Düsseldorf: Die Kleinsten sind die Größten

Düsseldorf: Die Kleinsten sind die Größten

Bei der Karnevalssitzung der närrischen Frauen Himmelgeist sorgt das Bühnenprogramm für großartige Stimmung.

Sie tragen Scheichgewänder und Putzfrauenkittel, es gibt Punker, Bauarbeiter und Micky Mäuse, das Krümelmonster ist da und sogar die Freiheitsstatue. Ein männliches Steffi Graf-Double fuchtelt mit dem Schläger rum, der braungebrannte Chefarzt mit der feisten Spiegelglasbrille prostet dem Piloten zu und der glamouröse Gary Glitter im Silberanzug tanzt mit dem 70er Jahre Hippie in Tapetenlook-Schlaghose und mit Fokuhilafrisur bereits um 20 Uhr fast auf den Bierbänken.

Kurz: Die Himmelgeister- und Itterjecken haben ihrer kostümtechnischen Kreativität ordentlich freien Lauf gelassen und doch ist da einer, der ihnen gänzlich die Show stiehlt: Der junge Mann trägt Raubkatzenmuster, Hose und Weste. Johannes heißt er, dreieinhalb Jahre, jüngstes und einziges männliches Mitglied der Himmelgeister Kindergarde. Stolz und routiniert marschiert der selbstbewusste Blondschopf unter riesigem Beifall zwischen den spalierstehenden Jecken Richtung Bühne, in Begleitung der vielen Mädchen in Leoparden- oder Zebrakostüm.

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Jeder Radschlag, jeder Beinwurf wird mit tosendem Applaus belohnt, die Pyramide mit Beifallsrufen aus lautstarken, gut geölten Kehlen begleitet. "Da geht einem das Herz über, wenn man die Kinder und eben gerade den kleinen Johannes erlebt, er ist so erfrischend, so lebendig, er will mithalten, er gibt alles und er flirtet wie ein Großer", schwärmt auch die närrische Himmelgeisterin Christina Michaelis. Oli der Köbes, Büttenredner oder wie man ihn auch nennt, "die WDR Rampensau" haut Sprüche raus wie am Fließband: "Gestern saß n junges Mädchen neben mir im Bus, sooo einen Bauch! Ich denk nur: Mit 18 schon schwanger, aber ne Schutzhülle fürs Iphone." Kellner balancieren im gefühlten Sekundentakt überfüllte Tabletts mit Altbier durch die vollen Bierbankgänge, der deftige Geruch von Curryfrikadellen und rohgezwiebelten Metthappen lockt all die, die vorab eine fundierte Nahrungsgrundlage bei anschließendem übermäßigen Alkoholkonsum versäumt hatten. Die Stimmung ist grandios, die rund 350 Jecken feiern, wie es sich für Düsseldorf gehört, "HalliGalli" und "Alt- Schuss" rocken den Laden mit Karnevalsknallern, heizen noch weiter an. Die eingeladene Marienburggarde aus Monheim reist mit so viel Tänzern an, dass die Bühne zeitweise aus allen Nähten zu platzen droht und wird erst nach unzähligen Zugaben zur Weiterfahrt zum nächsten Auftritt entlassen. Ums jecke Leben fürchtet sich der närrische Elferrat allerdings erst, als die Bühne zu beben beginnt, was nun mal passiert, wenn das Männerballett (teils als Putzfrauen verkleidet) sich mit galanten Sprüngen präsentiert.

Was dann folgt, ist die Prämierung des besten Kostüms und da ist, neben Klein-Johannes, einer unschlagbar: der Tennisspieler, nicht zuletzt, weil sein Profil dem von Steffi Graf unglaublich ähnelt. Und dann wird noch weitergefeiert bis halb drei, fröhlich, ausgelassen, ohne "Verluste". "Die Stimmung war noch ein Stückchen besser als im Vorjahr", resümiert Christina Michaelis am Tag danach, "es hat unglaublich Spaß gemacht, ich bin stolz auf uns und unsere tollen Gäste, und wir alle freuen uns jetzt schon aufs nächste Jahr."

(RP)
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