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Rettungsbedarfplan für den Kreis Viersen einstimmig angenommen

Kreis Viersen : Kreispolitik nimmt Plan einstimmig an

Einstimmig fiel jetzt das Votum der Politiker bei der Dringlichkeitssitzung des Kreisausschusses aus. Trotzdem fehlt die Zustimmung der Stadt Kempen und der Krankenkassen zum Rettungsdienstbedarfsplan.

Einen Tag vor der Dringlichkeitssitzung des Kreisausschusses erreichte den Kreis die Absage aus Kempen. Anders als wohl in mehreren Gesprächsrunden signalisiert, anders als alle anderen Städte und Gemeinden im Kreis Viersen gab die Stadt Kempen nicht ihr Einverständnis zu der Neufassung des Rettungsbedarfsplanes für den Kreis Viersen. Die Stadt Kempen will nicht akzeptieren, dass die drei 24-Stunden-Wagen in der Kempener Wache auf zwei reduziert werden sollen.

Landrat Andreas Coenen (CDU) und Dezernent Andreas Budde mussten gleich zu Anfang der Sitzung ein zweites Nein verkünden. Auch die Verbände der Krankenkassen haben ihre Zustimmung verweigert. Die Krankenkassen haben gleich einen Strauß von Punkten, die sie nicht mittragen wollen. Ihnen geht es um die Anzahl der Standorte von Rettungswachen, um die Funktionen der Leitstelle, um die Quote der Notfallsanitäter bei den Besatzungen der Rettungstransportwagen, um Fortbildung und Zertifizierung. Die Verbände der Krankenkassen haben sich deshalb an die Bezirksregierung gewandt und sie aufgefordert, den Bedarsplan zu prüfen. So ließ Landrat Coenen die Politik trotz des fehlenden Einvernehmens mit der Stadt Kempen und vorbehaltlich der Entscheidung der Bezirksregierung über die Vorlage abstimmen. Der Kreis will die geplanten Änderungen schnell auf die Straße bringen. Und die Kreispolitik folgt ihm in dieser Frage einstimmig. Diese Einstimmigkeit war bereits beim Beschluss im Fachausschuss im Februar vorhanden.

Oberstes Ziel sei die bestmögliche Versorgung von Notfallpatienten, so Dezernent Budde. Und die kostet mehr Geld. Die Einsätze werden von den Krankenkassen bezahlt und diese versuchen, an den Kosten zu sparen. Allein die Zahl der Rettungstransportwagen (RTW) soll von 15 auf 19 erhöht werden.

Unstrittig scheint zu sein, dass die Interimsrettungswachen in Dülken und Tönisvorst Bestand haben werden. In der Rettungswache in Alt-Viersen (Gerberstraße) bleibt die Situation unverändert: zwei RTW im 24-Stunden-Dienst, zusätzlich ein dritter für den Tageseinsatz. An der Interimswache in Dülken an der Sternstraße ist bisher nur ein RTW rund um die Uhr stationiert. Dort soll tagsüber ein zweiter RTW hinzukommen. Auch in Nettetal wird an der Rettungswache in Kaldenkirchen tagsüber ein zweiter RTW stationiert. In Lobberich bleibt die Situation mit einem RTW rund um die Uhr bestehen. So sollen die Hilfsfristen von acht Minuten in städtischen und zwölf Minuten in ländlichen Gebieten besser gehalten werden.

Der Kreis Viersen ist Träger der Rettungswachen in Niederkrüchten und Schwalmtal sowie der Interimswache Tönisvorst. In der Wache in Niederkrüchten an der Venloer Straße ist rund um die Uhr ein RTW stationiert. Für Einsätze am Tag soll dort ein zweiter RTW hinzukommen. In Schwalmtal bleibt es bei einem RTW im 24-Stunden-Dienst unverändert. In Tönisvorst ist bisher ein RTW an der Interimswache am Tempelsweg stationiert, dort soll ein zweiter RTW im 24 Stunden-Dienst hinzukommen.

Mit dem Beschluss, der dem Kreistag im Mai noch vorgelegt wird, erhielt die Verwaltung bereits den Auftrag, den zweiten 24-Stunden-Rettungswagen für Tönisvorst und einen zusätzlichen Tages-rettungswagen für Niederkrüchten-Heyen schnellstmöglich in Betrieb zu nehmen. Mit dem Beschluss gab die Politik auch grünes Licht, im laufenden Haushaltsjahr 2020 weitere 15 Stellen für Notfall- oder Rettungssanitäter zu schaffen. Die Verwaltung soll außerdem die notwendige Ausstattung beschaffen und erforderliche Umbauten vornehmen. Obwohl der Einbau der Interimswache in St. Tönis in alte Gebäude von Hefe van Haag in rekordverdächtigem Tempo gelang, sind die Bestellzeiten für Rettungswagen lang. Für den Anfang wurde der RTW für Tönisvorst angemietet. Noch schwieriger ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt, geeignetes Personal zu finden, die im Schichtdienst die Rettungswagen fahren und die Notfallpatienten erstversorgen.

Kein Zankapfel mehr zwischen Kreis und Kommunen scheint der Neuzuschnitt der Versorgungsbereiche zu sein. Die frühere Orientierung an kommunalen Grenzen wurde aufgegeben. Im Vordergrund steht die schnelle Erreichbarkeit der Einsatzorte. Nicht übersehen sollte man beim Rettungsdienstbedarfsplan die Pläne für eine Vollausbildung von jährlich acht Notfallsanitätern. Interessant ist auch der Plan für eine Ersthelfer-App.