Johannes Paul II.: Heiligsprechung in 3D

Kinovorführung in Düsseldorf : Mit 3D-Brillen die Heiligsprechung sehen

Es ist morgens, kurz vor zehn. Der Kinosaal 3 des UCI-Kinos im Medienhafen ist gut gefüllt. Die Besucher tragen 3D-Brillen, die sie von zu Hause mitgebracht oder für einen Euro gekauft haben. Doch sie sind nicht hier, um einen Action-Film zu sehen, und sie kaufen auch kein Popcorn.

Die 102 Besucher sind gekommen, um die Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. auf dem Petersplatz in Rom live mitzuverfolgen. Viele ältere Menschen und Eltern mit ihren Kindern machen es sich in den Kinosesseln bequem, aber auch einige junge Leute sind dabei. Im Kinosaal ist es still, weder Cola-Schlürfen, noch Nacho-Kauen ist zu hören.

Schließlich beginnt die Zeremonie. Die Kardinäle und Bischöfe ziehen auf den Petersplatz, der zu diesem Zeitpunkt ein Meer aus bunten Flaggen und Luftballons ist. Vor allem polnische, aber auch italienische, kanadische und englische Fähnchen wehen im Wind vor dem Petersdom. Mehrere hunderttausend Menschen haben sich auf dem Petersplatz versammelt, die sich eng aneinander drängen.

Im Kinosaal ist es entspannter. Um viertel nach zehn hat die katholische Kirche zwei neue Heilige. Die Menschenmasse vorm Petersdom applaudiert, während es im Kino still bleibt. Es folgen zwei weitere Stunden Live-Übertragung ohne jegliche Action, aber stattdessen mit viel Gesang, dem Glaubensbekenntnis und der Würdigung der zwei verstorbenen Päpste durch Papst Franziskus. Die Besucher des Kinos lauschen andächtig, einige liegen sich in den Armen. Die Stille im Saal, verbunden mit dem vielen Gesang, hat eine meditative Wirkung. Die Atmosphäre ist gottesdienstähnlich. Von den 102 Besuchern bleiben alle bis zum Schluss.

Der Düsseldorfer Edmund Pach geht sonntags normalerweise in den Gottesdienst. Damit er heute die Live-Übertragung miterleben konnte, ist er Samstag schon in die Kirche gegangen. "Es war überwältigend. Auch wenn man die Leute nicht sieht, die neben einem sitzen, fühlt man, dass sie in der Liturgie aufgehen", sagt er, als er nach der zweieinhalb stündigen Vorstellung aus dem Kinosaal kommt. Alles verstanden habe er zwar nicht, weil Vieles auf Latein gewesen sei, doch das sei nicht schlimm gewesen.

Der Theaterleiter des Kinos, Stephan Kalkbrenner freut sich über die gute Resonanz der Live-Übertragung. "Es ist interessant für uns, dass Leute in unser Kino kommen, die sonst noch nie hier gewesen sind", sagt er, als ein Besucher ihn anspricht. Peter Bosch bedankt sich bei Kalkbrenner für das besondere Kinoprogramm an diesem Sonntagmorgen. "Ich finde es toll, dass sie so etwas ermöglichen", sagt er. Kalkbrenner lächelt. Den Zuschauern hat es also gefallen.

Nicht nur in Düsseldorf wurde die Heiligsprechung live übertragen. Auch in Bochum, Bad Oeynhausen, Flensburg und Paderborn gab es am Sonntag ein etwas anderes Kinoprogramm.

(RP)
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