Wesel: Anbindung des Altrheins an Rheinstrom kann 2019 starten

Wesel : Wirbel um Altrhein-Anbindung

Ein bei Ginderich geplantes Naturschutz-Projekt sorgt in Wesel für Ärger. Die Auenlandschaft auf der Bislicher Insel soll ökologisch aufgewertet werden. Die SPD Wesel fürchtet, dass bei Hochwasser der Eyländer Weg geflutet wird.

Ein Ortstermin mit besonderem Informationsgehalt stand für die Naturschutzbeauftragten des Kreises Wesel beim Naturforum auf der Bislicher Insel, das vom Regionalverband Ruhr seit 2008 betrieben wird, auf dem Programm. Denn neben den Erläuterungen zur eigentlichen Arbeit des Naturforum-Teams, informierten Dirk Janzen, RVR-Teamleiter Ökosystemmanagement/Ökostationen, und Ilka Weidig, Leiterin des Naturforums, auch über die geplante Anbindung des Xantener Altrheins an den Rheinstrom. Durch den Bau einer unter- sowie oberstromigen Anbindung des Altrheins soll erreicht werden, dass das Gebiet an durchschnittlich 92 Tagen im Jahr von Wasser durchströmt wird. Dies soll zu einer Aufwertung der Auenlandschaft und einer Verbesserung der Lebensbedingungen der dort ansässigen schützenswerten Tier- und Pflanzenarten führen, erklärte der RVR vor Ort. Aber: Die Pläne stoßen in Wesel nicht auf restlose Begeisterung. Die SPD befürchtet nun, dass damit der Eyländer Weg für ein Viertel des Jahres gesperrt bleibt.

Die Rundtour über die Straße ist bei vielen Weseler Radfahrern beliebt: Auf dem Deich bis Bislich, dort übersetzen, zurück vorbei am Naturforum Bislicher Insel des RVR, vorbei an Ginderich bis zur Rheinbrücke. Der Eyländer Weg muss dabei genutzt werden. Norbert Meesters, Weseler Ratsherr, hat schon in seiner Zeit als Landtagspolitiker dafür gekämpft, dass die Straße genutzt werden kann – mit Verweis auch auf die beliebte Radroute und die Belange der Landwirte. Angesichts der nun konkreter werdenden Pläne warnt Meesters: „Diese Straße wird lange Zeit nicht nutzbar sein, wenn man nicht für eine Lösung sorgt.“ Er kann sich etwa vorstellen, den Weg von Ginderich nach Xanten höher zu legen. Entsprechende Pläne habe es beim RVR schon einmal gegeben. Offenbar seien diese Pläne verworfen worden – zu teuer? „Technisch gibt es Möglichkeiten, den Weg höher zu legen und mit Rohren für eine Durchlässigkeit für das Wasser zu sorgen“, sagt Ludger Hovest, SPD-Fraktionschef in Wesel. Aus Naturschutzsicht begrüßt Norbert Meesters, früherer umweltpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, die Ziele, aber er sagt auch: „Es muss dafür gesorgt sein, dass eine Wegeverbindung hochwasserfrei bleibt.“ Die einzige Alternativstrecke führt über Birten und sorgt bei Radlern für lange Umwege. Absurd findet Hovest die Planung auch, weil sich der RVR den Zugang zur eigenen Naturschutzstation versperren würde.

Der RVR hat die Naturschutzbelange im Blick: Eine Durchströmung der Bislicher Insel fördere die auendynamischen Prozesse und verbessere die Wasserqualität des Altrheins. Nachdem die Bundesanstalt für Wasserbau nun die Höhe für die erforderliche Einlaufschwelle festgelegt hat, kann voraussichtlich 2019 das Planfeststellungsverfahren aufgenommen werden. Hier gelte es, die Vorgaben der zuständigen Behörden wie Bundesumweltministerium, Landesumweltministerium und Bezirksregierung Düsseldorf zu bündeln und das erforderliche Beteiligungsverfahren aller Betroffenen durchzuführen. Janzen machte deutlich, dass es einen Konsens gebe, dieses seit langem angedachte Projekt nun umzusetzen.