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Rheinberg: Open-Air-Poesie mit göttlichen Referenzen

Poetry-Slam-Abend beim MAP-Festival Rheinberg : Open-air-Poesie mit göttlichen Referenzen

Sebastian 23, Quichotte und Andy Strauß traten beim MAP-Poetry-Slam-Abend in Rheinberg auf. Vor 162 begeisterten Zuschauern endete das 22. MAP-Festival im Pfarrgarten von St. Peter.

Zum zehnten Mal fand im Rahmen des MAP-Festivals der beliebte Poetry Slam statt, dieses Mal unter freiem Himmel im Pfarrgarten von St. Peter. Mit Lara Jackowiak aus Rheinberg haben die Organisatoren eine inzwischen bundesweit bekannte Poetry-Slammerin in den eigenen Reihen. Sie übernahm wieder die Moderation und erledigte den Job in bester Poetry-Manier: „Was Sie heute erwartet, nennt man eine Kreativexplosion im Zustand völliger Ekstase.“

Den Auftakt vor 162 Zuschauern, die an diesem lauschigen Spätsommerabend auf Stühlen und Picknickdecken das Geschehen verfolgten, machte Jonas Klee alias Quichotte mit einer Hymne auf die Männlichkeit. „Wenn ich früher rausging, hatte ich immer ein Shirt an, auf dem stand: Bier formte diesen schönen Körper. Aber das passt nicht mehr.“ Der Lieblingsspruch von Sebastian 23 (Sebastian Rabsahl) lautet: „Hinfallen ist wie anlehnen, nur später.“ Er hat sich im Internet umgesehen und festgestellt, dass es für alles Tutorials gibt. Zum Beispiel, wie man ohne Google nach Google googelt, ein Huhn zum Reittier ausbildet, oder: „Wie man den inneren Frieden findet und wie man den inneren Frieden wieder loswird.“

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Andy Strauß braucht weder einen Künstlernamen, noch muss er in Rheinberg großartig vorgestellt werden. Auf dem roten Sofa fühlte sich der Ostfriese, Dauergast beim MAP-Poetry-Slam, wie zu Hause, und auch das Ambiente passte dem Künstler mit der langen Mähne und dem Bart gut: „Immer wenn ich in einem Pfarrgarten auftrete, rufen die Leute: Der Erlöser ist da.“ Strauß nutzt die Assoziation nach eigenem Bekunden längst auch geschäftlich: „Bei Festivals lege ich als Techno-Jesus auf. Das kommt gut an. Aber ansonsten führe ich ein ganz bürgerliches Leben. Außer an den Wochenenden und den Tagen dazwischen.“ Der Wahl-Hamburger brachte auch einen Titel, den er für einen Wettbewerb gegen Ruhrgebiet-Poeten geschrieben hatte: „Bergmann, lass das Träumen, du bist hier nicht Zuhaus. Deine Heimat ist der Flöz, deine Kumpel sind die Stollen.“

Quichotte las aus seinem Buch über einen Kölner Bäcker, der seine Kunden veräppelt. „Kunde: Was kostet das Graubrot? Bäcker: Das ist der Leib Christi, der ist umsonst. Teilen sie ihn einfach mit ihren Jüngern. Kunde: Sie spinnen, ich habe gar keine Jünger. Bäcker: Zu dumm, dann bekomme ich 5,90 Euro.“

Sebastian 23 gab an, während der Pandemie eine Punkband gegründet zu haben, um die Midlife-Crisis zu überwinden. Prächtig aufgelegte Poeten und das herrliche Ambiente machten diesen Poetry-Slam zu einer rundum gelungenen Veranstaltung.

(erko)