Wermelskirchen: Feuerwehr findet vermissten Senior

Suchaktion mit Hubschrauber : Feuerwehr findet vermissten Senior

Am Donnerstagmorgen herrschen Minusgrade, als der an Demenz Erkrankte den Seniorenpark unbemerkt verlässt. Mit Hubschrauber und Spürhund suchen Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr den Bereich ab. Mit Erfolg.

Passanten und Anwohner blickten am Donnerstagvormittag verwundert zum Himmel. Ein Hubschrauber kreiste über dem Ostviertel und flog dann Richtung Innenstadt. Die Polizei hatte eine große Suchaktion gestartet, um einen 76-jährigen, an Demenz erkrankten Mann zu finden. Er hatte am frühen Morgen, wahrscheinlich zwischen 5 und 7 Uhr, das Seniorenheim Carpe Diem an der Adolf-Flöring-Straße 24 unbemerkt verlassen. Der Vermisste, Hans K., war nach Angaben der Polizei nicht der kalten Witterung entsprechend bekleidet. In der Frühe herrschten Frosttemperaturen, am Vormittag waren es um die zwei bis drei Grad. Gegen Mittag fand die Suche ein glückliches Ende: Die Feuerwehr Wermelskirchen, die an der Suchaktion beteiligt war, fand den Mann gegen 12 Uhr an der Wirtsmühler Straße.

Hans K., der mindestens fünf Stunden außerhalb der Einrichtung verbracht hatte, war laut Polizeiangaben nur leicht unterkühlt. Er wurde für eine Kontrolluntersuchung ins Krankenhaus gebracht. Feuerwehr-Männer hatten ihn über die Straße laufen sehen, bis in den beheizten Rettungswagen ging der Senior zu Fuß. „Der Mann hat wirklich Glück gehabt“, sagte Einsatzleiter Holger Stubenrauch. „Das war auch für die Kameraden ein schönes Erlebnis, dass die Suche ein gutes Ende nahm.“ Ungefähr zwei bis drei Mal im Jahr wird die Feuerwehr als Unterstützung für eine Personenfahndung der Polizei gerufen. Nicht immer endet ein solcher Einsatz glücklich. „Es gab auch schon Fälle, bei denen Vermisste nicht mehr lebend geborgen werden konnten“, sagte Stubenrauch.

Das Aufgebot an Einsatzkräften, die am Vormittag an der Adolf-Flöring-Straße anrückten, zeigte, dass bei der Suchaktion Eile geboten war. Kriminalpolizisten, Streifenwagenbesatzungen aus Burscheid und Wermelskirchener Bezirksdienstbeamte kamen zur Lagebesprechung in den Räumen des Seniorenheims zusammen. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr unterstützten die Polizisten und teilten den Suchradius untereinander auf.

Polizeiangaben zufolge ist der Senior auf Medikamente angewiesen. Auch deshalb wurde die Suche mit dem Hubschrauber am Boden durch einen Suchhund, einen sogenannten Mantrailer, unterstützt. Ein Polizeibeamter ließ den Hund an einem Kamm des Vermissten schnuppern, damit der Hund die Geruchsmerkmale aufnehmen konnte. Anschließend durchkreuzte der Spürhund den Vorgarten des Seniorenheims und führte die Beamten bis auf die Straße.

Es war nicht das erste Mal, dass Hans K. das Seniorenheim unbemerkt verlassen hat. Er sei gut zu Fuß, hieß es, und gilt als orientierungslos. Pflegekräfte hatten während der Morgenkontrolle gegen 6.30 Uhr festgestellt, dass der Senior nicht in seinem Zimmer war, berichtete die Heimleitung. Zunächst vermuteten die Pflegekräfte den Mann im Gebäude – vergeblich wurde dort nach ihm gesucht. Dann informierten sie umgehend Polizei, Feuerwehr, Angehörige und Betreuer. Die Einsatzkräfte durchsuchten die Einrichtung und setzten ihre Suche im Außengelände fort. „Wir sind eine offene Einrichtung, dass jemand hinausläuft, kann immer passieren“, so die Heimleitung.  Nach bangen Stunden war die Erleichterung groß, als der Vermisste aufgefunden wurde. „Das war eine Ausnahmesituation, die wir in Gesprächen mit den Beteiligten aufzuarbeiten haben.“

Am Morgen hatte die Polizei die Personenbeschreibung bekannt gegeben. Nur mit einem grauen Pullover, einer graue Hose und schwarzen Schuhen soll der grauhaarige Mann bekleidet gewesen sein. Besonders problematisch: Seine Erkrankung merke man Hans K. nicht unbedingt an. „Menschen mit Demenz entwickeln eine Art Trieb, eine unglaubliche Energie, die sie dazu verleitet, wegzulaufen“, sagte ein Kriminalbeamter.

Der Seniorenpark Carpe Diem bietet eine breite Palette an Betreuungsformen an und verfügt über einen speziellen Wohnbereich für demenziell erkrankte Bewohner mit zwei Wohngruppen.

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