Hamburger SV steigt ab - Borussia Mönchengladbach verpasst Europa

Eklat durch Hamburger Chaoten: HSV steigt ab – Borussia verpasst Europa

Der Hamburger SV muss als letztes Gründungsmitglied erstmals runter in 2. Bundesliga. Chaoten unter den HSV-Fans sorgen für ein unrühmliches Ende.

Die Partie wurde kurz vor dem Ende unterbrochen. Fans zündeten Rauchbomben und bengalische Feuer. Die Polizei war mit Einsatzkräften auf dem Rasen. Der HSV führte zu dem Zeitpunkt 2:1, muss aber durch das 4:1 des VfL Wolfsburg gegen Köln erstmals in die 2. Liga. Borussia verpasst sicher die Europa League.

Vor dem Spiel gab es für einige Fans Trost von einer Legende. Uwe Seeler, das große Idol des Hamburger SV, nahm sich auf dem Weg zum Volksparkstadion noch Zeit für einen Plausch mit Menschen, deren Herz offenbar für „seinen“ Klub schlägt. „Es wird schwer. Aber es geht auch weiter“, sagte Seeler und lächelte. Dann machte er sich auf dem Weg zum großen Finale gegen die Borussen. Zum letzten Spiel, bevor die Bundesliga-Uhr des HSV stehen bleiben sollte.

Das Stadion war laut, so laut, als könne man die Rettung herbeischreien. Lotto King Karl sang seinen Song, danach war ganz Hamburg eine Raute. Der Support brachte zwar einen 2:1-Sieg, aber nicht die Rettung. Weil Wolfsburg auch siegte, steigt der HSV zum ersten Mal aus der Bundesliga ab. Und Borussia? Sie ging belanglos aus der Saison. Mit 47 Punkten 47:52 Toren und Platz neun. Und einem wenig erbaulichen letzten Eindruck.

Der HSV begann euphorisiert, Borussia allzu verzagt. Nein, richtig Kampf um Europa war das erst mal nicht. Weswegen der Gegner dann auch Übergewicht bekam. Die Kunde vom blitzschnellen 1:0 des VfL Wolfsburg wurde nicht kundgetan auf der Anzeigetafel, die Tore der Gladbacher Konkurrenten Leipzig und Stuttgart indes schon. Ein bisschen Psycho-Terror, dass es bei den Borussen nicht lief, war damit jedoch nicht zu erklären.

Das 1:0 für die Hamburger ließ den Volkspark hochkochen. Lewis Holtby, der in Borussias Nachwuchs spielte, schoss und traf den Arm von Denis Zakaria, der wie Jannik Vestergaard und Christoph Kramer wieder ins Team gerückt war nach seiner Gelb-Sperre. Zunächst entschied Schiedsrichter Felix Brych, weiterspielen zu lassen, dann aber gab es das Zeichen aus Köln vom Videoassistenten. Brych schaute sich die Szene nochmal an, malte dann den ominösen virtuellen Bildschirm in die Luft und zeigte auf den Punkt. Aaron Hunt verwandelte zum 1:0.

Borussia war verunsichert und schüchtern, es gab einige total unnötige Ballverluste, zuweilen misslang sogar die Ballannahme. Druck nach vorn gab es kaum, und auch keine echten Ideen, Yann Sommer war immer wieder Adressat von Rückpässen und schlug dann, angelaufen vom HSV, lange Bälle nach vorn, die verpufften. Gerade Spieler wie Zakaria und Nico Elvedi wirkten verunsichert – dass es für diese Gladbacher Mannschaft um etwas ging, war nicht zu erkennen. Und wenn, dann nur negativ: Drückte die zarte Europa-Chance aufs Selbstvertrauen?

Und dann das: Filip Kostic verlor am Gladbacher Strafraum den Ball, das Spielgerät kam zu Thorgan Hazard und der zerlegte mit einem genialen Pass die Hamburger Abwehr, Josip Drmic lief ein, schlug einen Haken, mit dem er Hunt aus dem Spiel nahm, und schoss das 1:1. Schon in München und gegen Freiburg hatte der Schweizer getroffen, insgesamt war es sein vierter Saisontreffer – und ein Wirkungstreffer für den Gegner. Der HSV war in den Minuten danach sichtlich geschockt, doch daraus konnte Gladbach kein weiteres Kapital schlagen. Die Borussen stellten, um im Zentrum kompakter zu sein, auf eine Dreierkette um, Elvedi rückte auf die linke Seite, Jonas und Oscar Wendt spielten die vorgezogenen Außenverteidiger. Bis zur Pause blieb es beim 1:1.

Borussias Fans zeigten ein Plakat, auf dem die ominöse Uhr auf 45:00 Minuten stand – der Countdown für den HSV. Nach dem Seitenwechsel war es wieder der HSV, der zunächst initiativ war, aus gegebenem Anlass. Borussia wartete auf die nächste Kontergelegenheit. Als sich diese ergab nach 49 Minuten, war Wendts Hereingabe jedoch zu ungenau. Zuvor hatte sich der HSV zuweilen vielversprechend im Strafraum getummelt, doch nur bei einem Schuss von Tatsuya Ito musste Sommer einschreiten, er tat es mit Erfolg.

Für große Taten waren die Gladbacher jedoch nicht bereit, anders als zum Beispiel der VfB Stuttgart, der in München groß aufspielte und plötzlich 4:1 führte. Damit hätte Borussia, so hoch gewinnen können, wie sie wollte – es wäre nichts mehr geworden mit Europa. Michael Cuisance (für Zakaria) und Ibrahima Traoré (für Hofmann) kamen ins Spiel, um neue Akzente zu setzen. Zuvor war es erneut Sommer gewesen, der sich auszeichnen musste, als Gideo Jung schoss.

Borussia war wieder zu lethargisch, um den HSV unter Druck zu setzen, ein bisschen zu sommerlich gingen die „Grünen“ vom Niederrhein die Sache an. Allein Sommer war richtig gut, die Art wie er die Chance des freistehenden Kostic vereitelte, hatte Klasse. Dann gab es doch mal eine gute Kombination über Raffael und Hazard, doch da traf Wendt Gotoku Sakai, der auf der Torlinie stand. Brych hielt kurz Rücksprache mit dem VAR, um zu klären, ob es Elfmeter war, zeigte dann aber zur Ecke. Indes: In der Szene hätte er auch auf den Punkt zeigen können. Auch mit der Handspielregel brachte das letzte Saisonspiel für Borussia keine Versöhnung.

Dann ging der HSV durch Holtby wieder in Führung (53.) – und so passiv wie die Gladbacher hier verteidigten, war der Gesamteindruck. Mit dem geht es nun in die Sommerpause. Wieder einmal schafften es die Borussen nicht, zum nötigen Zeitpunkt standhaft zu sein. Der „Dunst des Scheiterns“ (Manager Max Eberl) bleibt der Schatten über der Jetztzeit-Borussia. Während die anderen ihren Job machten, und Stuttgart der lachende Dritte ist im Gerangel um Rang sieben, war die Darbietung der Gladbacher in Hamburg blutleer. Schade. Aber am Ende ist das und der neunte Platz die letzte Wahrheit dieser Saison.

Der HSV hätte das sicher höchst gern genommen, was die Gladbacher haben. Immerhin verabschiedete sich der Dino mit einem Sieg aus der Bundesliga. Ein Trost ist das nicht. An diesem sonnigen Tag in Hamburg gab es nur Verlierer im Volksparkstadion.

Passend dazu verzögerten Chaoten im HSV-Block den Abpfiff, indem sie Pyrotechnik nicht nur abfackelten, sondern auch auf das Spielfeld warfen. Rund 20 Minuten war das Spiel unterbochen, ehe es pro forma noch einmal angepfiffen wurde.

Mehr von RP ONLINE