Wesel: Niederrheinische Sparkasse Rhein-Lippe dünnt Filialnetz aus

Selbstbedienung statt Kundenbetreuung : Sparkasse dünnt ihr Filial-Netz aus

Die Niederrheinische Sparkasse Rhein-Lippe wandelt zum 1. April 2019 in Wesel, Dinslaken und Hünxe sieben vergleichsweise wenig frequentierte Kunden-Center in Selbstbedienungsstellen. Entlassungen soll es nicht geben.

Die Niederrheinische Sparkasse Rhein-Lippe wird zum 1. April 2019 sieben kleinere und vergleichsweise wenig frequentierte Kunden-Center  schließen. Allerdings sollen die Filialen nicht komplett aufgegeben werden. Aus den Kunden-Centern Großer Markt, Bislich, Wittenberg (alle Wesel), Hagenbezirk, Freibad, Lohberg (alle Dinslaken) und Drevenack (Hünxe) werden Selbstbedienungsstellen (unter anderem mit Geldautomaten, Kontoauszugsdruckern und SB-Terminals). Auf diese Neuerungen hat sich der 33-köpfige Verwaltungsrat am Dienstag mit dem Vorstand der Niederrheinischen Sparkasse Rhein-Lippe geeinigt.

„Diese Entscheidung macht uns auch keinen Spaß“, warb Sparkassen-Vorstand Friedrich-Wilhelm Häfemeier vor Journalisten um Verständnis. Wichtig sei, dass man den vor einigen Jahren in Blumenkamp und Schepersfeld begangenen Fehler, nach einer Kunden-Center-Schließung auch die SB-Geräte abzubauen, nicht noch einmal begehen werde. Aktuell gibt es in Wesel, Hamminkeln, Schermbeck, Hünxe, Voerde und Dinslaken 28 Kunden-Center und 17 SB-Stellen.

Vor allem ältere Kunden dürften diese Entscheidung bedauern. Müssen doch einige künftig weitere Wege zu einer Sparkassenfiliale mit Ansprechpartnern in Kauf nehmen.  „Aus diesem Grund bringen wir in Einzelfällen auch Bargeld zu den Kunden nach Hause oder führen auch dort Beratungsgespräche durch, falls das gewünscht ist“, sagt Häfemeier. So wolle man in Einzelfällen helfen, Probleme zu lösen.

Auf die Zahl der Mitarbeiter – aktuell 480 – soll die Schließung keinen direkten Einfluss haben. Denn: „Wir werden sie an anderen Stellen im Unternehmen einsetzen“, so Häfemeier. Unter anderem, um mit neuen Produkten Jugendliche und junge Erwachsene anzusprechen, die ihre Bankgeschäfte über Handy, Tablett oder Laptop erledigen wollen. „Heute ist es die smarte Technik, die für diese Zielgruppe wichtig ist“, ist Häfemeier überzeugt. Schon jetzt würden 30.000 der rund 100.000 Kunden die Banking-App der Sparkasse nutzen. Gleichwohl machte er deutlich, dass man Veränderungen mit Augenmaß betreibe und die Sparkasse „keine Direktbank wird“.

Die Bedeutung der Filialen, deren Aufbau in den 1960er Jahren begann, ist im Laufe der Jahrzehnte immer weiter zurückgegangen. Vor allem, seit es so gut wie keine Zinsen mehr auf Guthaben gibt und die Zahl der Beratungen zurückgegangen ist. Und groß ins Aktiengeschäft einzusteigen, lohnt sich für Menschen mit normalen Gehältern kaum. „Die Schere klafft halt immer weiter auseinander“, bestätigt Häfemeier, was ohnehin jeder weiß.

Die Sparkasse schließt nicht nur Kunden-Center, sondern investiert auch. Im Dezember wird das neue Kunden-Center in Dingden eröffnet. In die die aktuelle Filiale wird das Architekturbüro Bielefeld einziehen.

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