Neuss: Politik stärkt Alu-Industrie

Neuss : Politik stärkt Alu-Industrie

Die Hütten in Deutschland sind unter Druck. Unter diesem Eindruck drängt die Neusser CDU bei der EU-Kommission auf rasche Entscheidungen. Und auch Grünen-Chef Jürgen Trittin macht klar: "Wir wollen diese Industrie erhalten."

Die Aluminiumhütte in Voerde ist insolvent, bei der Trimet Aluminium AG Essen deutet sich erstmals seit Jahren ein negativer Jahresabschluss an. Zwei Nachrichten, eine Botschaft: Um die Hütten in Deutschland steht es schlecht. "Wir veröffentlichen keine separaten Zahlen, aber bei uns sieht es ähnlich aus", berichtet Oliver Bell, Vorstand von Hydro Deutschland. Und das klingt noch freundlich.

Jürgen Trittin (Grüne): "Wertschöpfungskette komplett erhalten.". Foto: woi

Ende Mai läuft im Rheinwerk, wo der norwegische Konzern Roh-Aluminium auch für das magische Dreieck der Alu-Industrie im Rhein-Kreis herstellt, die Kurzarbeiter-Regelung ab. Mindestens drei Monate muss die Aluminiumhütte, die schon seit drei Jahren mit nur 20 Prozent ihrer Kapazitäten läuft, dann auf sich allein gestellt überleben. Weiter denkt Bell noch nicht. Denn der Mai soll endlich die Entscheidung aus Brüssel bringen, ob die Bundesregierung energieintensiven Betrieben wie eben den Hütten eine Kompensation für den CO2-Anteil an den Stromkosten zahlen kann. Dann muss es sich entscheiden: Schließt das Rheinwerk, oder wird die Produktion hoch gefahren und neu investiert.

Jörg Geerlings (CDU): Zögerliche Haltung der EU gefährdet Alu-Standorte. Foto: Hans-Georg Pelzer

Vor diesem Hintergrund hat sich der CDU-Landtagskandidat Jörg Geerlings an die Europäische Kommission gewandt. "Die zögerliche Haltung der EU-Kommission gefährdet den Bestand der Aluminium-Standorte Alunorf und Hydro Aluminium, die europaweit Bedeutung haben", erklärt er die Offensive. Geerlings sieht eine solche Kompensation nicht als Beihilfe, sondern als "eine Unterstützung in einem verzerrten Wettbewerb".

  • Fahndung mit Hubschrauber in Neuss : Junger Mann überfällt Kiosk in Uedesheim
  • Diebstahl in Neuss : Wohnwagen gestohlen
  • Täter in Neuss unterwegs : Mehrere Autoscheiben über Nacht eingeschlagen

Rückendeckung für die Rheinwerker gab es gestern auch von den Grünen. Gemeinsam mit dem Landtagskandidaten Hans-Christian Markert besuchte der Bundestagsfraktionsvorsitzende Jürgen Trittin die Neusser Hütte. "Wir Grünen möchten die Wertschöpfungskette der Aluminium-Industrie komplett in Deutschland erhalten", stellte Trittin für seine Partei klar, deren Politik, so der Gast aus Berlin, auf Energie- und Rohstoffeffizienz abziele. "Und gerade die Aluminium-Industrie hat eine Recyclingrate wie kaum eine andere." Seiner Überzeugung nach ziehen sich die Verhandlungen mit Brüssel auch deswegen in die Länge, weil die Bundesregierung die Kompensationszahlungen allen energieintensiven Industrien zukommen lassen will. Auch solchen, sagte er mit Blick etwa auf die Zementindustrie, die anders als die Hütten in keinem "unfairen Wettbewerb" bestehen.

Hydro selbst arbeitet selbst daran, die Werke durch Effizienz wirtschaftlicher zu führen. Ein Einsparvolumen von elf Millionen Euro wurde identifiziert, so ein Sprecher. Ohne Entlassungen. "Aber wir brauchen die Kompensation."

(NGZ/rl)
Mehr von RP ONLINE