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Rheinberg: 22. MAP-Festival fand am Pulverturm statt

MAP-Festival in Rheinberg : Am Pulverturm werden Träume wahr

2500 Zuschauer feierten beim MAP-Festival am Samstag in Rheinberg die Hauptband Zauberlehrling. Auch die anderen fünf Bands und Musiker legten tolle Auftritte hin. Für einen von ihnen erfüllte sich damit ein Kindheitstraum.

Endlich wieder MAP am Pulverturm – und das an einem Hochsommertag, der nicht nur den Musikern auf, sondern auch den vielen fleißigen Helfern rund um die Bühne den Schweiß auf die Stirn trieb. Den Song „Hot in the City“ hätte jede Band und jeder Musiker an diesem Abend ins Programm aufnehmen können.

Alle Befürchtungen der Organisatoren hatten sich schnell zerschlagen. Erstmals kostete das MAP-Festival Eintritt – ob das gut geht? Es ging gut, am Abend tummelten sich locker 2500 Menschen auf der Wiese zwischen Rheinbergs Wahrzeichen und der Alten Rheinstraße und hatten mächtig viel Spaß. Von zehn Euro Eintritt ließ sich offenbar niemand abhalten. Die Besucher gingen nach einem friedlichen Festivaltag mit einem guten Gefühl nach Hause, viele von ihnen mit dem aktuellen T-Shirt „MAP 22“ – diesmal in lila-blau. Wie alle seine Vorgänger seit dem Festival Nummer sieben ein beliebtes Sammelobjekt.

Die Werbung für das MAP könnte man auch wie ein Gesellschaftsspiel mit dem Hinweis „von 0 bis 99 Jahren“ versehen. Das Festival umspannt Generationen. Kinder kommen mit ihren Eltern, Jugendliche sammeln hier erste Erfahrungen mit Live-Musik, Frauen und Männer mittleren Alters treffen sich mit Freunden und Bekannten und die in den vergangenen Jahren etwas spärlicher vertretene Generation 60 Plus macht mit, weil sie eine der größte Veranstaltung in der Stadt nicht verpassen will. Das MAP ist für alle da.

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Und manchmal werden am Pulverturm Träume wahr. Zum Beispiel der von Jannick Sütthoff. Der Sänger und Gitarrist der jungen Rheinberger Band Känk konnte sein Glück kaum fassen. „Beim elften MAP war ich zum ersten Mal als Besucher hier“, rief er dem Publikum zu. „Da war ich zehn und habe gedacht: Da oben möchte ich auch mal stehen.“ Nach zwölf Jahren konnten Jannick und seine drei Kollegen das Metal-Punk-Biest von der Kette lassen, während Eltern und Geschwister in Känk-T-Shirts von unten zuschauten und applaudierten. „Wir wollen den Pulverturm zum Beben bringen“, schrie Jannick ins Mikro. Eine vielversprechende junge Band gab sich die Ehre.

Nach dem Eröffnungsauftritt der Singer-Songwriterin Stina Holmquist mit Band vor leider nur ganz wenigen Zuschauern füllte sich das Gelände allmählich, als der Rapper Sanchez Flow ganz allein die Bühne betrat. Er war für den Rheinberger Rapper Henk eingesprungen, der seinen Auftritt angesagt hatte. Renan Cengiz und Manu Bechert von der Kulturinitiative Spanischer Vallan hatten den jungen Musiker vermittelt; er hatte auch schon im Stadtpark gespielt. Mit sehr engagierten deutschen Texten zu eher ruhigen Beats, unter anderem von seinem neuen Album „Staub“, brachte Sanchez Flow die MAP-Meute langsam in Stimmung.

Später am Abend räumte dann „Der Butterwege“ ab. Sänger Carsten Butterwegge und seine super eingespielte Band mixten Punk, Ska und auch Reagge mit deutschen Texten, mit denen sich der tätowierte und eloquente Hüne politisch klar positionierte – und zwar ganz weit links „und gegen Nazis, die hassen wir wie die Pest“. Zwischen Punkrock-Romantik wie „Pommes und Bier“ oder „Ohne die Hosen“ ließ es der Duisburger an Linientreue nicht mangeln. Die Wurzel allen Übels auf diesem Planeten sei, dass es immer Menschen gebe, die der Meinung seien, sie müssten mehr haben als andere. Was Rassismus und Diskriminierung angeht, so konstatierte Butterwegge: „Es gibt nur Menschen mit Menschenhintergrund.“

Der erwartete Höhepunkt war dann von Punkt 22.15 Uhr bis kurz nach Mitternacht der Auftritt der Zauberlehrlinge. 13 Musiker, davon zwei Sängerinnen und fünf Sänger, krempelten das MAP auf links. Schon im ersten Song versprachen sie „Wir bleiben wach, bis die Wolken wieder lila sind“, zollten Jan Delay mit dessen Hit „Oh Johnny“ Anerkennung und ließen Kai Skroch mit unnachahmlicher Heldenbaritonstimme den Abba-Klassiker „Gimme Gimme Gimme“ zu einem Rock-Abenteuer umfunktionieren. Später durfte sich Mofa-Fan Skroch mit „Fastest boy in town“ auch in einem neuen Song beweisen. Denn der Zauberlehrling geht immer mehr dazu über, eigene Kompositionen zu spielen, was sehr gut ist. Eine sehr gelungene ist „Walk On“, zu dem auch der MAP-Teaser entstanden ist. Schnell und mit Staccato-Gesang kam auch „Musikerpolizei“ bestens an: „Wir spielen das, was geil ist.“

Michael Meininghaus ließ das völlig begeisterte Publikum bei „Use Somebody“ ohoho mitsingen, bevor bei Farin Urlaubs „Zehn“ 2500 Menschen zum Hüpfen aufgefordert waren und dieser Bitte gerne nachkamen. Zum Abschluss eines starken Konzerts gab es noch „Empire am Rhein“.

Der Zauberlehrling und das MAP hatten den Rheinbergern wieder Mal eine sehr angenehme Lehrstunde erteilt: So wird gefeiert!

Hier geht es zur Bilderstrecke: MAP-Festival in Rheinberg – so war der Samstag

(up)