Borussia Mönchengladbach: Sportdirektor Max Eberl schwört auf den Endspurt ein

Eberl schwört Gladbach auf Endspurt ein : „Ein plumper Trainerwechsel ist nicht Borussia“

Die Mitgliederversammlung bei Borussia Mönchengladbach verläuft weniger turbulent als gedacht. Einen kurzfristigen Trainerwechsel gibt es nicht.

Die Mitgliederversammlung bei Borussia Mönchengladbach war am Montagabend ruhiger als erwartet. Die vielen negativen Kommentare im Internet gegen Trainer Dieter Hecking, dem die Hauptschuld an der unbefriedigenden Rückrunde angelastet wird, hatte einiges an Tumult erwarten lassen. Als Sportdirektor Max Eberl um 18.45 Uhr an das Mikrofon trat, gab es aber vor allem Applaus.

In Anlehnung an das 0:1 beim VfB Stuttgart am Samstag begann Eberl: „Wir sprechen immer gerne über Tradition. Leider ist es auch Tradition, dass ich nach einem beschissenen Spiel hier stehen und Bericht erstatten muss. Das tut mir leid. Wir werden es besser machen.“ Es gab freundliches Gelächter als Antwort.

Eberl skizzierte dann zunächst einmal den sportlichen Weg seit der vergangenen Mitgliederversammlung, begann damit bei der Abschlusstabelle der Vorsaison: „Platz neun mag nicht so sexy und toll geklungen haben, aber es zeigt: Borussia hat auch in einer schlechteren Phase nichts mehr mit dem Abstieg zu tun, sondern belegt dann ,nur’ Platz neun.“ Dennoch gab Eberl zu, dass auch er damit nicht zufrieden gewesen war: „Wir haben uns dann zügig mit Dieter Hecking zusammengesetzt und überlegt, was man machen kann. Zu dem Zeitpunkt war zwischen Trainer-Entlassung und Verlängerung alles möglich. Wir haben uns Zeit genommen und einvernehmlich entschieden, den Vertrag nicht zu verlängern. Das wollte Dieter auch nicht“, sagte Eberl über die Situation im Sommer 2018.

Der Sportdirektor sprach dann über die Umstellung auf ein 4-3-3 und die dafür nötigen Transfers und Arbeiten. „Wir wussten nicht, ob alle Maßnahmen, von denen wir überzeugt waren, funktionieren. Ziel war, das Schritt für Schritt zu implementieren“, sagte Eberl und ergänzte: „Wir werden alles tun, um jede Saison so erfolgreich zu sein wie möglich, wir dürfen aber auch die Realität nicht aus den Augen verlieren. Wir müssen realitätstreu, aber sehr, sehr ambitioniert sein.“

In Anbetracht dessen habe Borussia „eine fantastische Hinrunde gespielt“, danach sei die Verlängerung des Trainervertrages „nur logisch“ gewesen, sagte Eberl. Er bezeichnete den „Verlauf der Rückrunde als sehr stabil: Von den Tabellenplätzen her ist es das auch, von der Leistung nicht so ganz“. Gelächter kam auf. Eberl ergänzte: „Es gibt Themen, die nicht immer erklärbar sind. Wir haben unsere Effektivität in der Offensive verloren, Gegner haben uns anders wahrgenommen – das führte zu einer schwankenden Rückrunde.“

Der Sportdirektor betonte mit Blick auf die aktuelle Verfassung: „Es ist die erste Schwächeperiode, sie geht uns zu lang, aber es waren auch Spiele dabei, die von der Leistung her absolut in Ordnung waren, vom Ergebnis nicht so. Jede Mannschaft um uns herum hatte diese Phase auch.“ Da gab es um 19.09 Uhr den ersten Zwischenruf, der sich gegen Hecking wandte: „Ändert was!“, kam es aus einem Mund. „Warum soll ich was ändern?“, fragte Eberl zurück und erhob seine Stimme: „Ein populistischer Trainerwechsel, einfach um irgendwas zu tun, das ist nicht der Weg von Borussia. Dieter Hecking – ihr kennt ihn alle zu wenig oder gar nicht – ist der Trainer, der am meisten für Borussia brennt, den ich hier erlebt habe.“

Und dann nahm der Manager die Fans in die Pflicht: „Es wäre ein Albtraum für mich, wenn wir nicht alle zusammen alles dafür tun, diesen Platz fünf, den wir haben, mindestens zu behalten. Ein plumper Trainerwechsel ist nicht Borussia Mönchengladbach. Ich erwarte von uns allen, von den Fans, vom Verein, dass wir alles dafür tun, das zu schaffen. Ich will auch nach Europa, nicht nur ihr, ich auch. Die Mannschaft auch, ja.“ Später ergänzte Eberl in Richtung der Fans: „Im Moment spüre ich sehr viel Negatives. Das wird uns am Wochenende nicht helfen.“

Dann geht es gegen Hoffenheim – es ist für beide Teams ein extrem wichtiges Spiel um das internationale Geschäft. Ein Fan sagte zum Ende: „Herr Eberl, nur, damit Sie es wissen: Wir geben die letzten drei Spiele alles. Wir wollen auch nach Europa.“

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