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Kolumne "Hier in NRW": Zu seltene Kontrollen bei Petrolkoks

Kolumne: „Hier in NRW“ : Zu seltene Kontrollen

Jahrelang konnte Shell Sondermüll als harmlosen Petrolkoks deklarieren.

Wenn die Schwermetalle Vanadium und Nickel verbrannt werden, können sie beim Menschen Krebs erzeugen. Dennoch wurden sie als Petrolkoks deklariert und kamen in Anlagen in 19 nordrhein-westfälischen Städten schon jahrzehntelang zum Einsatz, wie das NRW-Umweltministerium jetzt in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der SPD-Fraktion einräumte. Diese Anlagen standen in Herne, Lünen, Köln-Niehl, Castrop-Rauxel, Rheinberg-Orsoy, Eschweiler-Weisweiler, Bottrop, Rietberg, Moers, Marl, Dülmen, Petershagen, Duisburg, Trois­dorf, Gelsenkirchen, Krefeld, Ratingen, Essen und Dinslaken.

Eigentlich hätte dieser Petrolkoks als gefährlicher Abfall eingestuft werden müssen, heißt es im NRW-Umweltministerium. Stattdessen habe die zuständige Aufsichtsbehörde, die Bezirksregierung Köln, die Angaben der Shell-Rheinland-Raffinerie im Kölner Süden akzeptiert, wonach es sich eben um ungiftigen Petrolkoks handelte. Die Raffinerie war dabei sogar im Einklang mit geltenden Genehmigungen.

Das Vertrauen der Aufseher überrascht: Die größte Raffinerie Deutschlands fällt immer wieder durch Unregelmäßigkeiten auf. Am gravierendsten ist wohl der Störfall des Jahres 2012. Aus einem Loch in einer 70 Jahre alten Kerosinleitung auf dem Wesselinger Shell-Gelände waren rund eine Million Liter Flugbenzin ausgelaufen. Experten entdeckten einen unterirdischen Kerosinsee in der Größe von sechs Fußballfeldern. In einer Erklärung räumte die Bezirksregierung Köln damals ein, eine genaue Kontrolle versäumt zu haben.

Für Schwermetall-Emissionen gelten bestimmte Grenzwerte. Hinweise, dass sie überschritten wurden, gibt es bisher zwar nicht. Aber sie wurden laut Umweltministerium auch nur alle drei Jahre überprüft.

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(kib)