schweiz, nach Lugano, wo rein sportlich betrachtet, die gewaltigste Herausforderung zu meistern war: Die Erstrampelung des San-Bernardino-Passes auf einer Höhe von 2066 Meter über NN. Und das mit Anhänger für die Sachen zum Wechseln und dem, was es zwingend braucht unterwegs.

 Thomas Hommen radelt und radelt und radelt...
Thomas Hommen radelt und radelt und radelt... Foto: Ostermann
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Der Frühaufsteher stieg morgens um 6 Uhr nach dem unverzichtbaren Tee zum Frühstück in den Sattel, den Pass voraus. Vor ihm 3500 Höhenmeter in Serpentinen-Format. Um 8.37 Uhr war er oben, hat er protokolliert. Lange Zeit zum Genießen blieben nicht. Der schwierigste Teil lag noch vor ihm. „40 Kilometer abwärts. Wirklich brutal“, so Hommen, der sich auf „mordsmäßig gute Bremsen“ verlassen konnte und auch auf seine Hände, die „zwischendurch ziemlich weh getan haben“. Klar. In einer hat er seit einem üblen Sturz mit dem Mountainbike kaum Kraft.

Die größten Widersacher auf der Strecke nach unten seien kühler Wind und Autofahrer gewesen. „Ein Schaulaufen der Edelkarossen“, so der Radler. Für Bewunderung war keine Zeit. „Höggschde Konzentration“, wie Ex-Bundesjogi sagt, war nötig. Passiert ist nix. Für einen Abstecher zum Luganer See, wo sich Bürgermeister Thomas Ahls gerade zu der Zeit zum Wasserskilaufen aufhielt, reichte es nicht.

Hommen radelte weiter. Und erreichte die Via-Mala-Schlucht im Schweizer Kanton Graubünden, die einem berühmten Roman über einem brutalen Sägemüller den Titel gab und mit Gerd Fröbe und später Mario Adorf mehrfach verfilmt worden ist. „Ein phänomenales landschaftliches Erlebnis“, nennt Thomas Hommen diese eindrucksvolle Station seiner „Tor-Tour“. „Hier habe ich es wirklich bedauert, dass niemand bei mir war, mit dem ich die unvergleichlichen Eindrücke hätte teilen können.“

In der Metropole Mailand hat es dem FC-Köln-Fan weniger die weltberühmte Kathedrale, sondern der einmalige Fußball-Tempel Giuseppe-Meazza-Stadion angetan. „Die Stadt selber kann mit Rom nicht mithalten“, sagt er. Trotzdem wird für den Freund des Geißbocks Milano unvergessen bleiben. Da hat der Radler vom Niederrhein unfreiwillig die Tür eines Autos aus den Angeln gehoben. Eine Frau hatte unvermittelt die Tür ihres geparkten Autos – „irgendein ein Fiat“– geöffnet. Rumms. Dem Mann im Sattel ist, abgesehen vom Schrecken, kaum was passiert. „Ich habe noch nie so oft in einer Minute das Wort Scusi gehört“, so Hommen.

Eine höchst emotionale Begegnung hatte Thomas Hommen beim Abstecher nach Asola in der Lombardai, in etwa so klein wie Alpen, aber mit einer Kathedrale. Annemarie Cargnelutti, die ihn häufig bei seiner Sitzdemo vorm alten Feuerwehrgerätehaus begleitet hatte, hatte ihn gebeten, unbedingt den Heimatort ihres Mannes anzusteuern. „Sie hat mich über Smartphone durch die Straßen der historischen Altstadt geführt, eine bewegende Art der Stadtführung“, so Hommen.

Über Verona und Trient strampelte der Menzelener weiter gen Südtirol. Seine Familie daheim hatte über Livestandort in WhatsApp jederzeit Plan, wo er sich gerade aufhielt und bekam auch mit, wenn er mal ein Päuschen eingelegt hat oder am Tagesziel war. „So war die Abmachung“, so der Alpen-Radler. In einem Café in Bozen hatte er eine denkwürdige Begegnung mit einem anderen Radler, den er zuvor überholt hatte. Man sei ins Gespräch gekommen. Als der in Bozen beheimatete Mann aufgestanden sei, um sich zu verabschieden, habe er gesehen, dass ihm ein Bein amputiert worden war. „Imponierend, mit einem solchen Handicap sich in den Bergen aufs Rad zu setzen“, findet Hommen.

Dabei fällt ihm ein Unfall ein, in den er selbst verwickelt war. Ein Sturz. Nicht mit „Wurm“, wie seine Kinder sein Rad getauft haben, sondern auf der Hoteltreppe. Eine Unachtsamkeit, die ihm einen fetten Bluterguss am Allerwertesten eingebracht und ihn um den Schlaf gebracht hat. Am nächsten Tag habe er auf dem Weg zum Comer See die Zähne zusammengebissen. Es sei ein Höllenritt gewesen. Es sei zunehmend erträglicher geworden im Sattel. „Ich hab‘ den Bluterguss rausgeradelt.“

Hommen verzichtet unterwegs auf Powerspender. „Zwischendurch essen ist nix für mich“, sagt er. Abends am Tagesziel hat er sich in der Unterkunft seinen Tee gegönnt. „Heißes Wasser gibt es überall.“ Dann habe er sich ein nettes Restaurant gesucht, „in dem es möglichst regionale Küche gab“. Er habe die Kellner gefragt und sei oft überrascht worden. „Köstlich.“ Das Glas Rotwein, das man ihm mal hingestellt habe, habe er fast ausgetrunken, erzählt der Mann, der sonst nie Alkohol trinkt.

Anders als am Niederrhein habe er auf seiner Fünf-Länder-Expedition in den Bergen auf Musik, Podcasts via Knopf im Ohr verzichtet. „Ich habe die Landschaft in vollen Zügen genossen.“ Das Rauschen der Wasserfälle, das Zwitschern der Vögel. So sei Radeln Entspannung pur. Auch auf endlos langen Etappen sei er nie ins Grübeln gekommen. „Man kriegt den Kopf frei. Absolut“, sagt er. Einsam sei sein Ritt über die Berge nie gewesen. „Ich hab‘ viele nette Leute getroffen.“

Inzwischen ist er wieder zuhause. Schließlich geht’s auch für den liberalen Wortführer wieder los mit Politik im Rathaus, wo er sich auf der harten Oppositionsbank furchtlos gegen die politische Mehrheit abstrampelt wie bei den täglichen Touren am Niederrhein. Die nächste Mega-Tour spukt schon in seinem Kopf: Ob Ost-Europa oder Spanien, ist noch offen. Mit der konkreten Planung kann er ohnehin erst beginnen, wenn der Sitzungsplan für 2023 raus ist. Nach der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause geht’s wieder los. So viel steht fest.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mit dem Fahrrad mehr als 2000 Kilometer in den Bergen

(bp)