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Corona: Bundeswehr unterstützt jetzt den rheinisch-Bergischen Kreis

Hilfe der Kontakt-Nachverfolgung in Rhein-Berg : Corona: Bundeswehr unterstützt den Kreis

Zehn Soldaten helfen dem Gesundheitsamt bei der Kontakt-Nachverfolgung. In Leichlingen kontrolliert das Ordnungsamt die Einhaltung der Regeln.

Das Wort rasant umschreibt derzeit den Anstieg der Corona-Infektionen in der Blütenstadt am besten. Waren es in den vergangenen Woche oft mal ein oder zwei oder gar keine Neuinfektionen in Leichlingen, meldet der Kreis in dieser Woche bereits mehrmals hintereinander ein halbes Dutzend. Die Zahl der Betroffenen seit Ausbruch der Pandemie ist am Freitag auf 115 geklettert. 80 davon gelten als wieder genesen. Bedeutet: 35 Leichlinger sind derzeit an Covid-19 erkrankt. 102 hüten wegen Quarantäne das eigene Haus oder die Wohnung.

Im übrigen Kreis sieht es nicht rosiger aus. Ende vergangener Woche hatte der Inzidenzwert – das ist die Rate der Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen – den kritischen Wert von 50 überschritten, lag bei über 63. An diesem Freitag nennt der Kreis 69,5. In Sozialen Medien kursierte ein Inzidenzwert für die Blütenstadt von 89,3. Der Kreis nannte keinen Wert für Leichlingen. Einzelne Inzidenzen für die Kommunen gebe man bewusst nicht aus, sagt Kreissprecherin Birgit Bär.

Um der Ausbreitung des Coronavirus’ die Rasanz etwas zu nehmen, bekommt das Gesundheitsamt nun Hilfe von der Bundeswehr. Zwischen Mitarbeitern des Amtes in zivil bewegen sich neun Soldaten und eine Soldatin in ihrer Berufskleidung und helfen bei der Kontaktpersonen-Nachverfolgung.

„Im Lagezentrum sind aktuell knapp 20 Angestellte des Gesundheitsamtes im Einsatz und rund 15 Freiwillige aus anderen Abteilungen. Etwa 20 Personen wurden neu eingestellt und 15 bis 20 weitere sollen folgen“, sagt der Kreis. Trotz unermüdlichen Einsatzes seien die rasch steigenden Zahlen von den Verwaltungsmitarbeitenden alleine nicht mehr zu bewältigen, betont der Chef des Krisenstabes, Kreisdirektor Erik Werdel.

Die Bundeswehr-Abordnung sitzt im Großen Sitzungssaal des Kreishauses in Bergisch Gladbach und telefoniert Kontakte nach. „Wir danken für ihre Bereitschaft, die Gesundheitsämter vor Ort zu unterstützen. Die Bundeswehr leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Corona-Lage im Kreis“, merkt Werdel an. Hauptmann Jan Trockels, der den Einsatz im Kreis koordiniert, lobt: „Die Zusammenarbeit klappt sehr gut, die Einarbeitung lief zügig und reibungslos.“

Dass die Hilfe der Bundeswehr gelegen kommt, unterstreicht auch Gesundheitsdezernent Markus Fischer, der das Corona-Lagezentrum leitet. Denn obschon das Team hochkonzentriert Kontakte recherchiere und Corona-Betroffene berate, würden mittlerweile die Beschäftigten mit „teils harschen Beschwerden“ von Bürgern konfrontiert, die lange Wartezeiten bemängeln. Der Kreis betont: Sprunghaft steigende Zahlen sorgten für eine Überforderung der öffentlichen Anlaufstellen wie Bürgertelefon, Quarantäne-Hotline und Kontaktpersonen-Nachverfolgung.

Fischer bittet die Bürger darum, den Mitarbeitern und den Neuzugängen von der Bundeswehr „ihre Arbeit im Lagezentrum so weit wie möglich zu erleichtern: Wir sind darauf angewiesen, dass die Kontaktverfolgung so schnell wie möglich geht. Ein sogenanntes Kontakt‐Tagebuches beispielsweise erleichtert im Ansteckungsfall die Kontaktaufnahme ganz erheblich. Also schreiben Sie bitte auf, wen Sie wann getroffen haben, mit Schutzmaßnahmen oder ohne.“ Und „Das Personal aufzustocken, ist im Moment noch ein Mittel der Wahl, doch auch dieses Mittel hat organisatorische Grenzen.“

Während in Bergisch Gladbach die Logistik rund um das Virus, seine Eindämmung und Bekämpfung läuft, hat das Ordnungsamt in Leichlingen alle Hände voll mit der Kontrolle vor Ort zu tun. „Vor allem am Abend und an den Wochenenden ist das Team des Ordnungsamtes unterwegs, um zu prüfen, ob die neuen Regel eingehalten werden“, berichtet Stadtsprecherin Ute Gerhards. Verstärkt werde die Gruppe dabei – wie auch in der Corona-Hochphase im Frühjahr – von Mitarbeitern anderer Ämter aus der Stadtverwaltung.