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IWF: Wolfgang Schäuble warnt vor Selbstzufriedenheit

Frühjahrstagung des IWF : Wolfgang Schäuble warnt vor Selbstzufriedenheit

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine internationalen Kollegen haben bei der IWF-Frühjahrestagung in Washington ein positives Bild von der aktuellen Entwicklung der Weltwirtschaft gezeichnet. Doch der Finanzminister findet auch mahnende Worte.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat vor zu viel Selbstzufriedenheit und einem Erlahmen der Reformbemühungen in Europa gewarnt. "Es ist gut, dass die Märkte wieder Vertrauen in Europa gefasst haben. Aber zum Teil übertreiben sie auch schon wieder."

Das sagte Schäuble zum Abschluss der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington. "Wir dürfen uns durch die Erfolge nicht vom richtigen Weg abbringen lassen. Die größte Gefahr ist, dass man sich auf seinen Erfolgen ausruht", mahnte Schäuble.

Kehrtwende in der Schuldenkrise?

Griechenland hatte vergangene Woche erstmals seit 2010 wieder eine Staatsanleihe erfolgreich am Markt platziert. Für viele Finanzexperten markierte dies endgültig die Kehrtwende in der europäischen Schuldenkrise zum Positiven. Auch Schäuble sagte: "Wir Europäer sind aus der Krise heraus."

Dies bedeute jedoch nicht, dass schon alle Aufgaben, etwa Strukturreformen und die Verbesserung der Verwaltungen in den südeuropäischen Krisenländern, schon erledigt seien. Zudem könnte sich an die Euro-Krise eine neue Krise anschließen: die Ukraine-Krise, die Rückwirkungen auf de Euro-Konjunktur haben könnte.

Derzeit überwogen in Washington dennoch die positiven Einschätzungen, was Europa anging. In einem Bericht der Industrieländerorganisation OECD hieß es, die fünf europäischen Krisenländer Spanien, Portugal, Irland, Griechenland und Zypern seien die Länder in Europa, deren Wettbewerbsfähigkeit derzeit am schnellsten zunehme.

Wirtschaftliche Unterschiede nehmen ab

Erfreulich sei auch, dass die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Euro-Ländern abnähmen, sagte Schäuble. Die jüngste Euro-Aufwertung habe damit zu tun, dass mehr internationales Kapital nach Südeuropa fließe, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. "Das ist die Rückkehr des Vertrauens in die Euro-Zone", so Weidmann.

Auch Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), betonte, Europa sei weiter auf einem Kurs moderaten Wachstums. Im ersten Quartal des Jahres sei die Euro-Zone erneut gewachsen. "Das Wachstum wird jetzt mehr gestützt von der Inlandsnachfrage", sagte der EZB-Chef. Für ein Deflationsrisiko im Euro-Raum gebe es "keine statistische Evidenz". Bis Ende 2016 würden die Inflationsraten wieder nahe zwei Prozent steigen und damit wieder den EZB-Zielwert erreichen.

Aber auch Draghi warnte: "Wir dürfen jetzt nicht selbstzufrieden sein." Der Auslastungsgrad der Industrie sei vielerorts zu gering, die Arbeitslosigkeit deutlich zu hoch. Zudem tauchten mit der Ukraine nun "geopolitische Risiken" auf, die auch Westeuropa betreffen könnten. Mit Russland sei Westeuropa wirtschaftlich eng verbunden. Bundesbankpräsident Weidmann sieht Risiken vor allem in steigenden Energiepreisen, die der Konflikt um die Ukraine auslösen könnte.

(mar)