Joachim Löw: Es löwt nicht mehr - ein Kommentar

Bundestrainer gegen Frankreich unter Druck : Es löwt nicht mehr

Das Spiel gegen Frankreich könnte ein Endspiel für Bundestrainer Joachim Löw werden. Es scheint, als hätte Löw den Zugriff auf die Spieler verloren. Ein Kommentar.

Herbert Grönemeyer hat vor zwölf Jahren ein Lied zum Soundtrack für das Sommermärchen beigesteuert. „Zeit, dass sich was dreht.“ Die Botschaft passte geradezu perfekt auf eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die fortan verordnet bekam, nicht nur erfolgreich zu sein, sondern auch das schöne Spiel zu pflegen. Maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung hatte Joachim Löw.

Ende 2018. Es wäre mal wieder an der Zeit, dass sich etwas dreht. Denn es löwt nicht mehr bei der Vorzeigemannschaft des DFB. Nach dem desaströsen Abschneiden bei der WM in Russland, verbunden mit dem historischen Aus bereits in der Vorrunde, nimmt das Elend seinen Lauf. Denn überraschenderweise hat Löw nicht über Nacht an irgendwelchen Schaltern gedreht. Er hat noch nicht einmal versucht, daran herumzufummeln.

Vielleicht würde es auch gar nichts mehr bringen, denn es hat mehr und mehr den Anschein, als hätte er längst den Zugriff auf einen Teil des Teams verloren. Die junge Garde um Leroy Sané und Julian Draxler muckt immer unverhohlener auf. In seiner stärksten Phase hätte es öffentlich aus den Reihen der Unzufriedenen nicht mal eine Andeutung gegen das löwsche Spielprinzip gegeben. Doch nun, da die Ergebnisse nicht mehr Stimmen, gibt es immer mehr Raum für die Opposition.

Löw lächelt derartige Entwicklungen öffentlich noch weg. Er stellt sich, verzichtet aber darauf, allzu intensiv an sich zu zweifeln. Löw hat seit der WM nichts in Angriff genommen, um den deutschen Fußball grundsätzlich neu aufzustellen. Er lässt es laufen und setzt auf das Prinzip Hoffnung.

Tatsächlich könnte die Begegnung in der Nations League am Dienstagabend gegen Frankreich schon so etwas wie ein Endspiel für ihn sein. Sollte es erneut, wie beim 0:3 in den Niederlanden, eine herbe Pleite geben, dürfte Löw mächtig ins Wanken geraten. Bislang hatte man beim DFB sich schlicht nicht auf ein vorzeitiges Ausstiegsszenario vorbereitet. Spätestens nach der WM muss sich das doch geändert haben? Hat es aber nicht! Der größte Sportfachverband der Welt mit mehr als sieben Millionen Mitgliedern hat noch keinen Plan B parat.

Immer öfter ist der Name Stefan Kuntz hinter den Kulissen zu vernehmen. Kuntz trainiert erfolgreich die U21. Er könnte die Länderspiel-Saison zu Ende bringen. Danach wäre dann er oder ein „großer Name“ denkbar. Ein sehr sympathischer Gedanke, aber eher unwahrscheinlich in der aktuellen Gemengelage, ist ein Engagement von Matthias Sammer. Für den DFB wäre das eine zu große Revolution.

Beim DFB hofft man stattdessen, dass sich nicht zu viel dreht. Außer das Ergebnis vielleicht.

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