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Blütenbad-Umbau in Leichlingen: „Wir haben viele Chancen verpasst“

Um- und Neubau des Blütenbads in Leichlingen : „Wir haben viele Chancen verpasst“

Der gerade beschlossene Freibadumbau steht schon in der Kritik: weil die Wasserfläche viel kleiner wird und das gesamte Bad am jetzigen Standort bleibt.

In seiner letzten Sitzung hat der alte Stadtrat noch den Umbau des Leichlinger Freibades für rund drei Millionen Euro am jetzigen Standort beschlossen. Ein Unding, wie Cerstin Geldmacher findet. „Das Nichtschwimmer-Becken wird um 75 Prozent reduziert, das Schwimmerbecken von acht auf fünf Bahnen“, sagt die Leichlingerin. Die gesamte Wasserfläche verringere sich um 50 Prozent.

Zahlen, die das Hammer Planungsbüro in seiner Präsentation vor dem Rat, bei der sie als Zuschauerein zugegen gewesen sei, nicht genannt und die sie erst nach Einsicht in die Planungsunterlagen erfahren habe. „Der Umbau von drei Millionen Euro ist kein ‚Pappenstiel‘. Die Leichlinger Bürger sollten wissen, für welche Art des Umbaus so viel Geld - ihr Geld - ausgegeben wird“, findet sie.

Roswitha Süßelbeck (SPD), bisherige Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Sport, hält den Beschluss dennoch für richtig. „Es ist eine gute Entscheidung, das Nichtschwimmerbecken zu verkleinern“, sagt sie. Den Politikern sei bewusst gewesen, dass das künftige Becken nur noch ein Bruchteil des alten sein werde. „Es war viel zu groß.“ Kinder würden dort kein Schwimmen lernen, sondern darin nur spielen oder rutschen. Deshalb werde der künftige Wasserspielbereich sicherlich gut angenommen werden.

„Kinder lernen am besten schwimmen, wenn sie den Boden nicht berühren. Wenn sie also mit ihren Eltern ins Schwimmerbecken gehen“, sagt Süßelbeck. Das wisse sie aus der Erfahrung mit ihren Enkeln. Die eigentlichen Schwimmkurse fänden ohnehin im Hallenbad statt. „Es ist gut, dass wir das Freibad auch künftig noch haben – vor allem, wenn man sieht, wie viele Wochen es im Jahr geöffnet ist“, findet die SPD-Politikerin. „Bei einer Verlagerung ins Eicherhofsfeld wäre es noch kleiner geworden.“

Und bei der Neugestaltung des Schwimmerbeckens überlege man noch, ob die bisherige Bahnlänge von 25 Metern nicht doch beibehalten werden könne. Durch den Einbau neuer Stahlwände wird es nach den bisherigen Plänen 40 Zentimeter kürzer. Grundsätzlich kein Problem, meint Süßelbeck. „Seit 2011 haben im Freibad keine Schwimmwettkämpfe mehr stattgefunden.“

In einem stimmt ihr Andreas Heusner (CDU), bisheriger Vorsitzender des Infrastruktur-, Verkehrs- und Betriebsausschusses zu: Es sei gut, dass es mit dem Blütenbad nun endlich vorangehe. Es werde auch schön werden. „Aber es ist unsäglich, wie viel Geld wir versenkt haben und wie viele Chancen wir verpasst haben“, ärgert er sich. „Kommunale Finanzen funktionieren offensichtlich anders als alles, was ich gelernt habe. Wir hätten etwas Modernes und Gutes bekommen können, mit Impulsen für die Region, aber das wollte die Mehrheit im Rat nicht.“

Ein neuartiges, klimafreundliches Heizsystem mit Algen hatte Heusner ins Spiel gebracht und sich Pilotprojekte in Hamburg und Holland angeschaut; einen Neubau hinter der Schule vorgeschlagen, damit Schüler und Lehrer einen kurzen Weg zum Schwimmunterricht haben; Sozialwohnungen auf dem jetzigen Schwimmbadgelände – alles wurde abgelehnt, so dass er bereits seinen Posten im Aufsichtsrat der Stadtwerke Leichlingen, die das Blütenbad ihm zufolge mit jährlich rund einer Million Euro subventionieren, niederlegte und nun auch der Kommunalpolitik vorerst den Rücken kehrt.

„Fast 50 Millionen Euro werden das neue Hallen- und Freibad – auf 30 Jahre gerechnet – kosten“, sagt Heusner. „Umgerechnet auf jeden Leichlinger ist das richtig viel Geld.“ 30 Millionen Euro davon seien Folgekosten vor allem für Energie. „Da hätte es Sinn gemacht, sich nach günstigeren Alternativen umzuschauen, anstatt einfach ein Blockheizkraftwerk dorthin zu setzen.“

Dass das neue Nichtschwimmerbecken künftig sehr viel kleiner sein wird, sieht Heusner hingegen nicht als Problem an. „Das Nutzerverhalten ändert sich“, erklärt er. „Wir werden künftig mehr Angebote für Familien und kleine Kinder haben.“