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Das Tierheim Nettetal spürt in der Coronakrise Rückgang an Fundtieren

Tierheim in Lobberich : Haustiere ja – aber nicht aus Corona-Langeweile

Das Tierheim ist in der Corona-Krise geschlossen, vermittelt aber weiter unter strengen Auflagen Tiere. Die Zahl der Fundtiere ist zurückgegangen. Warum das so ist, dazu hat Tierheim-Leiter Ralf Erdmann eine Vermutung.

Es ist gerade ziemlich ruhig im Matthias-Neelen-Tierheim in Lobberich. Für Besucher ist das Haus derzeit geschlossen. Wer dennoch auf der Internetseite des Tierheims „sein Tier“ gefunden hat und kennenlernen möchte, braucht einen Termin. Ralf Erdmann ist Leiter des Tierheims und bemerkt seit Wochen einen Rückgang: „Es werden derzeit weniger Tiere abgegeben, weil einfach weniger Menschen unterwegs sind“, sagt der 57-Jährige. Auch würden die Besitzer besser auf ihre Vierbeiner aufpassen, vermutet Erdmann.

„Aber die Arbeit ist die gleiche geblieben“, sagt der Tierheimleiter. Aufgrund von Corona beschränkt sich das Tierheim auf wenige Mitarbeiter, die sich an strenge Hygieneauflagen halten. Seit 23 Jahren arbeitet er im Nettetaler Tierheim und kennt die „Aufs und Abs“ während des Jahres, wann mehr, wann weniger Tiere abgegeben oder gefunden werden. „Wir vermitteln derzeit die Tiere, aber haben strengere Auflagen“, sagt Erdmann. Das Tier lernt seine neuen Besitzer in einem abgegrenzten Bereich kennen, auch mehrere Termine sind möglich.

Einen Anstieg an Nachfragen bei Kleintieren wie Kaninchen, Hamstern oder Mäusen kann Elke Weyers, Zoofachverkäuferin im Raiffeisenmarkt Kempen, nicht verzeichnen. „Wenn sich jemand jetzt ein Haustier zulegt, dann sollte das wohl überlegt sein und nicht weil man Corona-Langeweile hat“, sagt Elke Weyers. Sie rät dringend von „Impuls-Käufen“ ab, egal wie niedlich das Tier sei. Tiere haben etwas Tröstendes und Unterstützendes, sagt Psychologin Christiane Schulte-Bisping aus Lobberich. Sie weiß  um angespannte Situationen und Ängste, die Menschen aufgrund von Corona empfinden. Doch ein Tier würde große Verantwortung mit sich bringen und brauche viel Zeit, auch nach Corona, wenn die Menschen wieder im Büro seien und nicht mehr im home-office arbeiteten. Sie gibt diesen Rat: „Viele freuen sich, jetzt Dinge, die liegen geblieben sind, endlich anzugehen.“

Nach so vielen Jahren hat Ralf Erdmann ein Gespür für die Leute entwickelt, die sich für Hund, Katze oder Kaninchen interessieren. „Wir sprechen viel mit den Leuten und schauen uns auch das persönliche Umfeld an“, sagt Erdmann. Meistens bringt der 57-Jährige das Tier  selbst dann zu seinen neuen Besitzern. „Es kommt aber auch vor, dass ich mit dem Tier wieder ins Heim zurückfahre, wenn die Umstände vor Ort einfach nicht für Tiere geeignet sind“, berichtet der Tierheimleiter. Je länger die Vierbeiner im Heim sind, desto mehr wachsen sie ihm ans Herz. So hat er eine Katze, die er mit der Flasche aufgezogen hat, bei sich zu Hause aufgenommen und auch ein Hund aus seinem Tierheim lebt jetzt bei ihm. Wie lange das Tierheim für Besucher geschlossen bleibt, weiß er nicht. Das hänge von den Anweisungen der Landesregierung ab.