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SChermbeck: Künstlergruppe Nebelhorn hat in Berlin an einem Wettbewerb teilgenommen

Schermbeck : Inklusive Kunstgruppe mit neuem Projekt

Die Schermbecker Künstlergruppe Nebelhorn beteiligte sich an einem Wettbewerb der Berliner Lebenshilfe. Kontakte in die Hauptstadt könnten bald zu Ausstellungen führen, hofft Leiter Raúl Avellaneda.

Seit den ersten Zusammentreffen 1995 hat die Gruppe Nebelhorn Menschen mit und ohne Behinderung zusammengeführt. Unter Leitung von Raúl Avellaneda, der die Gruppe seit 23 Jahren betreut, ist Nebelhorn inzwischen weit über die Grenzen Schermbecks hinaus bekannt geworden. Kürzlich war Avellaneda von der Aktion Mensch nach Berlin eingeladen worden. Zwar nicht prämiert, aber, so Avellaneda, „es gab gute Kontakte zur Bundesvereinigung Lebenshilfe“. Ein Projekt wurde verabredet, das die Lebenshilfe als Selbsthilfeverband für Menschen mit geistiger Behinderung, Gleichberechtigung und Barrierefreiheit mit 5000 Euro bezuschusst. Die Schermbecker sind derzeit dabei, ein Thema zu finden, das Berlin mit der niederrheinischen Gruppe Nebelhorn verbindet. Auf dem Merkzettel steht schon „Mauern“.

Die Ausstellung „Macht-Missbrauch“, die Nebelhorn im Herbst 2015 in der Duisburger Cubus-Kunsthalle gestaltet hatte, fand eine solch große Resonanz, dass die Gruppe in diesem Jahr eingeladen wurde, am weltweit größten Kongress „MitSprache“ in Berlin teilzunehmen. Raúl Avellaneda fuhr mit den Nebelhorn-Mitgliedern Maria Bojert, Florian Rottheuler und Frank Kuckuck Mitte September zu dem zweitägigen Kongress, der sich mit Fragen des sexuellen Kindermissbrauchs befasste und dazu Betroffene sexualisierter Gewalt in der Kindheit eingeladen hatte. In Workshops und Panels wurden politische Entscheidungen und Prozesse kritisch beleuchtet und dabei eine Vielfalt von Themen aus der Sicht von Betroffenen diskutiert. Die Gruppe Nebelhorn nahm alle Bilder ihrer eigenen Ausstellung im Jahre 2015 mit nach Berlin. Dort standen sie direkt vor der Bühne und fanden ein lebhaftes Interesse. Von den Bildern der Gruppe, von ihrem Workshop und von Avellanedas Rede zeigten sich die Veranstalter so beeindruckt, dass sie Avellaneda eingeladen haben, im November in Berlin an einer Netzwerk-Konferenz und Fachtagung zum Thema „Forschungen zur sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ teilzunehmen.

Gegenwärtig ist Nebelhorn damit beschäftigt, ihre Teilnahme am Projekt „Art Shop 2018“ vorzubereiten, das von der Gruppe Art Obscura unter dem Thema „Was ist ein gutes Leben?“durchgeführt wird. In der Zeit bis zum 27. Oktober beschäftigt sich das Projekt in einem Ladenlokal in der Schlossstraße 17 (Ecke Löhberg) auf künstlerischem und kreativem Weg mit der Frage, wie wir leben wollen und wie wir uns Bedingungen für ein gutes Leben schaffen können. Das Ladenlokal wird dazu wie eine große Wohnung eingerichtet. Unter anderem mit Küche, Schlafzimmer, Essecke, Sofa, Garderobe, Schrankwand, Vasen, Schuhregal… also mit all den ganz normalen Gegenständen, die das Alltagsleben ausmachen.

In einer zweiwöchigen Workshop-Phase sollen diese „Zimmer“ neu gestaltet werden. Die Möbel werden zu Leinwänden, die mit Farbe und Pinsel ein komplett neues Erscheinungsbild erhalten. „Gegenstände und Objekte aus dem Alltag werden so verändert und gestaltet, dass ganz neue Formen und Skulpturen entstehen“, berichtet Avellaneda. In offenen Workshops seien alle Bürger eingeladen, sich zu beteiligen. Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten mit etablierten Künstlern oder ambitionierten Freizeit-Kunstschaffenden zusammen. Moderiert werden die Workshops von unterschiedlichen Kreativen aus Mülheim.

Nebelhorn gestaltet am 6. und 7. Oktober jeweils zwischen 12 und 20 Uhr das etwa 30 Quadratmeter große Schlafzimmer. Schränke und ein Doppelbett wurden bereits aufgestellt. Das Holz wird weiß bemalt und soll den Besuchern die Möglichkeit bieten, mit Hilfe von Lichtstrahlern die Möbel mit unterschiedlichen Farben zu versehen. Der Prozess wird gefilmt, das fertig gestaltete Schlafzimmer fotografiert, bevor die nächste Gruppe mit der Gestaltung des Schlafzimmers beginnen darf.

Ab Samstag, 13. Oktober, wird das Ladenlokal geöffnet. Es wird ein Bühne geben, auf der abends Lesungen oder Konzerte stattfinden. Weitere Informationen zu allen Veranstaltungen gibt es im Internet unter www.art-obscura.de