Borussia Mönchengladbach hat Europa am Ende auswärts verspielt

Statistiken zur Saison : Am Ende hat Borussia Europa auswärts verspielt

Im November war Borussia in der Auswärtstabelle Vierter, danach ging fast gar nichts mehr. Beim Toreschießen sorgte immerhin Josip Drmic für einen Lichtblick. Denis Zakaria musste in einer Statistik nur Stefan Effenberg den Vortritt lassen.

Nur ein Sieg in elf Auswärtsspielen

Zu Hause hat Borussia in den letzten Wochen der Saison noch die Kurve gekriegt – erst von den Ergebnissen her, dann stimmten auch die Leistungen. Auswärts dagegen lassen die Ergebnisse schon seit einem halben Jahr zu wünschen übrig, und auch wirklich überzeugende Auftritte waren selten in der Zeit seit dem 18. November 2017. Damals gewann Borussia bei Hertha BSC ihr drittes Auswärtsspiel in Folge und ritt die beste Welle der Saison. Es folgten in der Fremde elf Partien mit nur einem Sieg, zwei Unentschieden, aber acht Niederlagen. Von ihren am Ende 19 Auswärtstoren hatte Borussia 14 bereits nach dem Hertha-Spiel erzielt, bis zum Ende produzierte sie ein verheerend schlechtes Torverhältnis von 5:19 und schoss in keinem Spiel mehr als ein Tor. 2015/16 unter André Schubert zum Beispiel war die Auswärtsbilanz auch schwach, Gladbach holte aber im eigenen Stadion 40 Punkte. Insgesamt lief es in dieser Saison also weder zu Hause noch auswärts gut genug für Europa.

Wo ordnet sich Dieter Hecking ein?

Mit welcher Phase der Vereinsgeschichte ist die aktuelle – zweimal in Folge Platz neun – am ehesten zu vergleichen? Erst als achter Borussia-Trainer hat Dieter Hecking zwei Bundesliga-Spielzeiten in Folge zu Ende gebracht (Horst Köppel nicht mitgezählt, der zunächst Interim war und 2005 erst spät übernahm). Udo Lattek, Jupp Heynckes und Lucien Favre schafften es bis dahin mindestens einmal in den Europapokal, der Rest brauchte länger oder packte es nie. Während von Hennes Weisweiler bis Bernd Krauss noch sechs der ersten sieben Gladbacher Bundesliga-Trainer zwei Saisonabschlüsse hintereinander erlebten, ist Hecking von den 16 in der Zeit danach neben Lucien Favre erst der zweite. Bernd Krauss? Wolf Werner? Gerd vom Bruch? Die nächste Saison benötigt Hecking definitiv noch, um seinen adäquaten Platz in Borussias Trainer-Galerie zu finden. Stand jetzt läuft sein Vertrag im Juni 2019 aus, Gespräche sollen bald folgen.

Defensive rettet die Torbilanz

Elf Torschützen hatte Gladbach in dieser Saison nur, so wenige wie seit 2011/12 (neun) nicht. Damals führte allerdings Marco Reus die Liste mit 18 Toren an, die Offensive um den heutigen Dortmunder, Mike Hanke, Patrick Herrmann und Juan Arango schoss Borussia fast im Alleingang nach Europa. Diesmal benötigten die Angreifer tatkräftige Unterstützung von weiter hinten. Sechs der elf Torschützen sind Defensivspieler, sie steuerten starke 16 Treffer bei. Die Stärke der einen hebt gleichzeitig die Schwäche der anderen hervor: Nur fünf Offensivspieler trafen. Nicht einmal erfolgreich waren – aus diversen Gründen – Jonas Hofmann, Patrick Herrmann, Ibrahima Traoré, Vincenzo Grifo und Raúl Bobadilla.

Josip Drmic lernt das Knipsen

Für einen Lichtblick in Sachen Torproduktion hat im Saisonendspurt wenigstens Josip Drmic gesorgt. Bis zum 17. März hatte der Schweizer nur einmal länger als eine halbe Stunde gespielt. Dann gelang ihm ein Treffer gegen Hoffenheim und in den drei Spielen, in denen Drmic seitdem sogar von Beginn an ran durfte, war er drei weitere Male erfolgreich (in München, gegen Freiburg, in Hamburg). So hat er seine vorher schwache Ausbeute im Gladbacher Trikot vervierfacht, mit dem WM-Ticket kann Drmic nun sicherlich planen. Nach der langen Leidenszeit, die ein Knorpelschaden verursachte, ist dieses Comeback ein ganz besonderes. Von allen Bundesliga-Profis, die in dieser Saison mehr als 90 Minuten zum Einsatz kamen, hat er die drittwenigsten Minuten pro Tor benötigt (115) – hinter Robert Lewandowski (75) und Pierre-Emerick Aubameyang (109).

Denis Zakaria übertrifft sogar Granit Xhaka

Denis Zakaria ist in dieser Saison womöglich die überzeugendste Verkörperung des Leitmotivs „Die Fohlen“ gewesen – mal beeindruckend unbekümmert, mal verheerend ungestüm. Um einen Platzverweis ist er immer herumgekommen, einige Male musste Hecking ihn aber retten. So beendet Borussia zwar erstmals seit 2009 eine Saison ohne Gelb-Rote oder Rote Karten. Elf Verwarnungen allerdings bedeuten in Gladbachs Bundesliga-Geschichte die zweitmeisten nach Stefan Effenbergs 15 in der Saison 1997/98. Selbst Granit Xhaka, Jeff Strasser oder Steffen Korell „schafften“ seitdem maximal zehn Gelbe Karten. Als Effenberg vor 20 Jahren so oft verwarnt wurde, waren Fouls noch ein anerkanntes Mittel, um die berüchtigten Zeichen zu setzen. Zakaria hatte – das muss man ihm zugestehen – in einigen Szenen Pech, dass die Schiedsrichter so schnell eine Karte zücken. Oft genug stellte er sich jedoch auch ungeschickt an.„Fohlen“ sind jung und „Fohlen“ lernen dazu.

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