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Corona Rhein-Kreis Neuss: Bundeswehr hilft bei Kontakt-Nachverfolgung

Infektionszahlen im Rhein-Kreis Neuss : Bundeswehr hilft bei Corona-Kontaktverfolgung

Als „dramatisch“ bezeichnet Landrat Hans-Jürgen Petrauschke den Anstieg der nachgewiesenen Corona-Infektionen im Kreis. Die Behörden kommen mit der Kontakt-Nachverfolgung kaum noch nach. Ab 2. November hilft die Bundeswehr.

Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen im Rhein-Kreis Neuss steigt derart rasant, dass die Behörden mit der Kontakt-Nachverfolgung nicht mehr hinterher kommen. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke hat die Bundeswehr daher um Amtshilfe gebeten – und die Zusage bereits erhalten. „Ab 2. November unterstützen uns 20 Soldaten bei der Kontakt-Nachverfolgung“, sagt er. „Bis vor zwei Tagen schien es noch, als würden wir eine solche Hilfe nicht benötigen. Aber seither haben die Corona-Infektionen massiv zugenommen.“

Am Freitag war bei 485 Menschen im Rhein-Kreis Neuss eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen. 34 von ihnen befinden sich in einem Krankenhaus. Unverändert sind 28 Menschen im Kreis an den Folgen der Erkrankung gestorben. Das teilt der Kreis mit. Von den mit dem Virus infizierten Menschen wohnen 216 in Neuss, 65 in Kaarst, 58 in Meerbusch, 53 in Grevenbroich, 45 in Dormagen, 26 in Korschenbroich, zwölf in Rommerskirchen und zehn in Jüchen. In den Krankenhäusern bereitet man sich auf eine steigende Zahl an Patienten vor. Rheinland-Klinikum-Sprecherin Ulla Dahmen erklärt: „Die Lage ist nicht entspannt, aber auch noch nicht dramatisch.“

Erschwert wurde die Arbeit für die Behörden durch Software-Probleme. Das Robert-Koch-Institut stellt für die Gesundheitsämter und Landesstellen die Software Survnet zur Verfügung, die zur Erfassung, Auswertung und Weiterleitung der Meldedaten gemäß Infektionsschutzgesetz dient. Laut Kreisgesundheitsamt war der Survnet-Webservice des RKI am 22. Oktober gestört, so dass die damit verknüpften Daten des Landeszentrums für Gesundheit (LZG) nicht die tatsächliche Corona-Entwicklung wiedergeben. Betroffen seien davon mehr als zehn weitere Kreise und kreisfreie Städte in NRW. Das RKI spricht von einem dreistündigen Server-Ausfall.

Die Probleme schlagen in den Statistiken nieder. Die aktuellen LZG-Daten für den Rhein-Kreis zeigen zum Vortag zwar keine Neuinfektionen, und der Inzidenz-Wert ist auf 52,7 gefallen. „Das wäre zwar wünschenswert, ist aber leider nicht die Realität“, erklärt Petrauschke. Er weist darauf hin, dass die LZG-Zahlen deutlich ansteigen werden, wenn neue und die statistisch vorübergehend offenen Fallzahlen wieder einfließen. So verzeichne der Rhein-Kreis Neuss für Donnerstag und Freitag eher einen „dramatischen Anstieg der Infektionszahlen“. Wie das RKI zwischenzeitlich mitgeteilt hat, seien die technischen Störungen behoben.

Der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert des LZG ist der für alle Kreise und kreisfreien Städte in NRW maßgebliche Richtwert in der Pandemie-Bekämpfung. Er spiegelt nicht das tagesaktuelle Infektionsgeschehen, sondern beschreibt die Häufigkeit von Ereignissen innerhalb einer Zeitspanne. In Bezug auf die Corona-Zahlen werden alle aktiv gemeldeten Covid-19-Fälle der vergangenen sieben Tage zusammengezählt und auf eine Personenanzahl von 100.000 umgerechnet. Es kann auch vorkommen, dass die Fallzahlen steigen und der Inzidenzwert fällt, weil insgesamt weniger Fälle in die Berechnung des Inzidenzwertes einfließen. Sollten die Fallzahlen jedoch flächendeckend weiter rapide ansteigen, stellt sich die Frage, ob weitere Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus erforderlich werden.

Reagiert hat vorab die Neusser Bäder und Eissporthalle GmbH. Wer zum Schlittschuhlaufen in die Eissporthalle kommt, muss nun auch auf der Eisfläche einen Mund-Nase-Schutz tragen. Aufgrund der aktuellen Corona-Entwicklung gilt diese Maskenpflicht ab Samstag, 24. Oktober. Ziel sei es, den Besuchern einen bestmöglichen Corona-Schutz auch in der Halle zu bieten. In allen anderen Gebäudeteilen galt die Verpflichtung bereits vorher.