Fridays for Future“ in Moers und Neukirchen-Vluyn: Protest für das Klima.

„Fridays for Future“ in Moers und Neukirchen-Vluyn : Klimaschutz ist wichtiger als Schulbank

„Fridays for Future“ eroberte gestern den Niederrhein: In Moers und Neukirchen-Vluyn demonstrierten viele hundert, zumeist jugendliche Menschen für mehr Achtsamkeit im Umgang mit der Umwelt und den Ressourcen.

Moers und Neukirchen-Vluyn erlebten gestern die „Fridays-for-Future“-Bewegung. Viele hundert Schüler protestierten für den Klimaschutz.

In Moers war der Königliche Hof Treffpunkt. Jung wie Alt schrieben ihre Forderungen auf Pappschilder. Trillerpfeifen verliehen dem Ganzen Nachdruck. „Wir unterstützen die Jugend“, meinte Bettina Lange, die mit Vierbeiner Ferrero teilnahm. „Act now“ und „Klimakrise“ war auf seinem Rückenschild zu lesen. Ruth Radtke empörte sich. „Wir brauchen einfach mehr Aufmerksamkeit. Das ist noch zu wenig. Moers ist eine Schlafnase“, so die Moerser mit über siebzig Lenzen. Elftklässlerin Marie Baemke (17) zeigte ebenfalls Flagge. Die Schülerin der Hermann-Runge-Gesamtschule findet es gut, dass jetzt auch Moers Teil der großen Klimaschutzbewegung ist. „Da sieht man auch, welche Reichweite die Aktion hat und selbst eine kleinen Stadt wie Moers erreicht.“

Die Botschaften auf den Pappschildern unterstreichen die Bedeutung vom Klimaschutz („Opa, was ist ein Schneemann?“) oder nehmen Bezug auf die Plastikvermüllung der Meere und ihrer Pflanzen- und Tierwelt. Jan Pütter (19) gehört mit zum Orgateam. Die Demo ist angemeldet, die mehrminütigen Redebeiträge koordiniert, so für Vertreter von Parteien, aber auch Superintendent Wolfram Syben stand auf der Rednerliste. Unterstützung bekam die Aktion unter anderem vom Kirchenkreis Moers, der Grünen Jugend wie dem Bündnis für Moers. Mit dabei Eltern als „parents-for-future“.

In Neukirchen-Vluyn zogen rund 400 Schülerinnen und Schüler von Vluyn aus über die Niederrheinallee zum Rathaus. Foto: Dirk Neubauer

Die Zahl der Teilnehmenden war für Pütter in Ordnung. „Wir wollen Druck auf die Kommunalpolitik machen. Gut wäre, wenn bei uns, ähnlich wie in Münster oder Tönisvorst, der Klimanotstand ausgerufen würde“, so Pütter zu konkreten Zielen. Schülerin Anna Neumann appellierte als Rednerin an Ziele und Maßnahmen, die den Planeten Erde unter Schutz stellen. Michael Zerkübel, BUND-Ortsgruppe Moers, wies darauf hin, dass seit der Weltklima-Konferenz von 1990 die sich verändernde Lage im Weltklima bekannt sei.

In Neukirchen-Vluyn versammelten sich rund 400 meist junge Menschen auf dem Leineweberplatz in Vluyn und zogen die gesamte Niederrheinallee hinunter zum Rathaus. Als immer mehr Schülerinnen und Schüler zum Treffpunkt kamen, fiel Organisatorin Antonia Leffers sichtlich ein Stein vom Herzen. Selbst eine Kindergartengruppe des Evangelischen Kindergartens in Vluyn eilte in Zweierreihen herbei, in grünen T-Shirts und mit Blechtrommeln in Deutschland-Farben. Auch in Neukirchen-Vluyn waren die mit viel Wortwitz gestalteten Plakate und Transparente einen genaueren Blick Wert „Grünkohl statt Braunkohle“ lautete die Forderung. Und der Hinweis lautete: „Früher war der Fisch in der Verpackung – heute ist die Verpackung im Fisch“. Von den jungen Leuten wolle sich niemand von der Energiewirtschaft die Zukunft abgraben lassen.

Mit hörbar gemischten Gefühlen hatte zuvor Susanne Marten-Cleef, Direktorin des Julius-Stursberg-Gymnasiums den Protest kommentiert. „Ich stecke im Dilemma, weil wir Umwelt- und Klimaschutz ja zu einem zentralen Thema an unserer Schule gemacht haben – ich andererseits an die Weisungen des NRW-Schulministeriums gebunden bin.“ Die sind eindeutig: Die Demo-Teilnahme gilt nicht als Entschuldigungsgrund. Klausuren wurden dennoch geschrieben. Bürgermeister Harald Lenßen hingegen begrüßte die „Friday for Future“-Demo in der eigenen Stadt: „Bei uns im Rathaus von Neukirchen-Vluyn rennen die jungen Leute offene Türen ein.“

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