Neuss: Hydro will Rheinwerk stärken

Neuss : Hydro will Rheinwerk stärken

Der Hydro-Konzern will das Rheinwerk als Hütte für die Produktion von Roh-Aluminium erhalten. Die Anbindung an das Walzwerk in Grevenbroich ist ein Baustein. Ist das Werk zu halten, soll es auch Recycling-Anlagen bekommen.

Der Aluminiumkonzern Hydro Norsk führt seine Unternehmen im Rhein-Kreis unter einem Dach zusammen und verklammert die Hütten im "magischen Dreieck" auch organisatorisch. Damit habe der Konzern alle Vorbereitungen für die Weiterführung der Betriebe geschaffen, fasst der Betriebsratsvorsitzende Günther Appelstiel aus Sicht der fast 5000 Arbeitnehmer zusammen.

Die neue Struktur mindert vor allem den wirtschaftlichen Druck, der auf dem defizitären Rheinwerk liegt. Das musste sich bislang im Kostenvergleich mit den anderen Hütten des Konzerns messen lassen. "Umgehängt" und unter das Dach der von Grevenbroich aus geführten Walzwerksparte gebracht, erhält nun der Faktor Nähe einen Wert in den Bilanzen.

Das Rheinwerk zur Herstellung von Roh-Aluminium zu erhalten, ist ausdrückliches Ziel des Konzerns, betonte gestern Vorstand Oliver Bell. Derzeit bilden die drei Werke im Rhein-Kreis eine Wertschöpfungskette von der Herstellung des Rohstoffs bis zum Endprodukt. Jedes Element in dieser Kette sei wichtig, sagt Bell. "Wenn man eines herausschneidet, sterben die anderen nicht sofort, aber sie werden geschwächt." Und weil in anderen Gegenden der Welt solche Cluster wie das "magische Dreieck" im Rhein-Kreis nachgeahmt werden, weiß Bell schon heute: Das wird der Wettbewerb der Zukunft. Und dem möchte er sich nicht ohne "abgeschnittene Rohstoffstufe stellen".

Sorgenkind von Hydro war und bleibt das Rheinwerk, das seit drei Jahren nur mit 20 Prozent seiner Kapazität produziert. So lange schon wird nicht zuletzt auf europäischer Ebene um die Frage gerungen, ob die Bundesregierung Kompensationszahlungen für die CO2-Kosten im Strompreis leisten und so die Rahmenbedingungen für die Hütten an die der internationalen Konkurrenz angleichen darf. Ein erster Entwurf der EU für eine solche Regelung liegt seit zwei Wochen vor, ist aber aus Sicht der Industrie noch nicht akzeptabel.

Doch eine Entscheidung soll im ersten Quartal fallen. Noch sei alles möglich, sagt Bell, der an zwei Szenarien denkt: Kapazität rauf fahren — oder auf Null. Eine Deckelung auf 50 000 Jahrestonnen wie bisher sei, so Bell, "keine gute Lösung." Zumal für die Schwesterwerke Alu zugekauft wird. Das könnte auch im Rheinwerk produziert werden.

Von der Kapazität der Rheinwerk-Produktion hängt ein neues Großprojekt ab. Denn im ersten Quartal fällt auch die Entscheidung, ob neben den Recycling-Öfen bei Alunorf eine solche Sparte auch im benachbarten Rheinwerk aufgebaut wird. Der Bedarf sei da, die Energie in Form der Abwärme aus der Elektrolyse auch. 100 000 Aluminium recycelt Hydro derzeit jährlich im Kreis. Eine Kapazität von 1,3 Millionen Tonnen aber ist das Ziel.

(NGZ/rl)