Kolumne „Hier in NRW“ : Innenminister im Dilemma

Die Straftaten sinken kontinuierlich, NRW ist so sicher wie selten zuvor. Dennoch haben viele Menschen Angst. Das liegt auch an öffentlichkeitswirksamen Aktionen des Innenministers.

Innenminister stecken in einem Dilemma, das bringt ihre Aufgabe mit sich. Einerseits müssen sie Tatkraft beweisen und zeigen, dass Kriminelle keine Chance haben. Andererseits sollen die Menschen im Land sich sicher fühlen. Tun diese Minister also durch öffentlichkeitswirksame Aktionen zu viel des Guten, kann gerade deshalb der Eindruck entstehen, dass die Kriminalität ein wachsendes Problem ist.

Das ist sie in Nordrhein-Westfalen jedenfalls nicht. Die Zahl der Straftaten lag laut Polizeistatistik zuletzt auf dem niedrigsten Stand seit fast 30 Jahren. Wohnungseinbrüche zum Beispiel gab es sogar so wenige wie zuletzt 1981; der positive Trend soll weiter angehalten haben. Die Aufklärungsquote ist gleichzeitig die höchste in der Geschichte des Landes. Bei mehr als jeder zweiten Straftat wird der Täter ermittelt.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Die Zahl der Morde und Mordversuche stieg 2018 von 113 auf 140 – ein Plus von rund 24 Prozent. Immerhin liegt die Aufklärungsquote hier sogar bei 96 Prozent. Jede schwere Gewalttat ist natürlich eine zu viel. Bei 19 Millionen Einwohnern in NRW ist die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Mordversuchs zu werden, dennoch verschwindend gering.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) knöpft sich zurzeit insbesondere die Clankriminalität vor. Beinahe 900 Ermittlungsverfahren wurden inzwischen eingeleitet, wie die Strafverfolgungsbehörden jüngst berichteten. Dass es so viele sind, könnte aber auch mit besonders großer Aufmerksamkeit gerade für diese Straftaten zusammenhängen. Von anderen Delikten wie beispielsweise Drogenkriminalität ist zurzeit hingegen vergleichsweise wenig zu hören.

Das war beim Thema Kindesmissbrauch jahrelang auch so.

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(kib)