1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Rheinwerk muss weiter bangen

Neuss : Rheinwerk muss weiter bangen

Die Europäische Kommission erlaubt Kompensationszahlungen des Bundes an energieintensive Betriebe. Doch nicht zu 100 Prozent. Für das Rheinwerk kann Hydro Aluminium noch keine Entwarnung geben. Es wird knapp.

Brüssel sagt Ja zu Kompensationszahlungen der Bundesregierung an Aluminiumhütten und andere energieintensive Betriebe. Das ist seit gestern amtlich. Doch im Rheinwerk, wo auf diese Entscheidung seit Jahren gewartet wird, wurden die Taschenrechner und nicht die Sektflaschen herausgeholt. Denn weil die Europäische Kommission unter der Forderung einer 100-prozentigen Kompensation bleibt, muss nun spitz nachgerechnet werden, ob die finanzielle Hilfe am Ende für die Fortführung der Hütte mit 900 Arbeitsplätzen reicht. "Es wird ganz knapp", glaubt Oliver Bell.

Der Präsident von Hydro Aluminium Deutschland zeigte sich mehr als enttäuscht über die Brüsseler Entscheidung. Trotzdem halte der Konzern zunächst an dem Ziel fest, das Rheinwerk, die "Rohstoffstufe" im magischen Dreieck der Aluminiumindustrie im Rhein-Kreis, zu halten. Auf der Zielgeraden, so Bell, werde es daher keine Kurzschlusshandlung geben. Das heißt: Bis alle Kalkulationen stehen, wird im Rheinwerk Alu geschmolzen. Das heißt aber auch: Wenn kommende Woche das Kurzarbeitergeld ausläuft, wird es keine Kündigungen geben. Die Mehrkosten schultert der Konzern, der parallel mit Betriebsrat und Arbeitsagentur über weitere Schritte verhandelt.

Die Politik kommentierte die Entscheidung positiv. Die nun vorliegenden Leitlinien würden es überhaupt erst ermöglichen, dass der Bund einen Teil der Kosten erstattet, die als CO2-Abgabe auf den Strompreis aufgeschlagen werden, betont Karl-Heinz Florenz, Europa-Abgeordneter auch für Neuss. Und die Agenturen zitierten Berliner Regierungskreise mit der Aussage, dass die Absenkung der Förderung geringer ausgefallen sei als geplant. Aber das stimmt Bell nicht fröhlicher.

Auf dem Papier dürfen ab dem kommenden Jahr 85 Prozent dieser indirekten CO2-Kosten erstattet werden. Diese Quote sinkt bis 2020 auf 75 Prozent. Doch diese Erstattung gibt es nur für eine Produktionsmenge, die im Mittel der vergangenen fünf Jahre liegt — in denen die Neusser Hütte ihre Kapazitäten nicht ausschöpfen konnte. Und: Die Anlagen müssen neuestem technischen Stand entsprechen, um die volle mögliche Erstattung zu bekommen. Das soll einen Anreiz zu mehr Energieeffizienz schaffen. Auch dieser Wert ist noch nicht definiert, sagt Bell, der das Rheinwerk gut aufgestellt findet und keine Abschläge in dieser Hinsicht erwartet. Trotzdem rechnet er alles in allem damit, dass ein von seiner Minimalauslastung wieder hochgefahrenes Rheinwerk nur 50 Prozent der CO2-Kosten erstattet bekommt. Das könnte am Ende zu wenig sein.

(NGZ/url)