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Rheinberg: Deichverband Duisburg-Xanten will mehr Bürger für Deiche zur Kasse bitten

Deichverband Duisburg-Xanten : Mehr Bürger sollen für Deiche zahlen

Der Hochwasserschutz soll auf mehr Schultern verteilt werden. Deshalb möchte der Deichverband Duisburg-Xanten mehrere Tausend Grundstückseigentümer in Rheinberg-Mitte, Annaberg, Millingen, Alpsray und Kamp-Lintfort zur Kasse bitten.

Der Deichverband Duisburg-Xanten arbeitet mit Nachdruck daran, sein Verbandsgebiet erheblich zu vergrößern. Angepasst werden soll es auf das von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen in einem Gutachten berechnete Überschwemmungsgebiet, „das von unseren Deichen im Wesentlichen geschützt wird“, wie es der Deichverband in seinem aktuellen Deichbrief an die Mitglieder formuliert hat. Ein entsprechender Antrag liegt bei der Bezirksregierung Düsseldorf vor. „Wir hoffen, dass die Zuweisung dieses Gebietes noch in diesem Jahr erfolgt“, so Deichgräf Viktor Paeßens aus Budberg im RP-Gespräch.

Der Deichverband Duisburg-Xanten, zuständig für den Abschnitt zwischen Baerl-Binsheim auf Duisburger Stadtgebiet bis Xanten-Birten, hat derzeit rund 12.700 zahlungspflichtige Mitglieder. Paeßens: „Wir schützen aber erheblich mehr Menschen. Wenn auch sie veranlagt werden, wird die Beitragslast gerechter verteilt.“

Das vor rund drei Jahren vorgestellte Gutachten der RWTH Aachen sei im Auftrag des Deichverbands noch einmal nachbearbeitet worden. Die Grenzen seien jetzt parzellenscharf eingezeichnet, so dass einzelne Grundstücke nicht zerschnitten werden und beispielsweise ein Wohnhaus innerhalb, die dazugehörige Garage aber außerhalb des Gebietes liege. Der Deichgräf: „Wir haben alle erforderlichen Unterlagen an die Bezirksregierung geschickt, die den Vorgang bearbeitet.“

Wie viele neue Mitglieder der Deichverband hinzubekommen wird, sei schwer zu berechnen, sagt Paeßens. Bei der ersten Vorstellung des Gutachtens vor drei Jahren war von rund 6000 die Rede, Paeßens spricht von mindestens 30 Prozent. Es sei davon auszugehen, dass die komplette Rheinberger Innenstadt mit Annaberg, Millingen und Alpsray hinzukämen, zudem große Teile des Kamp-Lintforter Stadtgebietes.

Wer bereits jetzt Mitglied ist, muss eine Beitragsanpassung hinnehmen. Hohe Kosten für verschiedene Projekte wie die Sanierung eines Deichabschnittes in Binsheim (Altes Backhaus), die Sanierung der Göt-Schleuse in Xanten sowie hohe Planungskosten für die anstehenden Deicharbeiten in den Lagen Wallach und Baerl-Binsheim-Orsoy führen dazu, dass der Grundbeitrag von 1,80 Euro auf 1,90 Euro je 1000 Euro Einheitswert steigt. Zur Einordnung: Freistehende Einfamilienhäuser haben Einheitswerte von rund 50.000 Euro, so dass ihre Eigentümer unter 100 Euro pro Jahr an den Deichverband überweisen müssen. Die nächste Maßnahme des Deichverbands ist die Sanierung des Deichs bei Wallach mit Gesamtkosten von 24 Millionen Euro (Land NRW ca. 15,8 Millionen, Deichverband 4,0 Millionen, Cavity ca. 4,2 Millionen Euro). Damit kann voraussichtlich erst Mitte 2021 begonnen werden. Die Planung liegt in den Händen des Ingenieurbüros Spiekermann aus Düsseldorf. Der nächste wichtige Schritt im Verfahren ist die Untersuchung des Baufeldes auf Kampfmittel. Dazu ist bereits vor dem Stichtag 28. Februar gerodet worden. Die Flurbereinigungsbehörde ist derzeit im Gespräch mit den betroffenen Anliegern. Es geht darum, wie Flächenverluste und andere entstandene Nachteile entschädigt werden.

Die Deichsanierung kostet viel Geld. Deichgräf Paeßens sagte, pro Kilometer müsse man mit einem Investitionsvolumen von rund 4,5 Millionen Euro rechnen.