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Kriminalitätsstatistik zeigt: Frauen werden seltener straffällig

Kriminalitätsstatistik : Frauen werden seltener straffällig

Lediglich fünf Prozent aller Gefängnisinsassen sind weiblich.

Die Kriminalitätsstatistik ist ein jährlich wiederkehrendes Ereignis in der Landespolitik. Dieses Mal fiel sie überwiegend so aus wie erwartet: Im vergangenen Jahr ging die Zahl der registrierten Straftaten insgesamt zurück, es sind so wenige wie zuletzt vor 30 Jahren. Einige Überraschungen gab es aber dann doch.

Was ein wenig unterging: NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat ganz neue Kategorien eingeführt. Jede bedient ein bestimmtes Wählerklientel. Da sind die Senioren, die erstmals erfahren haben, wie oft sie Opfer des Enkeltricks wurden – nämlich 4556mal. Der Trick, bei dem sich Betrüger am Telefon als Polizisten ausgeben, um an das Ersparte der älteren Menschen zu kommen, wurde sogar 23.448mal angezeigt. Auch Messerdelikte weist NRW als erstes Bundesland neuerdings gesondert aus – die anderen Länder werden folgen.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Reul auch der Ausländerkriminalität. „Die Zahlen zeigen, dass die Zahl der Ausländer unter den Straftätern überproportional hoch ist“, sagte der Innenminister. Man müsse eine gesellschaftliche Debatte darüber führen, wie dieses Missverhältnis zu ändern sei. Reul schlägt Strafverfolgung und Druck vor, aber auch bessere Integration, Sozialisation, Bildung.

Tatsächlich gibt es noch ganz andere Missverhältnisse in der Kriminalstatistik: Überproportional hoch ist nämlich vor allem der Anteil der Männer insgesamt an den Straftätern: 95 Prozent der Gefängnisinsassen in Deutschland sind männlich. Warum Männer so viel häufiger straffällig werden als Frauen, ist bisher kaum erforscht und wird als selbstverständlich hingenommen. Das Thema hätte Aufmerksamkeit verdient – allein weil in Deutschland laut Statistik an jedem dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet wird.

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