Düsseldorfer des Jahres geehrt „Kenne niemanden, der so von allen geliebt wird wie du“

Update | Düsseldorf · Die Rheinische Post hat am Montagabend im Düsseldorfer Ständehaus Hape Kerkeling für sein Lebenswerk geehrt. Insgesamt wurden Frauen und Männer in sechs Kategorien ausgezeichnet, dazu kam ein Sonderpreis der Jury.

Düsseldorf Rheinische Post zeichnet Düsseldorfer des Jahres 2024 aus
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Das sind die Düsseldorfer des Jahres

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Foto: Bretz, Andreas (abr)

Die wohl berührendste Laudatio des Abends kommt von Sängerin und Schauspielerin Isabel Varell – für ihren engen Freund Hape Kerkeling, der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird, von dem berühmten Auftritt als Königin Beatrix bis hin zur Kunstfigur Horst Schlämmer.

„Raus aus dem bürgerlichen Elternhaus in Recklinghausen, rein in die bunte Welt der Scheinwerfer“ – so beschreibt sie den Beginn seiner Karriere, in der er erfolgreicher Comedian, einfühlsamer Filmemacher und Bestseller-Autor wurde. „Ich kenne niemand anderen, der so wie du von allen geliebt wird“, sagt sie an ihren Freund gewandt: „Und zwar generationenübergreifend.“

TV-Entertainer und Autor Hape Kerkeling

TV-Entertainer und Autor Hape Kerkeling

Foto: dpa/Britta Pedersen

Aber sie beschreibt auch den sensiblen Künstler, der unter dem Druck des Erfolges und der Öffentlichkeit leidet: „Ein dickes Fell bekommst du nie.“ Kerkeling sei dankbar, bescheiden und großzügig – und eine kleine Schwäche von ihm verrät sie auch: „Du hast die stärksten Nerven dieser Welt, um ein Millionenpublikum live im Fernsehen zu unterhalten, aber für ein Billy-Regal, wo immer Noppen fehlen für die Einlegeböden, dafür hast du keine Nerven.“

Der so Geehrte gab sich auf der Bühne gewohnt humorvoll und freute sich, „dass ich heute Abend Düsseldorfer des Jahrhunderts werde“. Er schlug, ganz entgegen der beschriebenen Bescheidenheit vor, die Stadt könne ja einen Hape-Kerkeling-Pilgerweg ein richten, von seinem ersten Düsseldorfer Wohnsitz in Lohausen über die Berliner Allee und den Burgplatz bis zur Hohe Straße. Aber er gab auch zu: „Ich fühle mich wahnsinnig geehrt über diesen Preis.“ Und er schloss nicht aus, irgendwann einmal wieder in der Landeshauptstadt zu wohnen.

 Sammy Amara ist Sänger der Düsseldorfer Punk-Band Broilers

Sammy Amara ist Sänger der Düsseldorfer Punk-Band Broilers

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Es war der berührende Höhepunkt eines festlichen Gala-Abends im Ständehaus, der zu diesem Zeitpunkt schon viele tolle und emotionale Momente gehabt hatte. In insgesamt sechs Kategorien zeichnete die Rheinische Post mit ihren Partnern die Düsseldorfer des Jahres aus, dazu kam ein Sonderpreis der Jury.

Den hatte gleich zu Beginn des Abends Oded Horowitz erhalten, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, für sein Engagement innerhalb der Gemeinde, aber auch für den interreligiösen Dialog in der Stadt. Die Auszeichnung sei nicht nur für ihn selbst, sondern auch eine „Anerkennung und Unterstützung“ seiner Gemeinde, sagte Horowitz sichtlich bewegt. Er rief dazu auf, sich immer gegen Ausgrenzung und Hass zu stellen und nicht nur still dagegen zu sein: „Sonst glauben die anderen, sie sind die Mehrheit.“

Karin-Brigitte Göbel, ehemalige Vorstandsvors. Stadtsparkasse

Karin-Brigitte Göbel, ehemalige Vorstandsvors. Stadtsparkasse

Foto: Bretz, Andreas (abr)

Die Auszeichnung in der Kategorie Kultur ging an die Düsseldorfer Punk-Band Broilers, die seit mehr als 30 Jahren auf der Bühne stehen. „Ihr seid in der Lage zu verbinden, wo andere trennen. Ihr seid großartige Künstler“, sagte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) in ihrer Laudatio für die Band. Das Publikum des Gala-Abends sei „eigentlich ein typisches Broilers-Publikum“, scherzte anschließend Sänger Sammy Amara: „Nur ein bisschen wenige Fliegen heute.“ Die in Hellerhof gegründete Band bekannte, Düsseldorf als Heimatstadt sehr zu schätzen: „Wir finden diese Ehrung toll.“

In der Kategorie Wirtschaft wurde die ehemalige Stadtsparkassen-Chefin Karin-Brigitte Göbel geehrt, die bis zu ihrem Ruhestand im vergangenen Jahr die Geschicke des Instituts hocherfolgreich geleitet hatte und gleichzeitig immer präsent in der Stadtgesellschaft wirkte. „Sie hat die Position durch ihre eigene Persönlichkeit geprägt und ist ein Vorbild für Frauen in Führungspositionen“, sagte Rektorin Anja Steinbeck in ihrer Laudatio.

 Der Düsseldorfer Hotelmanager Jörg Lindner

Der Düsseldorfer Hotelmanager Jörg Lindner

Foto: 12.18

Die so Geehrte ließ wissen, dass sie an ihre Arbeit immer den kritischen Anspruch gehabt habe, noch mehr oder noch etwas anders zu machen: „Aber wenn ein bisschen etwas an die Jugend herangetragen wurde, dann hat es sich gelohnt.“

Bürgermeister Josef Hinkel übergab den Preis in der Kategorie Ehrenamt an das Sozialkaufhaus „Tante Elli Laden“: „Ehrenamt ist das Verbindende, das alles trägt“, sagte er. Waltraud und Ernst Adolphs hatten den Laden, in dem Bedürftige unter Marktwert einkaufen können, vor mehreren Jahren übernommen und führen ihn mit großer Begeisterung. Auch Pfarrer Joachim Decker von der Pfarreiengemeinschaft Eller-Lierenfeld, der maßgeblich an der Entwicklung des Ladens beteiligt war, wurde geehrt: „Es ist ein kleines Wunder, wie sich das Projekt entwickelt hat.“

 Das Team des „Tante Elli“-Ladens unterstützt seit Jahren Bedürftige.

Das Team des „Tante Elli“-Ladens unterstützt seit Jahren Bedürftige.

Foto: Sophia Kupferschmidt

Sichtlich berührt zeigten sich auch die Gewinner in der Kategorie Sport: In der noch sehr jungen Bundesliga im Amputierten-Fußball feierte Fortuna Düsseldorf schon zweimal die Deutsche Meisterschaft. Fortuna-Vorstandschef Alexander Jobst überreichte Stefan Felix, Klaudiusz Dittrich und Jonas Lappe den Preis: „Es geht nicht um die Handicaps, sondern um Fußball. Sie sind ein integraler Bestandteil von Fortuna Düsseldorf und ich habe Respekt vor der großartigen Leistung.“ Was die Bundesliga-Mannschaft der Fortuna noch von ihnen lernen könne, wurden die Preisträger gefragt. „Deutscher Meister werden“, entgegnete Stefan Felix.

In der Kategorie Innovation und Nachhaltigkeit schwelgte Laudatorin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) in Erinnerungen: Sie ist mit Preisträger Jörg Lindner zur Schule gegangen. Seit fast 50 Jahren kennt sie den Aufsichtsratsvorsitzenden der Lindner Hotels AG, am Montagabend übergab sie ihm den Preis: „Du bist mehr als ein Unternehmer, du bist ein Familienunternehmer und ein toller Mensch.“

Die meisten der Hotels beziehen Ökostrom, haben ihren CO2-Ausstoß massiv gesenkt, arbeiten mit lokalen und regionalen Erzeugern als Lieferanten oder betreiben Bienenstöcke und Insektenhotels.

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