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Borussia Mönchengladbach: Trainer Dieter Hecking bleibt, Spieler in der Pflicht

Analyse : Die Hecking-Frage und zukunfts(un)taugliche Spieler

Bei der Mitgliederversammlung am Montagabend im Borussia-Park gibt es sicherlich Redebedarf wegen der sportlichen Situation. Im Zentrum der Kritik vielen Fans steht Trainer Dieter Hecking. Aber er bleibt. Das bedeutet: Die Mannschaft ist in der Pflicht.

Wenn sich Montagabend die Borussen in der Südkurve ihres Stadions zur Mitgliederversammlung treffen, wird Präsident Rolf Königs von den Errungenschaften jenseits des Fußballs berichten: vom neuen Gebäude, vom „Borussia 8 Grad“, vom Hotel und dem Museum, das Freitag eröffnet wird. Geschäftsführer Stephan Schippers wird von guten Bilanzen berichten. Spannend wird es, wenn Sportdirektor Max Eberl ans Mikrofon tritt. Er wird seine Entscheidung erklären, sich nach der Saison von Trainer Dieter Hecking zu trennen und stattdessen Marco Rose zu installieren. Und dann wird es Redebedarf für die Fans geben. Der sportliche Status quo ist nicht schön, auch wenn die Gladbacher dank des überraschenden Ausrutschers von 1899 Hoffenheim gegen den VfL Wolfsburg (1:4) trotz des 0:1 beim Abstiegskandidaten VfB Stuttgart noch Fünfter der Tabelle sind. Allerdings ist es nochmal kuscheliger geworden im Europarennen: Leverkusen und Wolfsburg sind herangerückt.

Weswegen viele Menschen, die Borussia emotional nahestehen, größte Sorgen haben, dass die Borussen, die nur neun Punkte aus den letzten elf Spielen holten und damit 15. des Rückrundenklassements sind, wieder ohne internationalen Auftrag in die neue Saison gehen. Daraus resultiert ein gesteigerter Unmut, der sich in jedweder Tonart nach Art der sozialen Netzwerke entlädt. Im Zentrum der Kritik steht Trainer Dieter Hecking. Viele würden es gern sehen, wenn der Mann, der ohnehin nach dieser Saison von Marco Rose abgelöst wird, sofort gehen müsste. Bei der Mitgliederversammlung wird er nicht da sein, aber nicht, weil er kein Trainer mehr ist bei Borussia. Hecking bleibt Trainer, und das wird bis zum Ende der Saison so sein. Es gibt sicherlich Argumente für eine andere Option. Ein Wechsel an der Linie kann helfen, muss es aber nicht. Und auch wenn viele ihr abschließendes Urteil schon gefällt haben: Die Richtigkeit der gewählten Antwort auf die Hecking-Frage wird erst nach dem Ende der Saison abschließend zu prüfen sein.

Nimmt man aber das, was die Borussen in Stuttgart abgeliefert haben, als Maßstab, sind Zweifel erlaubt, ob es reichen wird für Europa. Leverkusen hatte vorlegt, es hätte in diese Richtung eine deutliche Antwort geben müssen von den Borussen. Frankfurt hatte gepatzt, es bestand die Möglichkeit, gleichzuziehen mit dem Vierten und damit die Champions-League-Chance weiter am Leben zu halten.

Doch beim Abstiegskandidaten reichte es noch nicht einmal zu einem Irgendwie-Sieg wie in Hannover. Und wenn das Ergebnis nicht stimmt, muss auch die Art und Weise betrachtet werden, schließlich ging es für die Borussen in Stuttgart auch um eine Selbstbeschreibung: Sind sie bereit für das Europarennen? Die Botschaft: offenbar nicht. Spiele wie dieses gab es öfter: vergangene Saison in Hamburg, in dieser in Düsseldorf. Der Misserfolg war in allen Fällen keine Systemfrage, sondern eine Frage der Einstellung. Dass sich auch Hecking für die letzten drei Spiele etwas einfallen lassen muss, um sein Team dazu zu bringen, die nötigen Punkte zu holen, ist klar. Die Tatsache, dass Borussia nicht mehr den Trainer wechselt, bedeutet aber auch: Die Mannschaft ist in der Pflicht. Und keiner der Spieler sollte vergessen, dass er zugleich vorspielt für die neue Saison. In Stuttgart war kaum ein Borusse zukunftstauglich.