Interview mit Dressurreiterin Isabell Werth : „In Tokio kann einiges passieren“

Vor der Weltklasse-Dressureiterin aus Rheinberg liegen bis zu den Olympischen Spielen stressige Monate.

Isabell Werth aus Rheinberg ist längst noch nicht müde, der Hunger nach Erfolg weiterhin da. Die 50-jährige Weltklasse-Dressurreiterin steht mit ihren drei Top-Pferden vor einer Saison mit einigen Highlights wie zeitlichen Herausforderungen.

Frau Werth, wie sehr beschäftigt Sie schon der Saison-Höhepunkt, die Olympischen Spiele in Tokio?

Isabell Werth Die formelle Planung hat schon begonnen. Es sind viele Formulare auszufüllen. Und natürlich gilt es schon, die Pferde optimal auf die Grüne Saison vorzubereiten, Emilio ganz allgemein in Schwung zu bringen, Weihegold fürs Weltcup-Finale fitzumachen. Die wichtigen Turniere in diesem Jahr sind unheimlich komprimiert. Es ist eine extrem kurze Zeit. Das habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt. Anfang Mai ist in Balve bei der Deutschen Meisterschaft schon die erste Sichtung für die Olympischen Spiele.

Sehen Sie die deutsche Equipe wie viele Fachleute als großen Favoriten auf Mannschaftsgold?

Werth Auf dem Papier schon. Aber es ist schon dünnes Eis, auf dem wir uns da bewegen. Es könnte einiges passieren, größere Leistungsverschiebungen geben. Man muss beispielsweise abwarten, wie die Pferde mit der extremen Luftfeuchtigkeit in Tokio klarkommen. Und es gehen nur noch drei Reiter pro Team an den Start, es entfällt also das Streichergebnis. Das macht die Sache nicht einfacher.

Sie sind in der Weltrangliste mit drei Pferden in den Top 10 vertreten. Wie sieht Ihre ganz persönliche Rangliste derzeit aus?

Werth Bella Rose ist meine Eins a, Weihe und Emilio beide die Eins b. Es ist schon sehr kräfteraubend, die Pferde in der relativ kurzen Zeit früh in eine gute Verfassung zu bringen. Da sollte es nicht viele Nebengeräusche geben. Im Mai geht’s so richtig los, schon Ende Juli ist alles vorbei. Anfang Juli beginnt bereits die Quarantäne-Zeit.

Beim Weltcup in Neumünster wurden Sie Kür-Zweite mit Emilio. Wie bewerten Sie die Leistung?

Werth Nach kleinen Unstimmigkeiten im Grand Prix hat die Kür Spaß gemacht. Die Konzentrationsstörung bei den Einerwechseln geht auf meine Kappe. Ansonsten war Emilio ganz bei mir und glänzte mit herrlichen Piaffen, Passagen und Übergängen. Mit den Top-Fußnoten brachte es uns das persönliche Bestergebnis von 88,45 Prozent.

Bleibt bei dem vollen Terminkalender Zeit, beim Sommerturnier Ihres Heimatvereins in Eversael vorbeizuschauen? Es ist ja das Jubiläumsjahr angebrochen.

Werth Klar würde ich gerne persönlich Anfang Juli zum hundertjährigen Geburtstag gratulieren. Ich kann es jetzt noch nicht einschätzen. Das habe ich den Verantwortlichen um Christoph Klötter aber auch schon mitgeteilt. Es ist halt auch Quarantäne-Zeit für die Pferde. Wenn es in meinen Terminkalender reinpasst, komme ich gerne vorbei.

Sie hatten sich früh für die Olympischen Spiele 2032 an Rhein und Ruhr ausgesprochen. Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung bei dem Thema?

Werth Ich unterstütze die Initiative um Sport- und Eventmanager Michael Mronz und fand es sehr erfreulich, dass sich jetzt auch der Deutsche Olympische Sportbund ganz offiziell positiv zu einer möglichen Bewerbung geäußert hat. Für mich ist ein entscheidender Vorteil, dass schon vieles da ist, also rund 80 Prozent der Sportstätten vorhanden sind. In Sachen Infrastruktur ist das Konzept sehr stimmig. Ein zweites Sommermärchen wie 2006 bei der Fußball-WM ist möglich. Dieses Land ist sehr begeisterungsfähig und punktet mit einer großen Gastfreundlichkeit. Dieses spannende Projekt kann sich auch positiv auf die Politikverdrossenheit auswirken.

Olympische Spiele 2032 um die Ecke wären doch optimal für das letztes große Turnier mit Isabell Werth vor dem Ende der aktiven Karriere...

Werth (lacht) Ich bin mir ganz sicher, dass ich dann nicht mehr mittendrin dabei bin. In einer anderen Funktion aber gerne.