Einzelhandel in Düsseldorf: Händler fordern Mut bei Sonntagsöffnung

Einzelhandel in Düsseldorf : Händler fordern Mut bei Sonntagsöffnung

Aus Angst vor Klagen soll es nur noch einen verkaufsoffenen Sonntag bis zum Sommer geben. Der Handel übt Kritik.

Die Debatte um die Zukunft der verkaufsoffenen Sonntage bereitet dem Düsseldorfer Handel zunehmend Sorgen. Für zusätzliche Irritationen sorgt, dass der Stadtrat möglicherweise einen von nur zwei angemeldeten Terminen für das erste Halbjahr zurückziehen will. SPD und Grüne hatten im Hauptausschuss gegen die Sonderöffnung zur Messe Pro Wein am 18. März gestimmt. Damit bliebe nur eine Öffnung am 6. Mai, die auf Benrath beschränkt bleibt.

Die Politiker befürchten, dass der Termin bei einer Klage der Gewerkschaft Verdi gestrichen wird, weil der Anlass nicht ausreicht. Auch die Linke stimmte mit Nein. CDU, FDP und Oberbürgermeister Thomas Geisel befürworteten die Öffnung. Falls der Rat am 1. Februar genau so stimmt, bleiben die Läden zu.

Der Handel kritisiert das Zögern des Rates, dessen Zustimmung trotz einer rechtlichen Prüfung durch die Stadtverwaltung wackelt. "Angst ist ein schlechter Ratgeber. Es kann doch nicht sein, dass man wegen eventuell drohender Klagen bereits im Vorfeld einen Rückzieher macht", sagt Johanna Groeneweg-de Kroon, Vorsitzende der Händlergemeinschaft Cityring und Geschäftsführerin des Kaufhofs.

Sie weiß, dass der Umsatz an einem verkaufsoffenen Sonntag im Vergleich zu einem normalen Wochentag "bis zur doppelten Höhe" ansteigen kann - besonders im Dezember. Die Besucherzahlen lägen bei 5000 bis 11.000 Menschen. An Verdi gerichtet sagt die Kaufhof-Chefin: "Nicht von ungefähr sind Sonntage die wichtigsten Umsatztage für den Online-Handel."

Claus Franzen, Geschäftsmann von der Königsallee, hält ebenfalls "nichts von vorauseilendem Gehorsam". Den aktuellen Zustand nennt er "unhaltbar", niemand könne planen. "Auch ich plädiere nicht für eine totale Freigabe. Aber vier Mal im Jahr an einem Sonntag zu öffnen: Das halte ich schon für sinnvoll, das kann alles beleben und ist einfach sehr wichtig für die City-Entwicklung", sagt er.

Die Gewerkschaft Verdi hatte im Vorjahr mehrfach erfolgreich gegen Sonntagsöffnungen in Düsseldorf geklagt. Die Hoffnungen der Einzelhändler richten sich derzeit auf das von der Landesregierung geplante neue Gesetz, das verkaufsoffene Sonntage nicht mehr an einen Anlass koppeln will. "Wir haben deshalb auch in Düsseldorf noch keine Sonntage für das zweite Halbjahr beantragt", sagt Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes NRW.

Den Entwurf hält er für gelungen, weil er Kommunen von der Pflicht entbinde, verbindliche Prognosen darüber abzugeben, wie viele Besucher nur wegen einer Veranstaltung wie etwa dem Weihnachtsmarkt kommen. "Schluss mit dem Gehampel, wir brauchen dringend Rechtssicherheit", sagt er.

Dass es keinen Konsens gibt, wenigstens einen verkaufsoffenen Sonntag in der City hinzukriegen, irritiert ihn. "Jeder ist plötzlich Experte und viele fühlen sich berufen, Schutzgedanken auszusprechen", sagt Achten, der überzeugt ist, dass nicht jeder Mitarbeiter im Sinne von Verdi "geschützt" werden will.

Auf eine baldige Verabschiedung des Gesetzes hofft auch Carsten Heinrichs aus Unterbilk. Sogar den Ministerpräsidenten hatte der Inhaber des Vintage-Ladens "Jacke wie Hose" angeschrieben, weil ihn die erfolgreiche Klage gegen den verkaufsoffenen Sonntag im Dezember maßlos geärgert hatte.

"Für Marketing und Umsatz sind verkaufsoffene Sonntage wichtig." Mit Freude denkt er an den Dezember 2016, als er und seine Kollegen vom Händlerverbund 360 Grad rund um die Lorettostraße noch öffnen durften. "Von den Einnahmen konnte ich mir einen Jahresurlaub leisten."

(jj)
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