Nations League 18/19: Deutschland verliert in Frankreich mit 1:2

1:2-Niederlage in Frankreich : Deutschland verliert trotz Leistungssteigerung

Viel verändert, viel riskiert - und doch wieder verloren. Die deutsche Nationalmannschaft zeigt in Frankreich ein deutlich besseres Spiel als in den Niederlanden, belohnt sich aber nicht. In der Nations League geht es nur noch um den Klassenerhalt.

Es gibt derzeit eine Boyband, die rund um den Globus das Publikum verzückt. Besonders in Frankreich, da kommt sie nämlich her. Sie bringt die Anhängerschaft zum kreischen, als gäbe es kein Morgen mehr. Ihre Mitglieder sind Idole, hängen auf Postern in Kinderzimmern von Katmandu bis Oer-Erkenschwick. Sie heißen Pogba. Griezmann. Giroud. Kanté. Mbappé. Das Stade de France ist die Heimspielstätte der „Les Bleus”, wie sie sich nennen. 80.000 Fans sind an diesem Abend gekommen, um den Auftritt in der Nations League gegen Deutschland zu sehen. Weltmeister gegen Ex-Weltmeister. Die DFB-Auswahl hatte auch mal eine sehr beliebte Mannschaft. Doch das ist schon eine Weile her. Gegen die Equipe Tricolore hat sie indes über weite Strecke wieder Werbung in eigener Sache gemacht. Am Ende steht trotzdem ein 1:2 gegen nach der Pause stärkere Franzosen.

"Es fühlt sich immer schlecht an, wenn man verliert. Das ist bitter und enttäuschend, vor allem, weil man gefühlt alles im Griff gehabt hat. Jogi und sein Team hatten einen klaren Plan, der grundsätzlich auch aufgegangen ist", sagte ein enttäuschter Kapitän Manuel Neuer nach dem Abpfiff in der ARD.

Joachim Löw ist über seinen eigenen Schatten gesprungen. Es wurde geunkt, dass mittlerweile die Mannschaft „Die Mannschaft” aufstellen würde. Im Vorfeld war an die Öffentlichkeit gedrungen, dass es große Unzufriedenheit innerhalb des Verbundes gebe. Besonders die Nachwuchskräfte sollen darüber gemurrt haben, dass Leroy Sané nur im begrenzten Maße Einsatzzeiten bekommen hat. Gegen Frankreich hat Löw mächtig rotiert. Und siehe da, auch Sané hat es neben Serge Gnabry, Niklas Süle, Thilo Kehrer und Nico Schulz in die Startformation geschafft. Thomas Müller, Jonas Hector, Emre Can, Mark Uth und der verletzt abgereiste Jerome Boateng standen beim 0:3 in den Niederlanden noch von Beginn an auf dem Feld.

Das Wechselspiel erwies sich schon nach wenigen Minuten als richtige Maßnahme. Besonders Sané wirkte wie aufgedreht und brachte die Defensive der Gastgeber mit seinen schnellen Antritten immer wieder in größere Verlegenheit. Die Franzosen waren selbst offenbar ein wenig verwundert, dass Deutschland zwar anfänglich wie ein angeschlagener Boxer auftrat, im Spielverlauf aber immer mehr Sicherheit zurückgewann und sich keineswegs als Vorgruppe einer großen Band präsentierte. Dort stand eine Mannschaft auf dem Rasen, die durchaus Ambitionen auf weitere Auftritte hinterlegte. Gnabry, Werner und Sané spielten sich die Bälle geschickt hin und her, einzig im Abschluss waren sie mitunter nicht entschlossen genug. Genau dieses Quäntchen Einsatz mehr lieferte nach 13 Minuten Sané ab, der an der Grundlinie den Ball eroberte und den Ball zurück in den französischen Strafraum spitzeln wollte. Das Spielgerät prallte an den Oberarm von Presnel Kimpembe. Der serbische Schiedsrichter Milorad Mazic entschied sofort auf Strafstoß - und der zuletzt viel gescholtene Toni Kroos übernahm die Verantwortung. Der Mittelfeldspieler von Real Madrid schob zum 1:0 ein. Ein Tor wie ein Befreiungsschlag. Denn hernach machte die DFB-Auswahl mächtig Dampf und brachte Frankreich in arge Nöte.

Für Löw dürften bereits diese Eindrücke geholfen haben, sich in seinem „Weg” bestärkt zu sehen. Auch darin, weiter auf Manuel Neuer als Schlussmann zu vertrauen. Nach ein paar Wacklern hat der 32-Jährige wieder seine besondere Klasse nachweisen können – unter anderem bei einer Glanzparade gegen Mbappé. Joshua Kimmich ordnete über weite Strecken das Spiel der deutschen Mannschaft im Mittelfeld. Auf dem Platz regelten die Spieler Nachlässigkeiten gleich untereinander. Trotzdem mussten die Deutschen gegen stärker werdende Franzosen den Ausgleich hinnehmen. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch ohne taktische Fesseln. Für die Entscheidung sorgte wieder Griezmann mit einem verwandelten Foulelfmeter, über dessen Berechtigung diskutiert werden konnte. Griezmann hatte schon mit zwei Toren das EM-Halbfinale gegen Deutschland entschieden.

Statistik:
Frankreich: Lloris/Tottenham Hotspur (31 Jahre/106 Länderspiele) - Pavard/VfB Stuttgart (22/16), Varane/Real Madrid (25/53), Kimpembe/Paris St. Germain (23/5), Hernandez/Atletico Madrid (22/15) - Kante/FC Chelsea (27/34) ab 90.+3 15 N'Zonzi/AS Rom (29/12), Pogba/Manchester United (25/64) - Mbappe/Paris St. Germain (19/26) ab 86. Dembele/FC Barcelona (21/20), Griezmann/Atletico Madrid (27/65) ab 90.+1 Ndombele/Olympique Lyon (21/2), Matuidi/Juventus Turin (31/75) - Giroud/FC Chelsea (32/85).- Trainer: Deschamps

Deutschland: Neuer/Bayern München (32 Jahre/82 Länderspiele) - Ginter/Borussia Mönchengladbach (24/22) ab 83. Brandt/Bayer Leverkusen (22/22), Süle/Bayern München (23/14), Hummels/Bayern München (29/69) - Kehrer/Paris St. Germain (22/2), Kimmich/Bayern München (23/36), Kroos/Real Madrid (28/90), Schulz/TSG Hoffenheim (25/2) - Werner/RB Leipzig (22/21), Gnabry/Bayern München (23/3) ab 88. Müller/Bayern München (28/98), Sane/Manchester City (22/15) ab 75. Draxler/Paris St. Germain (25/49). - Trainer: Löw

Schiedsrichter: Milorad Mazic (Serbien)

Tore: 0:1 Kroos (14., Handelfmeter), 1:1 Griezmann (62.), 2:1 Griezmann (80., Foulelfmeter)

Zuschauer: 75.000

Beste Spieler: Griezmann, Mbappe - Kimmich, Sane

Gelbe Karten: - Ginter

Torschüsse: 14:9

Ecken: 5:8

Ballbesitz: 45:55 %

Zweikämpfe: 85:87

(giv)
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