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Umgang mit Medien sollte mehr in der Schule unterrichtet werden

Hier in NRW : Medienkompetenz als Schulfach

Fehlendes Wissen im Umgang mit Quellen im Internet gefährdet die Demokratie.

Bei einer Schulleiter-Tagung zum Thema Digitalisierung führte einer der Redner kürzlich ein Experiment vor. Er versetzte sich in einen Schüler hinein, der zum ersten Mal in seinem Leben etwas über den Holocaust erfahren will. Dazu googelte der Schulleiter vor Publikum ganz einfach das Wort „Holocaust“.

Das Ergebnis: Unter den ersten fünf Einträgen, die aufploppten, waren gleich zwei rechtslastige Seiten. Nun ist dieses Experiment nicht beliebig zu kopieren, weil die Such-Algorithmen bei jedem individuell variieren können. Aber es zeigt: Ein Schüler in Deutschland, der zum ersten Mal vom Holocaust hört und sich im Netz darüber informieren will, gerät mit hoher Wahrscheinlichkeit an höchst fragwürdige Quellen. Je jünger ein Schüler ist, desto hilfloser ist er solchen Quellen meist ausgeliefert. In der Schule kommen Kinder laut Lehrplan erst relativ spät mit dem Holocaust und der Zeit des Nationalsozialismus in Berührung. Zu diesem Zeitpunkt haben viele von ihnen längst eigene Recherchen angestellt. Ganz zu schweigen davon, dass es oft auch Erwachsenen schwerfällt, im Internet eine Quelle nach ihrer Seriosität zu beurteilen.

Das oben genannte Beispiel zeigt erneut, wie wichtig Medienkompetenz ist. In einer Zeit, in der Teenager fünf bis sechs Stunden täglich online sind, müssen sie im Umgang mit Inhalten im Netz sehr gut geschult werden. Wer sich als Jugendlicher erst einmal radikalisiert hat, lässt sich nicht mehr leicht überzeugen.

Medienkompetenz muss daher ein eigenständiges Schulfach werden. Das Thema mal in diesem, mal in jenem Unterricht zu behandeln, reicht nicht aus. Bis dahin könnte es ein wenig helfen, wenn Lehrer nicht pauschal das Internet-Lexikon Wikipedia verdammen. Denn das ist bei allen Schwächen sehr viel besser als irgendeine rechtsradikale Homepage.

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Autorin: kolumne@rheinische-post.de