Hilden „Ich habe mit Bewohnern zusammen geweint“

Hilden · In den städtischen Seniorenheimen wie auch in anderen Pflege-Einrichtungen gilt ein striktes Besuchsverbot. Das setzt Bewohner und Angehörigen unter hohen emotionalen Druck. Das Personal versucht den Schmerz zu lindern.

 Betreuungsassistent Frank Wawrzyn trägt wie alle Mitarbeiter im städtischen Seniorenzentrum Erikaweg Mundschutz, um Bewohner wie Margret Faust-Pflips (vorne im Bild) zu schützen.

Betreuungsassistent Frank Wawrzyn trägt wie alle Mitarbeiter im städtischen Seniorenzentrum Erikaweg Mundschutz, um Bewohner wie Margret Faust-Pflips (vorne im Bild) zu schützen.

Foto: "Köhlen, Stephan (teph)"/Köhlen, Stephan (teph)

In Wolfsburg sind in einem Altenheim 17 Bewohner an Corona gestorben, in Würzburg 13. Beate Linz-Eßer, Geschäftsführerin der Seniorendienst Stadt Hilden, ist deshalb in großer Sorge. Im Seniorenzentrum Erikaweg werden 125 alte Menschen, im Pflegeheim Hummelsterstraße 93 betreut: „Noch hatten wir keinen Corona-Fall.“

Seit einer Woche tragen die Mitarbeiter Mundschutz, hergestellt von der Firma Trigema. „Den haben wir nur bekommen, weil wir ganz früh bestellt haben.“ Er schützt zwar nicht die Träger wie die medizinischen FFP3-Masken, jedoch die Bewohner, sagt Linz-Eßer. In den beiden einzigen kommunalen Senioreneinrichtungen im Kreis Mettmann herrscht absolutes Besuchsverbot – ebenso wie in den Einrichtungen der Graf-Recke-Stiftung oder privaten Seniorenresidenzen. „Besuch ist nur noch bei Sterbenden erlaubt“, berichtet die Geschäftsführerin.

Für manche Bewohner sei das schrecklich: „Ein Mann darf plötzlich seine Ehefrau nicht mehr sehen. Das tut mir in der Seele weh. Ich habe schon mit einigen Bewohnern zusammen geweint.“ Seit einigen Tagen werden so viele Bewohner wie möglich dabei unterstützen, mit ihren Angehörigen per Videotelefonie Kontakt aufzunehmen. „Außerdem machen wir Fotos von den Bewohnern, die wir den Angehörigen schicken, um das Besuchsverbot ein wenig zu kompensieren.“ Viele Senioren, die eigentlich dringend einen Betreuungsplatz suchen, hätten zurzeit Angst, ins Heim zu gehen, beobachtet die Geschäftsführerin der städtischen Seniorendienste.

Das Land Niedersachsen habe bereits einen generellen Aufnahmestopp verhängt: „Ich halte dies für politisch falsch, bringt es doch sowohl die Krankenhäuser, die ihre Betten nicht mehr frei bekommen, als auch die Menschen in Not in der eigenen Wohnung in erhebliche Schwierigkeiten.“ Beate Linz-Eßer hat sich deshalb an den Kreis Mettmann gewandt. Sie wünscht sich mehr Corona-Tests – vor allem für Neuaufnahmen und die Kurzzeitpflege.

Das Thema sei im Krisenstab noch nicht besprochen worden, sagt Kreis-Sprecherin Daniela Hitzemann. Das Problem seien die begrenzten Test-Kapazitäten. Der Kreis hat aktuell drei Test-Stationen in Mettmann, Hilden und Ratingen in Betrieb. Die Tests müssen aber ausgewertet werden. Und da liege die Kapazität für den Kreis Mettmann aktuell bei maximal 200 Tests pro Tag. „Wir sind schon froh, dass wir das überhaupt hinbekommen haben. Seit Wochen haben wir dieses Thema täglich auf der Agenda. Wir haben alles, wirklich alles geprüft, was auch nur im Entferntesten als Test-Labor in Frage kommt.“ Doch die Labor-Kapazitäten seien sehr begrenzt.

Auch die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUÄ) in Nordrhein-Westfalen werden seit kurzem Tupferproben von potenziell an Covid19-erkrankten Menschen untersuchen und damit die Untersuchungslabore im Land unterstützen, erklärt Umwelt- und Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser. Die Ämter in Arnsberg, Detmold, Krefeld und Münster sollen zunächst insgesamt 1500 Proben pro Tag untersuchen können.

 Beate Linz-Eßer (GF Seniorenzentrum Hilden)

Beate Linz-Eßer (GF Seniorenzentrum Hilden)

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter nutzen für die Diagnostik von bestimmten Tierkrankheiten dieselbe Methodik wie für die Corona-Diagnostik und sind dafür akkreditiert. Auch die Sicherheitsvorkehrungen in den Laboren sind auf dem gleichen Niveau, versichert das Umweltministerium.