Selbsternten bei Bauer Simon Klein in Nievenheim: Kunden entdecken Gemüse

Selbsternten in Dormagen-Nievenheim : Entdecken, woher das Gemüse kommt

Familien nutzen das Gemüse-Selbsternte-Angebot von Simon Klein am Goldberger Hof nicht nur wegen des günstigen Preises: Sie entdecken gemeinsam die Herkunft des Gemüses und nehmen ein regionales Produkt mit nach Hause.

Jungbauer Simon Klein vom Goldberger Hof hat ein neues Angebot im Programm. Kunden können freitags, samstags und sonntags zu festen Zeiten zu einem Gemüsefeld kommen und selbst ihr frisches Gemüse direkt aus dem Boden ernten. Und das kommt bei der Kundschaft gut an. „Wir finden es gut, dass wir wissen, wo unser Gemüse herkommt“, sagen Tanita Tokarek und Tim Vonden aus Horrem. „Und für uns ist der Weg ja eh nicht so weit.“ Gemeinsam mit ihren beiden Söhnen sind sie zum ersten Mal auf dem Feld.

Kinder und Erwachsene lernen am Goldberger Hof kennen, wie ein Kartoffelfeld aussieht, und wählen die passenden Kartoffeln aus. Foto: Moritz Peters

Das Konzept ist so einfach wie genial. Simon Klein pflanzt das Gemüse an und kann es dann zum kleinen Preis wieder verkaufen. „Der Hauptkostenfaktor beim Gemüsekauf ist das Ernten“, sagt Klein. „Wenn ich in einer Stunde 15 Kilo Bohnen ernte, können Sie sich ja ausrechnen, wie sich mein Stundenlohn auf den Preis auswirkt.“ Dies wird auch deutlich, wenn man sich die Preisliste anschaut. Ein Kilo Bohnen kostet im Verkauf einen Euro. Wenn man sich selbst ein Kilo erntet, sind es sechzig Cent, also nur etwas mehr als die Hälfte. Aber das Konzept hat nicht nur preisliche Vorteile.

Familie Schuhmacher aus Hackenbroich hat über Facebook vom neuen Selbsternte-Gemüseverkauf auf dem Goldberger Hof erfahren. „Wir sind auch zum ersten Mal hier, aber schon jetzt von der Frische überzeugt. Und wir können selbst aussuchen, welche Größe wir haben wollen.“ Auch finden sie gut, dass sie keinen Verpackungsmüll produzieren. „Unsere Kunden bringen ihre eigenen Behältnisse mit und wiegen die dann vor dem Ernten ab“, sagt Simon Klein. „So produzieren wir keinen beziehungsweise kaum Plastikmüll.“

Das Bild auf dem Gemüsefeld ist vorrangig bestimmt von Familien mit jungen Kindern. Und für manche Kinder ist es nahezu ein kleiner Abenteuerspielplatz. So auch für Nick Hasbargen, der mit seiner Mutter und seinen Großeltern gekommen ist. „Für den Kleinen ist das absolut interessant – und für uns dann auch“, sagt Frau Dziatzko, Nicks Großmutter. Denn mit einem großen Grinsen im Gesicht erntet Nick, was das Zeug hält.

„Außerdem kann man den Kindern auch mal zeigen, wo unser Essen herkommt, und dass es eben nicht im Supermarkt wächst“, schaltet sich Martin Gleich ins Gespräch ein, der mit seiner Frau und seinem Sohn Pawel gekommen ist. „Die Kinder sehen, dass es Arbeit bedeutet, wenn wir unser Essen auf dem Teller haben wollen, und freuen sich dann beim Abendessen noch mehr, wenn sie selbst mit angepackt haben.“

Eigens aus Geilenkirchen ist Rita Krauß angereist, um sich ihr Gemüse auf dem Goldberger Hof zu besorgen. Erfahren hat sie von dem Angebot über die Gartengruppe Grevenbroich, in der sie Mitglied ist. „Früher haben wir noch selbst Gemüse in unserem Schrebergarten angebaut“, sagt sie. „Den haben wir jetzt nicht mehr. Umso schöner, dass ich jetzt hier die Möglichkeit habe, selbst ins Feld zu gehen.“ Die lange Anreise macht ihr nichts aus. „Bei uns gibt es sowas ja nicht“, sagt sie lachend.

Landwirt Simon Klein schätzt, dass er täglich etwa 100 Kunden mit frischem Gemüse versorgt. Die kommen sogar aus dem Ruhrgebiet. Das ist zwar nicht schlecht, aber reichen tut ihm das noch lange nicht. „Mir fehlen noch die Kunden, die große Mengen kaufen, um das Gemüse beispielsweise einzukochen.“ Sollte es jedoch gut laufen und am Ende der Saison mit dem Projekt eine schwarze Null erreicht sein, so will er fürs nächste Jahr sein Sortiment erweitern. „Kleinere Flächen und mehr Kulturen. So schaffen wir eine größere Auswahl und weniger Gemüse, das ungeerntet bleibt.“

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