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Holzheimer Hartmut Forster gewinnt den Hiddensee-Marathon

Kanu : Holzheimer gewinnt den Hiddensee-Marathon

Wo andere Urlaub machen, überwand Hartmut Forster den inneren Schweinehund: Siebeneinhalb Stunden war der Kanute der Holzheimer SG in der Ostsee vor Stralsund unterwegs. Das brachte ihm den Sieg beim Hiddenseemarathon über 70 Kilometer.

Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft gehört zu den bevorzugten Urlaubsregionen. Lange Sandstrände, Kiefernwälder zwischen Ostseeküste und Bodden, Salzwiesen, auf denen im Herbst Tausende von Kranichen rasten, Seebäder und pittoreske kleine Dörfer mit den buntbemalten Haustüren – all das macht die Region zwischen Warnemünde und Stralsund, mit den Halbinseln Fischland, Darß und Zingst und den vorgelagerten Inseln Rügen und Hiddensee einzigartig in Deutschland.

Hartmut Forster hatte freilich nicht die 700 Autobahnkilometer auf sich genommen, um sich am Strand in die Sonne zu legen. Und zumindest siebeneinhalb Stunden lang hatte der Kanute der Holzheimer SG auch keine Augen für die landschaftlichen Schönheiten. Denn genau so lange brauchte der 57-Jährige, um mit seinem Kanu die 70 Kilometer zu bewältigen, die den Hiddenseemarathon mit Start und Ziel in Stralsund ausmachen.

Der Holzheimer Hartmut Forster (linkes Bild r. neben seinen vereinskollegen Reiner Froitzheim und Tina Funke) war in diesem Jahr am schnellsten im Ziel. Foto: Veranstalter

Diese Zeit brachte ihm den Sieg in der Leistungsklasse K 1 der Männer zwischen 40 und 59 Jahre, die das stärkste Teilnehmerfeld der Corona-bedingt etwas geschrumpften Veranstaltung aufzuweisen hatte. In den vergangenen Jahren lagen meist 70 Boote zum Start am Bootssteg der Stralsunder Sundpromenade, am vergangenen Samstag waren es 40. „Die Starter strahlten um die Wette, glücklich, sich endlich wieder auf dem Wasser messen zu können,“ sagt Kerstin Kolwey aus dem Organisationsteam des Stralsunder Kanu-Clubs, „Wermutstropfen war, dass die Veranstaltung diesmal ohne Vereinsfest für jung und alt stattfand. Fazit: Es war anders als all die Jahre zuvor,“ schreibt sie auf der Facebookseite des Veranstalters, „aber dennoch wieder ein Erlebnis.“

Hartmut Forster kann das nur bestätigen. „Das Rennen ist ein Kick! Toll, dass die Organisatoren gegen den Absage-Trend durchgezogen haben,“ wird der Holzheimer in der „Ostsee-Zeitung“ zitiert, die ihn in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung über den Hiddenseemarathon unter der Schlagzeile: „Hartmut Forster kämpft mit der Psyche und gegen die Wellen zum Sieg beim Hiddenseemarathon“ stellte. Und weil der Artikel bereits erschienen ist, zitieren wir ihn gern – und verzeihen den Kollegen auch die Formulierung vom „Rheinländer, der für die SG Holzheim (bei Düsseldorf)“ paddelt:

„Forster und etwa 30 weitere Sportler waren um 6 Uhr Richtung Hiddensee gestartet. Die vermeintlich schnelleren Boote jagten eine Stunde später hinterher. Einholen konnte Forster aber niemand mehr. „Die ersten 34 Kilometer waren sehr angenehm. Wir fuhren mit Strömung los. Doch dann kamen der Gegenwind und die Wellen“, sagt Forster und gibt preis: „Stundenlang siehst du die Nikolaikirche von Stralsund, sie kommt aber nicht näher. Da dreht die Psyche irgendwann am Rad.“ Daher schaute Forster auf den letzten Kilometern stur nach unten, auf seine Uhr. Als diese 13.30 Uhr anzeigte, wurde er unter Applaus im Ziel begrüßt. Damit gewann Forster bei seiner Hiddenseemarathon-Premiere das am stärksten besetzte Teilnehmerfeld der K1 Männer 40 bis 59 Jahre vor Bernd Peuschel und Frank Wagner, die nach 7:36 Stunden gemeinsam ins Ziel glitten.“ Seitdem kennen sie Holzheim jetzt auch in Stralsund.