Borussia Mönchengladbach: Es ist wieder Sommer-Zeit

Borussias Torwart in WM-Form: Es ist wieder Sommer-Zeit

Borussias Torwart Yann Sommer hat seine persönliche Achterbahn-Fahrt beendet und im Saisonendspurt stark gehalten. Bei der WM ist er gesetzt für die Schweiz.

Yann Sommer hatte das entscheidende Datum spontan gar nicht parat. Dass er der Bekanntgabe des vorläufigen Schweizer WM-Kaders offenbar gelassen entgegenblickt, hat er sich nicht erst mit seiner Leistung im letzten Saisonspiel mit Borussia verdient. Doch in Hamburg lieferte der Torwart den finalen Beweis, dass sich Trainer Vladimir Petkovic beim Turnier in Russland auf ihn verlassen können wird. Sommer hat sich berechtigterweise in der Vergangenheit häufig den Vorwurf gefallen lassen müssen, dass er Borussia zu selten Punkte festhält. Dass ihm das beim 1:2 gegen den HSV zum Abschluss nicht gelang, war jedoch alles andere als die Schuld des Keepers.

Sechs Paraden lieferte er, geschlagen wurde der 29-Jährige nur von Aaron Hunt vom Elfmeterpunkt und von Lewis Holtby. Keine Punkte gewonnen, aber ein mögliches Debakel gegen den Absteiger verhindert - immerhin für Sommer war das ein Ruhmesblatt zum Ausklang einer durchwachsenen, oft enttäuschenden und selten rundum überzeugenden Bundesligasaison, die Gladbach auf Platz neun beendet.

All die genannten Attribute trafen lange auch auf Sommer zu, doch er hat sich in den vergangenen Wochen so berappelt, dass er weitaus aufrichtiger in die Pause geht als viele Teamkollegen. "Es war ein anstrengendes Jahr mit großen Aufs und Abs", sagte Sommer. Er hat vier Spiele und fast ein komplettes fünftes verletzungsbedingt verpasst. Sein Vertreter Tobias Sippel präsentierte sich stark beim Sieg gegen Stuttgart, konnte Niederlagen gegen Frankfurt, Leipzig, Stuttgart nicht verhindern und ging mit der Mannschaft gegen Dortmund unter. Borussias Keeper saßen in dieser Saison häufig in derselben Achterbahn wie ihre Vorderleute. Nun in Hamburg war Sommer in einigen Szenen buchstäblich auf sich allein gestellt, so wie bei seiner starken Tat gegen Filip Kostic. Er war sozusagen ein Farbtupfer im grauen Trikot.

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Seine Zahlen in der Hinrunde und Rückrunde unterscheiden sich kaum. In der ersten Saisonhälfte wehrte er 72,8 Prozent aller Torschüsse ab und kassierte alle 61 Minuten ein Tor, in der zweiten Saisonhälfte waren es 73 Prozent und 64 Minuten. In Erinnerung geblieben sind jedoch weitaus mehr starke Szenen - wie beim 1:0 in Hannover, beim 0:0 in Mainz oder beim 3:1 gegen Freiburg. Da rettete Sommer seinem Team wirklich mal Punkte. Im Mai hat er beide Fan-Votings zum "Spieler des Spiels" gewonnen und hätte nach dem üblichen Prozedere die Auszeichnung "Spieler des Monats" sicher. Den Torwart-Stein kann Borussia beim sinngemäß ausgerufenen Projekt "Wir drehen jeden Stein um" liegenlassen.

Sommer wird die Gladbach-Fraktion im Schweizer WM-Kader anführen. Wird es ein Duo, ein Trio oder ein Quartett? Josip Drmic hat in seinen letzten drei Startelf-Einsätzen getroffen, als einziger Borusse in Hamburg. Eine Nicht-Nominierung wäre inzwischen eine Überraschung. Denis Zakaria hat eine schwächere Rückrunde als Hinrunde gespielt, sein Russland-Ticket hat er aber vermutlich seit seinen starken Play-off-Auftritten im November sicher. Nico Elvedi erlitt beim HSV einen Rückfall in wacklige Zeiten, er wird sich im Trainingslager zumindest noch einmal beweisen müssen. Am Ende läuft es aber auf ein Borussia-Quartett bei der "Nati" hinaus. "Die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass wir uns definitiv nicht verstecken müssen", sagte Sommer zuletzt im Interview mit unserer Redaktion. In dieser Form muss er selbst das ganz sicher nicht.

(RP)