Ukraine: Moskau nennt Vorgehen Kiews kriminell

+++ Ticker-Protokoll zur Krise in der Ukraine +++: Moskau nennt Vorgehen Kiews kriminell

Die Situation in der Ost-Ukraine spitzt sich bedrohlich zu. Die Regierung in Kiew weitet den Einsatz gegen Separatisten aus und droht damit, Armee-Einheiten einzusetzen. Russland spricht von einem "kriminellen Befehl". Der UN-Sicheheitsrat tagt. Bei Kämpfen im Osten des Landes gab es Tote und Verletzte. Die Ereignisse des Tages im Ticker-Protokoll.

+++ Kiew will in Ostukraine Armee-Einheiten einsetzen, Moskau reagiert scharf
+++ Tote und verletzte bei Anti-Terror-Einsatz in Slawjansk

+++ Innenminister wirft Aktivisten vor, Zivilisten als Schutzschilde zu missbrauchen
+++ Unruhen auch in Metropole Charkow und anderen Städten

+++ USA wirft Russland organisierte Aktion vor

+++ 21.35 Uhr: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat eine Krisensitzung zur Lage in der Ukraine angesetzt. Das Gremium werde am Sonntagabend auf Antrag Russlands zusammenkommen, sagte ein Diplomat der Nachrichtenagentur Reuters. Ein weiterer Diplomat sagte, es liefen Gespräche über eine Einbeziehung der Ukraine.

+++ 20.44 Uhr: Heute haben in Moskau etwa 5000 Menschen für mehr Pressefreiheit in Russland demonstriert. Die Kundgebung wurde von einem großen Polizeiaufgebot begleitet. Die Protestteilnehmer warfen der Regierung am Sonntag in Moskau vor, gegen unabhängige Medien vorzugehen, um eine Debatte über die Krise in der benachbarten Ukraine zu ersticken. Der Kreml hat erklärt, er zensiere nicht und übe auch keinen Druck auf Medien aus.

+++ 20.36 Uhr: In Charkow hat sich die Lage offenbar beruhigt. Am Nachmittag war von 50 Verletzten die Rede. Prurussische Aktivisten hatten ein städtisches Gebäude besetzt, es kam zu Auseindersetzungen mit der Polizei.

Near #Karkiv CityHall situation is calm now.#Russian protestors leave the place,police is ready to leaveToo @itsector pic.twitter.com/sTt7hNfgsz

+++ 19.52 Uhr: Russlands Außenministerium hat die Regierung in Kiew wegen ihrer Ankündigung einer Militäroffensive im Osten der Ukraine scharf kritisiert. Die Armee zu mobilisieren sei ein "krimineller Befehl", erklärte Außenminister Sergej Lawrow am Sonntag. "Der Westen hat jetzt die Verantwortung, einen Bürgerkrieg in der Ukraine zu verhindern." Er solle daher seine Verbündeten in der ukrainischen Regierung unter Kontrolle bringen.

+++ 19.47 Uhr: Interessante Beobachtung des Telegraph-Reporters: Die prorussischen Kämpfer sondern sich nach seiner Beobachtung von den Zivilisten an den Straßenbarrikaden ab.

The men in the trees. Hanging by themselves, away from the civilians on the barricades. Slavyansk earlier. pic.twitter.com/khtxTWpAce

+++ 19.43 Uhr: "Russland hat aus der Invasion der Krim gelernt und seine Taktik für die Operation in der Ostukraine verfeinert.", schreibt unsere Russland-Korrespondentin Doris Heimann in ihrem Kommentar.

+++ 19.35 Uhr: Unsere Russland-Korrespondentin Doris Heimann hat die Entwicklungen in der Ost-Ukraine zusammengefasst. Sie macht widersprüchliche Beobachtungen. Doch viele Indizien sprechen auch aus ihrer Sicht für eine Eskalation nach Drehbuch des Kreml.

+++ 18.53 Uhr: Der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow hat die prorussischen Separatisten ultimativ zur Aufgabe aufgefordert und eine Straffreiheit in Aussicht gestellt. Wer bis Montagmorgen die Waffen niederlege und die besetzten Verwaltungsgebäude verlasse, werde strafrechtlich nicht belangt, sagte er am Sonntag in Kiew.

+++ 18.12 Uhr: Jetzt die Bestätigung über die Agentur Reuters: Übergangspräsident Alexander Turtschinow teilte am Sonntag mit, ein "umfassender Anti-Terror-Einsatz" unter Beteiligung der Streitkräfte sei geplant. Russland warf er vor, Krieg gegen die Ukraine zu führen, indem es weiterhin für Chaos im Osten des Landes sorge. Turtschinow bot allerdings an, Extremisten nicht zu belangen, wenn diese bis Montagmorgen ihre Waffen abgäben.

+++ 17.55 Uhr: Kiew hat offenbar auch die Armee in Gang gesetzt, um die Proteste im Osten des Landes unter Kontrolle zu bekommen. Mehrere Quellen auf Twitter verweisen auf eine Ansprache von Übergangspräsident Alexander Turtschinow. Demnach hat die Regierung die "Anti-Terror-Aktion" ausgeweitet.

+++ 17.36 Uhr: Die ukrainischen Behörden melden 50 Verletzte in Charkow. Rund 1000 prorussische Demonstranten seien unter anderem mit Sowjet-Fahnen durch das Zentrum der Stadt marschiert und mit mehreren hundert prowestlichen Aktivisten aneinandergeraten. Kiew warf Moskau erneut vor, die Unruhen in der russisch geprägten Ostukraine mit eingeschleusten Provokateuren zu schüren. "Alle notwendigen konkreten Beweise der Mitwirkung der russischen Geheimdienste zum Aufruhr von Separatisten" würden bei einem internationalen Treffen am Donnerstag in Genf vorgelegt, sagte ein Behördensprecher.

+++ 17.31 Uhr: Der deutsche Außenminister bezeichnet die Lage als hochgefährlich. Frank-Walter Steinmeier (SPD) appellierte an Russland, das für Donnerstag geplante Vierer-Treffen zur Ukraine nicht platzen zu lassen. Die Lage sei "so zugespitzt, dass diejenigen, die Verantwortung tragen in Ost und West, jetzt zusammenkommen müssen um Schlimmeres zu verhindern", sagte Steinmeier am Sonntag im "Bericht aus Berlin" .

+++ 17.22 Uhr: Die USA sehen bei den Unruhen im Osten der Ukraine deutliche Anzeichen dafür, dass Russland darin verwickelt ist. "Das hat alle Zeichen von dem, was wir auf der Krim gesehen haben", sagte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, dem US-Fernsehsender ABC. "Es ist professionell, es ist koordiniert", fügte sie hinzu. "Von Basisbewegung keine Rede."

+++ 17.10 Uhr: Fotografen haben eine bedrohliche Szene in Lugansk dokumentiert. Auf ihren Fotos ist zu sehen, wie prorussische Kämpfer einen Mann im Pullover durch eine dichte Menschenmenge ziehen. Sie werfen ihm vor, provoziert zu haben. Die Szene spielte sich vor dem Gebäude des Geheimdienstes ab. Hier die Bilder.

+++ 16.44 Uhr: Beunruhigende Bilder aus Charkow. Hunderte Menschen stürmen offenbar das Rathaus.

Separatists are storming Kharkiv City Hall with mayor Kernes reportedly inside it pic via slava.mavrichev FB pic.twitter.com/akNndAHQQO

  • Kommentar zur Entwicklung in der Ukraine : Die Handschrift des Kremls

+++ 16.31 Uhr: Auch in der ostukrainischen Stadt Saporischschja (ca. 700.000 Einwohner) kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen prorussischen und ukrainischen Gruppen.

"@MaximEristavi: pro-Russia vs pro-Ukraine clashes have started in Zaporizhia too. Watch live http://t.co/BMdrtjRCO2 pic.twitter.com/FXOcH3Q22O

+++ 16.05 Uhr: Vor dem Treffen der EU-Außenminister warnt die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton vor der Lage in der Ostukraine. Die Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) müsse über diese Vorfälle berichten, erklärte die Britin am Sonntag. Moskau müsse seine Truppen von der ukrainischen Grenze zurückziehen, aber auch die Regierung in Kiew müsse ihren Teil leisten.

+++ 15.59 Uhr: Der Journalist Christopher Miller, zeitweise für das Wall Street Journal im Einsatz, berichtet auf Twitter von bewaffneten Wachen an jeder Straßensperre.

Entrances to #Slavyansk blocked by filled trees, some being burned along w/ tires, our @KyivPost teams report. Armed men on guard all around

+++ 15.51 Uhr: Ein Video zeigt auf Youtube angteblich ein brutal von prorussischen Kämpfern zusammengeschlagenes Opfer in Charkow. Allerdings stammt es von keiner unabhängigen Quelle, sondern dem PR-Kanal der ukrainischen Maidan-Aktivisten.

+++ 15.31 Uhr: Ein Tweet auf dem pro-ukrainischen Euromaidan-Kanal zeigt einen angeblich blutbeschmierten Baseballschläger. Die Aufnahme soll aus Charkow stammen, einer Millionenstadt im Nordosten der Ukraine. Auch dort gibt es Unruhen.

BREAKING #Kharkiv right now. Look at this weapon of #russian terrorist and #ukrainian blood on it -@itsector |PR News pic.twitter.com/MYjf2GknTU

+++ 15.27 Uhr: Die Lage ist unübersichtlich. In Agenturmeldungen heißt es, die prorussischen Kämpfer hätten Verwaltungsgebäude besetzt. Ein Reporter der ARD sprach davon, die Stadt im Osten der Ukraine, etwa 30 Kilometer westlich von der russischen Grenze, sei von Regierungstruppen umzingelt. Dafür spricht auch, dass auf zahlreichen Bildern Straßenblockaden zu sehen sind.

+++ 15.20 Uhr: Ein Reporter des britischen Daily Telegraph ist in die Gefahrenzone rund um Slawjansk vorgedrungen. Er twittert ein Foto, das einen gefällten Baum auf einem der Hautptzugangswege in die Stadt zeigt. Im Netz kursiert ein Bild, das einen in sich zusammengesunkenen Mann zeigt, der bei Straßenkämpfen in Slawjansk ums Leben gekommen sein soll.

Trees felled to block Slavyansk turnoff. Kharkiv highway north of the town. pic.twitter.com/CzU45ARUlP

+++ 14.46 Uhr: Laut dpa setzen Regierungskräfte in der KLeinstadt Slawjansk ihren massiven "Anti-Terror-Einsatz" gegen prorussische Separatisten fort. Gegen die Aktivisten, die sich in besetzten Verwaltungsgebäuden verschanzt halten, seien auch Kampfhubschrauber und Blendgranaten eingesetzt worden, berichteten Augenzeugen in örtlichen Medien. Slo

In der Stadt Mariupol brachten Separatisten ein weiteres Verwaltungsgebäude kampflos in ihre Gewalt. In Donezk, Charkow, Lugansk und anderen Städten der russisch geprägten Region demonstrierten Tausende für eine Föderalisierung der Ukraine. Gegner sehen dies aber als Schritt zu einem möglichen Anschluss an Russland.

+++ 14.22 Uhr: Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnt eindringlich vor einer Gewaltanwendung gegen die russischsprachigen Bevölkerung. Ein solcher Schritt würde auch das für Donnerstag geplante Krisentreffen von Vertretern Russlands, der Ukraine, der EU und der USA in Genf gefährden.

+++ 13.22 Uhr Augenzeugen zufolge steht Rauch über der Stadt. Demonstranten hätten Barrikaden aus Autoreifen angezündet, hieß es. Schützenpanzer der Regierungseinheiten versperrten Zufahrten. Ein Sprecher der Separatisten sagte dem russischen Staatsfernsehen, die Aktivisten würden nicht aufgeben.

+++ 12.44 Uhr: UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich zutiefst besorgt über die zugespitzte Lage in der Ostukraine gezeigt. "Weitere Ausschreitungen werden keiner Seite dienen", sagte Ban laut Mitteilung der Vereinten Nationen in der Nacht zum Sonntag.

+++ 11.50 Uhr: Bei einer Schießerei mit prorussischen Bewaffneten ist ukrainischen Angaben zufolge in der Kleinstadt Slawjansk ein Geheimdienstbeamter ums Leben gekommen. Fünf weitere seien verletzt worden, teilte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow auf Facebook am Sonntag mit.

+++ 10.33 Uhr: Der ukrainische Innenminister ruft Zivilisten auf, "sich aus dem Stadtkern zurückzuziehen, ihre Wohnungen nicht zu verlassen und den Fenstern fern zu bleiben".

+++ 9.21 Uhr: Ukrainische Spezialeinsatzkräfte sollen die von pro-russischen Bewaffneten besetzten Einrichtungen in der im Osten des Landes gelegenen Kleinstadt Slawjansk zurückerobern. Das teilte Innenminister Arsen Awakow über Facebook mit. Die Besetzer hätten am Sonntagmorgen das Feuer auf die ankommenden Truppen eröffnet."Es wurden Kräfte aus allen Landesteilen herangezogen. Möge Gott mit uns sein", sagte Innenminister Arsen Awakow am Sonntag.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ukraine: Prorussische Kämpfer schleifen Mann im Pullover weg

(AFP dpa REU AP)
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