1. Politik
  2. Deutschland
  3. Kolumnen
  4. Hier in NRW

Kolumne Hier in NRW: Kein Platz für Schottergärten

Kolumne Hier in NRW : Kein Platz für Schottergärten

Nordrhein-Westfalen sollte wie Baden-Württemberg den unguten Trend der Steinwüsten rund um Häuser beenden. Denn Grünflächen sind für alle Lebenwesen – nicht nur für Insekten – von Bedeutung.

Es gibt sie immer wieder – Trends, die nicht in die Zeit passen. Ein besonders ärgerlicher sind Schottergärten. Da gibt eine Kommune Flächen für Neubaugebiete frei, für Häuser mit Gärten. Was aber entsteht, sind Steinwüsten. Eigenheime mit großen Asphalt-Auffahrten vor dem Haus. Und dahinter, wo eigentlich Sträucher, Blumen und vielleicht sogar Gemüse wachsen könnte, stapeln sich Kies oder schiefergraue Schottersteine. Wenn überhaupt etwas gepflanzt wird, gedeihen in dieser Umgebung meist nur Neophyten. Pflanzen also, die heimische Arten verdrängen.

Sicher, praktisch ist es. Kein Unkrautjäten, Wässern, Beschneiden von Ästen und Zweigen. Die Folgen sind aber fatal. Bienen und andere Insekten finden ohnehin immer weniger Nahrung – und Vögel, Igel oder Frösche in der Folge dann bald auch nicht mehr.

Schottergärten können anders als Grünflächen auch keinen Sauerstoff produzieren oder Feinstaub binden. Zudem tragen sie dazu bei, dass selbst Dörfer und kleine Städte sich im Sommer immer weiter aufheizen.

Die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg hat jetzt als erste in Deutschland Konsequenzen gezogen. Dort sind Schottergärten künftig verboten. Gärten müssen insektenfreundlich angelegt werden. Auch im Saarland und in Thüringen wird über Verbote nachgedacht. In Nordrhein-Westfalen hingegen ist das Thema bisher nur auf kommunaler Ebene angesiedelt. Bisher haben nur einzelne Städte wie Dortmund, Xanten, Herford, Paderborn oder Bonn ähnliche Vorschriften wie Baden-Württemberg erlassen. In NRW dringen auch Naturschutzverbände schon länger auf ein Verbot der Schottergärten. Bisher vergeblich.

Dabei könnten CDU und FDP im Land mit einem Verbot von Schottergärten ein Signal an die Grünen senden. Das würde dort in der zweiten Halbzeit dieser Wahlperiode sicher aufmerksam registriert.