Wermelskirchen Schüler demonstrieren weiter fürs Klima

Fridays for future in Wermelskirchen : Schüler demonstrieren weiter fürs Klima

Genau einen Monat nach den Europawahlen gehen die Schüler in Wermelskirchen immer noch auf die Straße. Nichts habe sich geändert, sagen Jessica, Leona und Ira – und protestieren weiter.

Es ist eine kleine Gruppe, die sich am Freitag nach Fronleichnam vom Rathaus in Bewegung setzt. Am Brückentag sind einige ihrer Mitschüler im Urlaub, andere sind nach Aachen zur großen internationalen Demo für das Klima gefahren. Aber Jessica, Leona und Ira sind trotzdem gekommen. Sie haben ihre Plakate mitgebracht, tragen einen ernsten Gesichtsausdruck und freuen sich,. als ihre Mitstreiter von den Wermelskirchener Grünen mit ihren Plakaten dazu stoßen. Einen Monat nach der Europawahl gehen die Fünftklässler immer noch auf die Straße – alle zwei Wochen. „Es hat sich doch noch nichts verbessert“, sagt Jessica (11), „warum sollten wir aufhören? Nur wegen dieser Wahl?“

Und dann beginnt die Gymnasiastin die Besucher im Eiscafé anzusprechen. Sie demonstriere dagegen, dass die Politik nichts gegen die Umweltverschmutzung unternehme, erklärt sie. Und fordert die Erwachsenen auf, mitzugehen. Die sind zögerlich an diesem Freitagmorgen. Auch als die drei Mädchen Passanten vor den Geschäften ansprechen, bekommen sie zwar immer mal wieder lobende Worte der Unterstützung, ihren Weg durch die Stadt müssen sie am Ende aber alleine antreten – bis auf die Mitglieder der Grünen, die mitspazieren.

„Fridays for future“, rufen Jessica, Leona und Ira in einem gemeinsamen Rhythmus. Dann: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsre Zukunft klaut.“ Es scheint die Drei kaum Überwindung zu kosten, in der kleinen Gruppe für ihre Interessen einzustehen.„Wir lassen uns doch nicht unterkriegen, nur weil wir mal weniger sind“, sagt Ira, „Greta Thunberg hat ganz alleine angefangen und eine riesige Bewegung in Ganz gesetzt.“ Das wünschen sich die Schülerinnen auch. Und deswegen haben sie Pläne geschmiedet – Wahl hin oder her. Sie wollen dran bleiben. „Wir wollen die Kinder in den Kindergärten besuchen und ihnen vom Klima und der Umwelt erzählen“, sagt Leona, „damit sie früh Bescheid wissen.“ Und sie wollen Müllaktionen mit ihrer Klasse initiieren. Ohnehin wollen sie sich den Vorwurf nicht gefallen lassen, freitags nach der Schule auf die Straße zu gehen, den Gedanken aber im Alltag nicht zu leben.

„Die ersten Dinge haben sich verändert“, sagt Jessica, „Strecken, die man gut zu Fuß gehen kann, gehe ich zu Fuß.“ Im Supermarkt landen Gemüse und Obst nicht mehr in kleinen Plastiktüten, der Einkauf wird in Stoffbeuteln verpackt. „Und wenn mein Papa doch zur Plastiktasche greift, dann gebe ich ihm meinen Stoffbeutel“, sagt Jessica. Ihre Oma gehe inzwischen mit der Tupperdose an die Käsetheke.

Dann erzählt die Elfjährige von einer App, die sie und ihre Mitschüler entdeckt haben: Lebensmittel, die unnötigerweise in Plastik eingepackt werden, können mit der App gescannt werden. „Und dann schickt man eine Nachricht an den Hersteller, dass man mit der Verpackung nicht einverstanden ist“, erklärt Leona, „wenn das viele machen, dann ändert sich was.“ Ohnehin ist das ihre feste Überzeugung: Wenn nur viele mit anpacken, dann lässt sich das Ruder noch rumreißen.

Leona deutet auf ihr Plakat: „Opa, was ist ein Eisbär?“ Das sei die Frage der nächsten Generationen, befürchtet das Mädchen. „Wenn wir einfach so weitermachen, dann sterben die Eisbären aus“, sagt die Fünftklässlerin. Die Angst umtreibt auch Jessica, die für ihr Plakat Bilder rausgesucht hat, wie Eisbären vor 50 Jahren lebten und welche Bedingungen sie heute vorfinden. Und Ira hat ein Schild gemalt, mit dem sie die Menschen auffordert, auf Plastik zu verzichten. Die Mädchen haben sich auch mit den großen Forderungen von „Fridays for future“ beschäftigt, die sich um den Kohleausstieg drehen, um alternative Energien und Steuern auf alle Treibhausgasemissionen. Nächste Woche fahren die drei Mädels gemeinsam mit ihrer Klasse nach Hambach, um dort mit Rüdiger Bornhold (WNKUWG) ins Gespräch zu kommen. „Wir wollen Zuhören, aber auch unsere eigene Meinung sagen“, erklärt Ira, „und wir werden damit nicht aufhören, bis sich etwas ändert.“

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