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Wermelskirchen: Seit zehn Jahren gibt es Stadtführungen

Zehn Jahre Stadtführer : Stadtführer freuen sich über Mitstreiter

Die Interessengemeinschaft blickt in diesem Jahr auf ihr zehnjähriges Bestehen zurück. Fazit: Die Saison im Jubeljahr war erfolgreich. In der Winterpause arbeiten die Aktiven an ihrem Programm für 2020.

Die Stadtführer von Wermelskirchen sind im „Winterschlaf“ – aber keinesfalls untätig: Die Vorbereitungen für die Termine in der Saison 2020 laufen, und mit ihrer Beteiligung am „Lebendigen Adventskalender“ steht am 11. Dezember noch ein Termin an, in den die Interessengemeinschaft viel Mühe steckt.

In diesem Jahr konnten die zur Zeit sieben aktiven Stadtführer auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken und feierten dieses Jubiläum unlängst im kleinen Kreis bei einem gemeinsamen Abendessen. Nachdem 2018 eher ein schwaches Jahr war, stießen die Stadtführungen in der diesjährigen Saison auf reichlich Resonanz, bilanzieren drei der aktiven Stadtführer im Gespräch mit der Redaktion. Dabei wurde deutlich: Die Stadtführer brauchen dringend weitere Mitstreiter, zumal der 75-jährige Frank Schopphoff angekündigt hat, ab dem kommenden Jahr aus Altersgründen und wegen zahlreicher anderer ehrenamtlicher Aktivitäten nicht mehr als Stadtführer zur Verfügung zu stehen. „Wir sind eigentlich zu wenig“, konstatiert Axel Heumann. Das Programm und die zusätzlichen von geschlossenen Gruppen gebuchten Termine hätten die Stadtführer, die sich als Interessengemeinschaft formiert haben, zwar absolvieren können, aber eine Ausweitung des Angebotes sei schwierig. Finde sich dafür ein geeigneter Stadtführer mit dem „richtigen Händchen“ können sich die Aktiven beispielsweise vorstellen, eine Stadtführung speziell für Kinder anzubieten. Allerdings würden sich Jungen und Mädchen bei den Führungen für die Erwachsenen „eigentlich nicht langweilen“. Ein neuer Stadtführer müsste sich eines Schwerpunktthemas annehmen und vor den anderen Stadtführern vortragen. „Wer Grundlagenwissen hat, hat es bei einem Einstieg bestimmt einfacher“, sagen Petra Ammon und Marianne Hürten: „Wir Stadtführer halten keinen Vortrag, sondern machen eine Führung – damit muss es stets Bezüge zu Örtlichkeiten geben.“ Allerdings: „Wir unterstützen uns gegenseitig, geben uns Tipps, tauschen Ideen aus und begleiten uns gegenseitig bei unseren Führungen.“

Petra Ammon (Mitte) führt auch Stadtführungen für Neu-Wermelskirchener durch. Foto: Jürgen Moll/Moll Jürgen

Aus den Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre haben die Stadtführer gelernt. So wissen sie, dass Termine an einem Samstagnachmittag eher ungeeignet sind, weil es dann wenig Resonanz gibt. „Anfangs haben wir unterschätzt, dass es in der Stadt doch recht laut ist“, berichtet Marianne Hürten. Wie die Stadtführer nicht gegen die Umgebungsgeräusche anbrüllen müssen und von den Teilnehmern verstanden wird, beschreibt Axel Heumann: „An bestimmten Plätzen stellen wir uns etwas abseits und versteckt – dann geht es.“ Ohnehin sei mit 20 Teilnehmern die Höchstgrenze erreicht, sagt Petra Ammon: „Danach wird es schwierig, noch von allen verstanden zu werden.“

Die Stadtführer bieten von April bis Oktober an jedem ersten Sonntag im Monat (außer in den Sommerschulferien) eine historische Tour durch die Innenstadt an, wobei es stets um 14 Uhr an der Stadtkirche am Markt los geht (Dauer: etwa eineinhalb Stunden). Dazu gesellen sich Führungen zu speziellen Themen, wie „Starke Frauen stehen ihren Mann“, „Vom Fachwerkdorf zur Stadt“, die „Nachtwächter-Führung“ von Heike Frankrone oder die „Stadtführung für Neubürger“. Diese werden in der Saison eigens terminiert. Obendrein sind Führungen für Gruppen zu verabredeten Terminen möglich. Mit „Dabringhausen – eine Dorfbegehung“ hat sich Stadtführerin Uschi Hackstein als Spezialistin für das Dawerkuser Dorf etabliert. „Für Dhünn hätten wir auch gerne jemanden in unseren Reihen“, sehen die Stadtführer eine Lücke, die sie gerne schließen würden.

„Für uns ist das Archiv der Wermelskirchener Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins der wichtigste Fundus“, blickt Axel Heumann auf die Basis der Recherche. Ideengeber für Themen zu Führungen hätten sich im vergangenen Jahrzehnt auf unterschiedlichste Weise ergeben: So habe ein Teilnehmer einer Stadtführung das Thema „Alte Geschäftsfamilien“ angestoßen und der Rheinisch-Bergische Kreis die Initialzündung für die Führung „Auf den Spuren der Schuh-Industrie“ gegeben.

Auch wenn die unterschiedlichen Themen sowie die individuelle Art und Weise der einzelnen Stadtführer jede Führung besonders machen, ist den Aktiven der Stadtführer-Interessengemeinschaft die Liebe zur Stadt und deren Geschichte gemein. „Ich gehe mit anderen Augen durch die Stadt, habe eine Beziehung zu den Häusern“, sagt Petra Ammon. Und Marianne Hürten fügt hinzu: „Da geht der Blick nach oben zum Giebel, ob da eine Jahreszahl steht.“ Die Stadtführer-Arbeit wäre schon ein bisschen wie ein Krimi: „Wir entdecken immer wieder neue Spuren, die wir dann verfolgen.“