Woki-Orchester erforscht Klangwelten in Moers.

Kulturelle Bildung in Moers : Woki-Orchester erforscht Klangwelten

Stadtmusiker Emilio Gordoa experimentierte mit elf- bis 14-jährigen Schülern in einer Klangwerkstatt. Gestern war die Aufführung in der Aula des Gymnasiums in den Filder Benden. Der Grafschafter besuchte eine Probe am Mittwoch.

In der Aula des Gymnasiums scheppert Blech. Die Klang eines Xylophons perlt leise vor sich hin, von irgendwo erfüllt ein elektronischer Ton den weitläufigen Raum, bis ein Paukenschlag den Schlusspunkt setzt: Es ist fast schon ein Gewittersturm aus Geräuschen, Tönen und Klängen, und mittendrin stehen rund 40 Schüler im Alter von elf bis 14 Jahren. Sie bilden zusammen die Woki-Gruppe. „Woki“ steht für Workshop-Orchester für Kinder. Die Leitung hat der mexikanische Vibraphonist und Schlagzeuger Emilio Gordoa, der seit Anfang des Jahres im Auftrag des Moers Festivals als Improviser in Residence den Moersern die aktuelle improvisierte Musik näher bringt. Gordoa hat sich seither auf vielseitige Weise in die Musik- und Kulturszene der Grafenstadt eingemischt. Seit Montag hat er es mit einer besonderen Herausforderung in seiner Residenz-Zeit zu tun: Er erforscht zusammen mit den Schülern die Welt der Klänge. Er animiert die Jungen und Mädchen mit Instrumenten aller Art einfach mal zu experimentieren und zu improvisieren. „Es ist ein großes Abenteuer“, betont Emilio Gordoa im Gespräch mit dem Grafschafter bei einem Probenbesuch am Mittwoch.

Dass so viele Kinder am Workshop teilnehmen würden, damit hatte der Stadtmusiker nicht gerechnet. „Das ist toll. Drei Kinder haben sogar ihre eigenen Instrumente mitgebracht: Akkordeon, Gitarre und Trompete.“ Emilio Gordoa versucht, die Energie der Elf- bis 14-Jährigen zu kanalisieren und mit ihnen ein großes Klang-Orchester zu bilden. Damit es gelingt, hat er sich Unterstützung aus Berlin geholt: den Musiker, Performer und Instrumentenbauer Tomoni Adachi. Möglich wurde das Projekt durch eine finanzielle Förderung aus dem Kulturrucksack 2019. Gemeinsam bringen sie den Schülern die Klangwelten näher. Emilio Gordoa, der ein Jahr lang in Moers lebt und arbeitet, hat sich gut eingelebt. „Ich bin mit Energie und vielen Ideen gestartet. Die Zeit war bisher total schön“, sagt er. Wenn er keine Residenzkonzerte gibt, arbeitet er unter anderem an einem Radioprogramm, mit dem er tagsüber von zwölf bis 18 Uhr auch die Kleine Allee vor der Tür der Improviser-Residenz leise beschallt. „Die Leute bleiben stehen und schauen sich um, woher die Musik wohl kommen mag“, erzählt Gordoa und freut sich. Zurzeit bereitet er sich auf das Moers Festival vor. Dort wird er am Samstag, 8. Juni, mit seinem „Move“-Quintett in der Festivalhalle auftreten. „Die Musiker kommen aus Deutschland, Dänemark, Finnland, Norwegen und Mexiko“, sagt er. Auch ein Unterwasserkonzert wird der Mexikaner im Aktivbad am Solimare auf dem Pfingstspektakel geben. „Es ist eine schöne Zeit in meiner Karriere.“ Zum Schwärmen bleibt am Mittwoch aber keine Zeit: Das Konzert des Woki-Orchesters muss vorbereitet werden. Zusammen mit Tomoni Adachi hat er den Kindern Dirigenten-Zeichen beigebracht, die ihnen anzeigen, wie lang und laut ein Ton sein darf. Und siehe da: der Klang-Sturm lässt nach, ein ohrentaugliches Miteinander entsteht. Den Kindern macht es Spaß: „Wir haben viel ausprobiert“, erzählen Melina (12), Sofie (11) und Carry (12). „Es ist hier anders, als nach Noten zu spielen. Wir experimentieren und machen Geräusche mit Schneebesen, Kabeln und Verstärkern oder ziehen zum Beispiel geteilte Flummys über Trommeln.“

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