Fußball : Dramatik pur am Bresserberg

Im Oberliga-Derby trennen sich der 1. FC Kleve und der 1. FC Bocholt 1:1-Remis. Bei eisigen Temperaturen kocht die Stimmung gleich mehrfach über. Brennende Fanbanner, Pyrotechnik, ein Platzverweis und Tore kurz vor Schluss sorgen regelrecht für Ekstase.

Das Derby zwischen den Lokalrivalen 1. FC Kleve und dem 1. FC Bocholt hielt, was es versprach: sehenswerter Oberliga-Fußball gepaart mit überkochenden Emotionen – auf beiden Seiten. 800 Zuschauer waren vor Ort. Nach 94 Spielminuten stand ein 1:1-Remis auf der Anzeigetafel. Wir geben einen Überblick über das turbulente Geschehen im Bresserberg-Stadion.

Das Personal: FC-Trainer Umut Akpinar vertraute mit zwei Ausnahmen den selben Kickern wie zuletzt. Für den gesperrten Leslie Rume rückte Sebastian van Brakel in die Innenverteidigung, für Luca Plum Tim Haal auf die „Sechs“. Bemerkenswert bei den Gästen: Maurice Exslager, der für den MSV und Köln schon in der zweiten Bundsliga auflief, erhielt kein Startelfmandat.

Das Spielgeschehen im ersten Durchgang: Von Beginn an traten die Gastgeber des 1. FC Kleve dominant auf. Beide Mannschaften schienen darauf bedacht, jedwede Fehler zu vermeiden. Mehr Nachdruck bei der Suche nach Lücken im gegnerischen Abwehrverbund aber zeigten die Rot-Blauen. Zur ersten Gelegenheit kam FC-Stürmer Levon Kürkciyan (10.), der sich nach toller Vorarbeit von Niklas Klein-Wiele in aussichtsreicher Schussposition allerdings zu viel Zeit nahm und deshalb nur Bocholts Abwehrspieler anschoss. Kurz darauf feuerte er nochmals von der Strafraumkante, der Schuss aber näherte sich zu zentral dem Bocholter Schlussmann Tobiasz Weinzettel. Kleves Ahmet Taner wiederum parierte nach 26 Minuten einen Schuss von FCB-Akteur Nick Buijl. Eine Flanke von Sezai Kezer (39.) segelte gefährlich aufs Bocholter Tor, Weinzettel parierte. In der ersten Halbzeit war der FC besser, schlug daraus aber kein Kapital.

Das Spielgeschehen im zweiten Durchgang: Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: Die Gäste aus dem Westmünsterland traten zwar defensiv kompakt auf, in der Offensive aber herrschte ideenlose Tristesse – offenkundig zu wenig für eine Mannschaft, die seit Jahren gen Regionalliga-Aufstieg schielt. Doch auch die „Schwatten“ setzten gefährliche Nadelstiche: In der 57. Minute hatte Andre Bugla aus wenigen Metern die Führung auf dem Fuß, Taner aber hielt den Schuss spektakulär. Beim FC machte sich zunehmend das Fehlen eines kantigen und kaltschnäuzigen Torjägers wie Andre Trienenjost bemerkbar.

Besonders hitzig wurde es dann in der Schlussviertelstunde. Für den Auftakt in diese sorgte FC-Mittelfeldmotor Tim Haal, der ob eines ungeschickten Tritts gegen einen Bocholter Verteidiger des Feldes verwiesen wurde. Die Zweifel an dieser Entscheidung waren groß: Haal kam zwar zu spät, mutwillig aber war das Foul nicht. Dazu kommt: Der Unparteiische Sven Schreiber hatte die Szene gegenteilig gesehen, doch dessen Assistent griff ein. Kurz vor Schluss (86.) bebte das Stadion, als Pascala Talarski von der Strafraumkante unhaltbar ins lange Eck einschoss. Die Gastgeber schienen geschlagen, bis Klein-Wiele nochmals seinen feinen Fuß einsetzte und gefühlvoll ausglich – und das in der dritten Minute der Nachspielzeit.

Stimme von FCB-Trainer Manuel Jara: „Es war eine Menge Theatralik im Spiel. Was sollen wir denn tun, um die Zuschauer im Rahmen zu halten? Emotionen gehören nun einmal dazu.“ Zum Spiel sagte er: „Über unsere Fehler haben wir den Gegner in der ersten Halbzeit geil gemacht. Die zweite Halbzeit geht dann klar an uns. Ein 1:1 ist aber nicht weit weg von der Wahrheit. Man muss auch sagen: Personell war das unser letztes Aufgebot, bei all den Verletzten, die wir haben.“

Stimme von FC-Trainer Umut Akpinar: „Wir haben ein wirklich gutes Spiel gemacht, von Anfang an. Die erste Halbzeit ging klar an uns. Die Spielkontrolle haben wir nur nicht in Tore umgemünzt. Das gleiche Bild dann im zweiten Durchgang. Meine Mannschaft hat hier ein riesen Spiel abgeliefert. Und das gegen einen Gegner, der aufsteigen will.“

Das Spiel rund ums Spiel: Von Beginn an war klar, dass diese Partie keine wie jede andere werden würde. Nicht nur, dass überdurchschnittlich viele Anhänger gekommen waren, die meisten brachten zudem eine Menge Emotionen mit. Darunter waren auch Fans, die ab der ersten Minute mit verbalen Tiefschlägen und feindseligen Gesängen auf sich aufmerksam machten. Die Bocholter setzten sich in Szene, in dem sie Klever Fanschals und Banner in Brand steckten, zudem zündeten sie gleich mehrfach Bengalos. Stadionsprecher Erich Billion rief um: „Bewahren Sie die Contenance“. Ein Klever Fan musste nach wüsten Beschimpfungen gegen Bocholt-Getreue das Stadion verlassen. Spieler, Fans und Offizielle diskutierten auch nach Schlusspfiff noch wutentbrannt.

Die Tabelle: Nach dem Remis befindet sich der Klever FC auf Tabellenplatz zwölf, die „Schwatten“ verpassen einen Sprung in der Tabelle und stehen nun auf Rang fünf.