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Neuss: Rheinwerk fährt wieder hoch

Neuss : Rheinwerk fährt wieder hoch

Dreieinhalb Jahre fuhr Deutschlands größte Aluminiumhütte auf Sparflamme, jetzt verdreifacht der Hydro-Konzern die Produktion wieder und sichert so 620 Arbeitsplätze. Für die Mitarbeiter endet eine lange Zeit der Ungewissheit.

Nach Jahren des Verzichtes, der Ungewissheit und des Kampfes brach sich die Erleichterung der Mitarbeiter in Deutschlands größter Aluminiumhütte in Jubel und Tränen Bahn: Das Rheinwerk, 2009 auf Sparflamme gesetzt und seitdem der Schließung manchmal näher als dem Fortbestand, ist gerettet. Das war die Botschaft, mit der Oliver Bell, Konzernvorstand des Hydro-Konzerns, gestern in eine Mitarbeiterversammlung kam.

Joachim Brenker, seit 32 Jahren im Werk und Leiter der Anoden-Anschlägerei, war von der Nachricht überrascht, wie er nach der Versammlung zugab. Der Aluminium-Preis auf dem Weltmarkt und andere Eckdaten hatten ihn eine solche Nachricht zum jetzigen Zeitpunkt nicht erwarten lassen. Und in der Tat musste Bell einräumen: "Wir preschen etwas vor." Denn die EU-Kommission hat zwar nach jahrelangem Ringen erlaubt, dass die Mitgliedsländer ihren energieintensiven Industrien einen Teil der CO2-Kosten am Strompreis erstatten, doch ein Bundes-Gesetz dazu steht noch aus. Aber, so Bell, warum sollte die Regierung hinter ihre bisherigen Aussagen zurückfallen?

770 Beschäftigte hatte das Rheinwerk, als es 2008 letztmalig Volllast fuhr und jährlich 230 000 Tonnen Rohaluminium produzierte. 680 sind es derzeit, viele davon in Kurzarbeit. 50 000 Tonnen Aluminium jährlich produziert das Werk in dieser Zeit. 620 Mitarbeiter sollen es künftig sein. Denn in der Hütte werden nach dem Jahreswechsel nur zwei von drei Produktionssträngen wieder hochgefahren. Das Werk wird eine Jahresleistung von 150 000 Tonnen Rohaluminium nicht überschreiten (können), weil die Höhe der CO2-Kostenerstattung gedeckelt ist. Jede Tonne Aluminium, die mehr hergestellt würde, wäre damit schlicht zu teuer. Aber diese 620 Jobs sind sicher.

Betriebsbedingte Kündigungen, die es schon in den zurückliegenden schwierigen Jahren nicht gegeben hat, sollen auch künftig nicht ausgesprochen werden. Im Gegenteil. Für die Ingangsetzung der eingemotteten Öfen — am Ende werden 318 in Betrieb sein — wird zusätzliches Personal benötigt. Das aber werden Leiharbeiter sein.

Voraussetzung für die Rettung des Rheinwerkes sind die geänderten Rahmenbedingungen. Doch auch das allein hätte nicht gereicht, stellt Bell klar. "Als alleinstehende Hütte hätte das Rheinwerk keine Chance." Aber im Verbund mit den Gießereien und Walzwerken in Grevenbroich und Neuss, die den Rohstoff auf kurzen Wegen zur Weiterverarbeitung bekommen, bekomme die Hütte strategische Bedeutung. Langfristig abgesichert, soll nun investiert und zunächst die Recycling-Sparte ausgebaut werden.

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(NGZ/jco)