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Lutz Steinhöfel vom TC BW Neuss zu 50 Jahre Tennis-Bundesliga

Tennis : „Attraktivität der Bundesliga hat sich gewandelt“

Jubiläum für das Tennis-Oberhaus, das es schon 50 Jahre gibt. Lutz Steinhöfel, 2. Vorsitzende des TC BW Neuss, ist seit 1976 in verschiedenen Funktionen dabei und blickt Im Interview auf Vergangenheit und Gegenwart.

Wenn für die Herren des TC BW Neuss am Sonntag mit dem Derby beim Rochusclub Düsseldorf das erste Meisterschaftsspiel des Jahres ansteht, ist das kein Saisonstart wie jeder andere. Denn die Tennis-Bundesliga feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Auch für die Neusser ein besonderes Jubiläum, denn seit ihrem Aufstieg im Jahr 1979 sind sie als Rekordmeister ein wichtiger Bestandteil dieser langen Geschichte, gehören trotz einiger Abstiege als Inbegriff des Traditionsklubs eigentlich zum Inventar. Ein wichtiger Teil der Neusser Erfolgsgeschichte ist Lutz Steinhöfel, der sich allerdings nicht nur an der Jahnstraße den inoffiziellen Titel „Mister Bundesliga“ verdiente. Bevor er 1980 nach Neuss kam, hatte er schon für den Rochusclub und BW Krefeld gespielt, nach seinem Abschied im Jahr 1985 inklusive dreier Meistertitel zog es ihn fünf Jahre nach Leverkusen. Anschließend kehrte er an die Jahnstraße zurück und begleitete die Bundesliga-Mannschaft seitdem in unterschiedlichen Funktionen. Heute ist der 65-Jährige 2. Vorsitzender des Vereins. Steinhöfel weiß also, wovon er spricht, wenn es um 50 Jahre Tennis-Bundesliga geht.

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Herr Steinhöfel, 50 Jahre Tennis-Bundesliga. Wie klingt das für sie?

Steinhöfel Irgendwie befremdlich, wenn ich mir bewusstmache, dass mich diese Liga schon über 45 Jahre meines Lebens begleitet. Schließlich habe ich 1976 mein erstes Spiel bestritten.

 Heute ist Lutz Steinhöfel 2. Vorsitzender des TC BW Neuss.
Heute ist Lutz Steinhöfel 2. Vorsitzender des TC BW Neuss. Foto: ati

Haben Sie bei Ihren Anfängen daran gedacht, dass die Bundesliga eine so wichtige Rolle in Ihrem Leben spielen wird?

Steinhöfel Da habe ich zu dem Zeitpunkt natürlich nicht daran gedacht. In jeden einzelnen Job, den ich angenommen habe, bin ich reingewachsen. Als Spieler habe ich nie über die Zeit nachgedacht. Ich war als Halbprofi unterwegs, im Sommer habe ich Bundesliga gespielt, im Winter in Köln Sport studiert und ab und zu auch mal an einer Qualifikation auf der ATP-Tour teilgenommen. Nach meiner aktiven Zeit war ich zunächst in Leverkusen als Sportdirektor und Cheftrainer tätig, dann hat mich Elu Hansmann nach Neuss zurückgeholt, wo ich zunächst als Cheftrainer und später als Teamchef tätig war. Da kam eins zum anderen.

Was macht für Sie die Attraktivität der Liga aus?

Steinhöfel Das hat sich im Lauf der Jahre gewandelt. Früher war es der hohe Identifikationsfaktor mit den Teams, die aus sechs Spielern bestanden, da gab es von Spieltag zu Spieltag kaum Änderungen. Die Mannschaften bestanden hauptsächlich aus deutschen Spielern, da war nur ein Ausländer erlaubt. Zudem trainierten die meisten Spieler in der Woche vor einem Spiel auf der Anlage und waren für die Mitglieder und Fans greifbar. Heute ist es die Unberechenbarkeit der Liga, die sie interessant macht. Das Niveau der Spieler ist sehr hoch, aber es ist oft bis zuletzt unsicher, wer überhaupt aufläuft. Was zu allen Zeiten gleich war, ist die Tennis-Bundesliga als kompaktes Sommer-Sportevent. Das hat sich besonders in Neuss gut entwickelt, früher hatten wir bis zu 4000 Zuschauer auf der Anlage. Das werden wir zwar nicht mehr erreichen, aber heute sind auch ganz andere Zeiten mit viel mehr Konkurrenz im Wettbewerb um das Publikum.

Was sind für Sie die prägendsten Erinnerungen aus Ihrer Zeit in der Bundesliga?

Steinhöfel Aus sportlicher Sicht hat es mich beeindruckt, dass Weltklasse-Spieler wie Anders Jarryd und Martin Jaite oder auch Marc-Kevin Göllner und Eric Jelen, der gerade an der Seite von Boris Becker den Davis-Cup gewonnen hatte, immer wieder an die Jahnstraße zurückgekehrt sind und wir alle gemeinsam trainiert haben. Da herrschte ein besonderes Miteinander, das mir viel gebracht hat. So etwas ist heute undenkbar. Aus organisatorischer Sicht ist mir noch besonders in Erinnerung geblieben, wie wir um mehr Medienpräsenz gekämpft und in München mit Fernsehsendern verhandelt haben. Da wurden teils Deals mit erheblichen Risiken eingegangen.

Die Bundesligaliga hat schon so manche Krise mitgemacht. Welche ging aus Ihrer Sicht am meisten an die Substanz?

Steinhöfel Als erstes fällt mir da das Bosman-Urteil, das auch in der Tennis-Bundesliga für große Verwerfungen gesorgt hat. Bestanden die Mannschaften bis dahin hauptsächlich aus Deutschen, waren ihnen plötzlich Spieler aus dem europäischen Ausland gleichgestellt. So kamen immer mehr Ausländer in die Teams, was zu einer Entfremdung bei den Fans führte. Einschneidend war sicher auch der Wechsel von Sechser- auf Viererteams, was zunächst auf viel Skepsis stieß. Aber ich selbst habe Spiele noch nach Mitternacht bestritten, das war nicht mehr zeitgemäß. Allerdings haben die Viererteams nicht zur einer Entlastung des Etats geführt. Für Ärger hat auch ein Konflikt mit der ATP gesorgt, die die Bundesliga eher als Schaukämpfe betrachtete und Topspielern untersagt hat, dort zu spielen.

Welche Rolle nimmt Neuss in der Bundesliga-Geschichte ein?

Steinhöfel Als Rekordmeister mit zehn Titeln und einem Europacup-Sieg eine sehr wichtige. Da zehrt der Verein heute noch von. Elu Hansmann war der Motor hinter diesen Erfolgen, die wirtschaftliche Kraft. Wobei man auch sagen muss, dass es mit den Erfolgen auch gelungen ist, andere Topsponsoren wie etwa Toshiba zu gewinnen. Heute ist die Gewinnung von Sponsoren aber noch mal ein deutlich härteres Geschäft, gerade in unserer Region, wo es gleich mehrere Tennis-Bundesligisten und große Konkurrenz aus anderen Sportarten gibt. Aber der Verein ist auf einem guten Weg. Sportlich machen Marius Zay als Teammanager und Clinton Thomson als Teamcaptain einen tollen Job und haben eine gewisse Frische reingebracht.

Neuss hat die Liga regelmäßig mit Ausnahmespielern bereichert.

Steinhöfel Grundsätzlich hatten wir ein gutes Näschen, wenn es darum ging, Spieler mit großem Potenzial zu verpflichten. Die prominentesten Beispiele sind wohl der Brasilianer Gustavo Kuerten und der Spanier Rafael Nadal, die nach ihrer Zeit bei uns so richtig durchgestartet sind. Ein aktuelles Beispiel ist der Niederländer Botic van de Zandschulp, den niemand kannte, als er zu uns kam, jetzt ist er die Nummer 25 der Welt und gilt bei uns schon als Neusser. Wir lagen aber auch schon daneben. Einen gewissen Stan Wawrinka aus der Schweiz haben wir auch mal nach einem verlorenen Spiel nach Hause geschickt.

Seit einigen Jahren wirbt die Bundesliga mit dem Slogan „Weltklasse in Klub“. Zieht das?

Steinhöfel Zunächst einmal ist das die Wahrheit, wenn man bedenkt, welche Topspieler in den Kadern stehen. Das ist aber eine andere Attraktivität als früher, eine mit mehr Distanz. Die größere Bedeutung der internationalen Turniere erfordert von den Vereinen und von Publikum eine andere Herangehensweise. Das ist dem Wandel geschuldet, die Zeit lässt sich nun mal nicht mehr zurückdrehen.

Wird es die Bundesliga noch weitere 50 Jahre geben?

Steinhöfel So weit will ich mich nicht aus dem Fenster lehnen. Es ist ja auf der Welt gerade zu sehen, wie schnell sich alles wandelt, wie schnell Unvorhergesehenes passieren kann. Ich schaue zunächst mal auf die nächsten zehn Jahre. Da wird die Bundesliga ihre Attraktivität behalten, wenn die angestoßenen Entwicklungen so positiv weitergehen.