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Serie Fußballfans aus Ratingen: Familie Derichs und der MSV Duisburg

Serie Fußballfans in Ratingen (Teil 3, Familie Derichs) : Generationenlang blau-weiß für den MSV

Ratingen ist eine fußballbegeisterte Stadt – mit breit gefächerten Sympathien. In unserer Serie berichten Anhänger unterschiedlicher Vereine über die Liebe zu ihrem Klub, ihre schönsten Fan-Erlebnisse, -Rituale und -Träume.

Wie eine Landmarke markiert seine riesige Zebra-Fahne den heimischen Hof in der Tiefenbroicher Siedlung. „Die ist extra so aufgehängt, dass sie rundum sichtbar ist“, sagt Klaus Derichs. Nicht nur, was die Außenwirkung angeht, ist der Lintorfer Landwirt ein Fan, wie ihn sich jeder Verein nur wünschen kann: Immer und überall dabei, samt seiner ganzen Familie – und das seit Jahrzehnten, denn die Begeisterung für den MSV Duisburg reicht schon zwei Generationen weiter zurück.

„Mein Großvater hat in Lintorf seinen Hof aufgebaut und seine Erzeugnisse auf dem Großmarkt in Duisburg verkauft“, erinnert sich der gebürtige Ratinger, „und zu seinen Kunden gehörten die damaligen MSV-Spieler.“ Und die errangen – mit der Energie aus Bauer Derichs Gemüse – gleich im allerersten Bundesligajahr die Vize-Meisterschaft. „Und das hat sich mein Opa natürlich im Stadion angesehen und hat mich damals schon mit genommen“, erinnert sich der heute 60-Jährige, der seitdem die blau-weiße Leidenschaft intensiv lebt. Mit ihm selbstverständlich auch Ehefrau Edeltraud, Tochter Carina und Sohn Timo.

Als Dauergast seit nun 55 Jahren kennt Klaus Derichs die Wedau wie seine Westentasche, verfolgte die Spiele sowohl im alten Stadion wie auch in der neuen Arena von den unterschiedlichsten Stellen aus: Als Kind auf Opas Schoß, als Jugendlicher bei vollem Haus manchmal in den Bäumen sitzend, später mit den eigenen Kindern im Familienblock oder sogar schon in der Loge.

Und in seinem fußballerischen „Wohnzimmer“ hat er die traditionsreiche Bundesliga-Geschichte des MSV von Beginn an erlebt und dabei alle MSV-Legenden in Aktion gesehen: Von Preuß und Krämer über Bella, Worm, Tönnies und Wohlert bis zu Stoppelkamp. „Die größte Zeit waren die Siebziger“, schwärmt Derichs auch heute noch vom Spiel der Mannschaft um seine Lieblingsspieler Dietz, Büssers und Seliger. „Mit der Truppe haben wir nicht nur regelmäßig tolle Siege gegen die Bayern gefeiert, sondern sind sogar bis ins Europacup-Halbfinale gestürmt.“

Zu den größten Highlights zählt er auch die vier DFB-Pokalendspiele, die er alle „live“ erlebt hat – wobei besonders eines ihm noch nachhängt: „Das 98er-Finale gegen die Bayern war das beste Pokalspiel, das ich gesehen habe“, bekräftigt Derichs, „so nah am Titel waren wir noch nie – bis der überragende Salou kaputtgetreten wurde.“

Auch im Liga-Betrieb ist der „Alles-Fahrer“ deutschlandweit mit seinen Zebras unterwegs, kennt die Stadien von Sandhausen bis Hamburg, von Erfurt bis München. Und das auf allen erdenklichen Verkehrswegen: per PKW, Zug, Bus, Flugzeug oder Schiff. Die zwölf Kilometer bis zur Wedau fährt er auch gerne mal mit dem Fahrrad. Nur die lange geplante Planwagen-Tour mit dem eigenen Traktor zum Uerdingen-Spiel in Düsseldorf musste er Corona-bedingt verschieben.

Derichs ist aber nicht nur umtriebig in der Organisation von Touren, sondern auch im Netzwerken mit Gleichgestreiften: Die „Lintorfer Zebras“, einen über 20 Mitglieder starken Fan-Club, hat er selbst mit gegründet. Darüber hinaus pflegt er beste Kontakte zu den „Kreis Mettmanner Zebras“ und der „Area 47“, in der Junior Timo aktiv ist. Und auch der Umgang mit Fans anderer Farben funktioniere. „Man frotzelt mal untereinander, aber ansonsten pflegt man in Ratingen ein gutes Miteinander.“

Beim MSV sieht er die Fans als wichtigste Säule, wie sich nicht erst nach der Lizenzverweigerung 2013 gezeigt habe. „Wir sind eine hartgesottene Fan-Schar mit einer ‚Immer-wieder-aufstehen-Mentalität‘ – treu, emotional, lautstark, reisefreudig und bunt gestreut“, betont Derichs. „Und man kennt sich. Es ist wie eine große Familie.“ Und das werde beim MSV generell gelebt. Als eines Tages die große Fahne von seinem Hof verschwunden war, klingelte es spätabends an der Tür. Draußen stand MSV-Trainer Torsten Lieberknecht und brachte seinem verdutzten Nachbarn ein neues Zebra-Banner.

Und was bringt die Zukunft? „Kurzfristig wünsche ich mir natürlich den Aufstieg in die Bundesliga“, sagt Klaus Derichs, „und mein Traum ist es, dass wir irgendwann doch mal den DFB-Pokal nach Duisburg holen“. Aber wie es auch kommt, eines steht für ihn und seine Familie fest: „Wir sind immer dabei!“ Solange die Corona-Regeln es zulassen, versteht sich.