Obdachlose in Moers: Wohnungslose beraten und unterstützen.

Obdachlose in Moers : Wohnungslose beraten und unterstützen

Die Caritasverbände Dinslaken und Wesel sowie Moers-Xanten und die Arbeiterwohlfahrt Kreis Wesel beteiligen sich gemeinsam an der Landesinitiative „Endlich Zuhause“. Unterstützt werden sie vom Kreis Wesel.

In den Städten und Gemeinden zwischen Moers und Xanten werden demnächst zwei Mitarbeiter des Caritasverbands mit einem Kleinbus unterwegs sein, um zu den Orten zu fahren, an denen Wohnungslose anzutreffen sind und ihnen ihre Unterstützung anbieten. Es handelt sich um einen bisherigen Mitarbeiter der Fachberatungsstelle in Moers sowie eine neu eingestellte Beratungskraft des Caritasverbandes. Die Einstellung wird durch die Landesinitiative „Endlich Zuhause“ möglich, die sich die Bekämpfung der Wohnungslosigkeit zum Ziel gesetzt hat. An ihr beteiligen sich mit einem gemeinsamen Projekt die Caritasverbände Dinslaken-Wesel und Moers-Xanten sowie die Arbeiterwohlfahrt Kreis Wesel. Unterstützt werden sie vom Kreis Wesel.

Der offizielle Startschuss für das gemeinsame Projekt fällt am 1. November, es läuft dann bis zum 31. Dezember 2020. Die drei Projektträger können mit Fördergeldern in Höhe von rund 380.000 Euro rechnen. 100.000 Euro sind für die Anschaffung von speziellen Fahrzeugen gedacht, wie dem Bus; weitere 280.000 Euro stehen für die laufenden Kosten und das Personal zu Verfügung. Finanziert werden drei Stellen für Sozialarbeiter beziehungsweise Sozialpädagogen. Jeweils 1,5 Stellen entfallen auf den rechts- sowie den linksrheinischen Teil des Kreises Wesel. Die neuen Fahrzeuge sollen in der aufsuchenden Hilfe eingesetzt werden, mit ihnen fahren die Mitarbeiter zu Wohnungslosen, die nicht die Angebote in den vorhandenen Beratungsstellen nutzen.

„Die Wohnungslosigkeit ist nach dem Hunger die schärfste Form der Armut“, stellte Landrat Ansgar Müller fest und berichtete, dass die Zahl der Menschen ohne eine festen Wohnsitz zunimmt. Die Statistik weist für das Jahr 2018 insgesamt 853 Wohnungslose Männer und Frauen im Kreis Wesel aus, vorher waren es unter 400. Die drastische Steigerung ist auch auf den Zuzug geflüchteter Menschen zurückzuführen, die ohne eine Wohnung dastehen, aber eben nicht nur, wie der Landrat erläuterte. Die drei Träger sind bereits seit vielen Jahren im Kampf gegen Armut und Wohnungslosigkeit im Kreis aktiv und können aufgrund der Förderung durch das nordrhein-westfälische Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales ihre Aktivitäten auf diesem Gebiet ausbauen und verstärken. „Alle Kommunen des Kreises Wesel werden davon profitieren“, bekräftigte Brunhild Demmer, Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes Moers-Xanten.

Projektpartner in der Bekämfpung der Wohnungslosigkeit: (von links) Claudia Kohler (Caritas Moers-Xanten), Guido Busch und Michael van Meerbeck (beide Caritas Dinslaken-Wesel), Landrat Ansgar Müller, Brunhild Demmer (Caritas Moers-Xanten) und Bernd Riekemann (Awo Kreis Wesel). Foto: Heinz Schild

Die neuen Möglichkeiten, die sich durch die Beteiligung an der Landesinitiative auftun, werden als eine Ergänzung zu den vorhandenen Angeboten angesehen. Die beiden Caritasverbände und die Awo betreiben bereits Beratungsstellen für Wohnungslose. Die in diesem Bereich tätigen Mitarbeiter halten nicht nur Kontakt zu Betroffenen, begleiten und unterstützen diese, sie verstehen sich auch als Schnittstelle zu Vermietern, sind deren Ansprechpartner, wie Bernd Riekemann, Vorstand Fachpolitik des Awo-Kreisverbands, sagte.

Neben der Fachberatungsstelle in Moers unterhält der Caritasverband Beratungsangebote in Xanten und Rheinberg. Der Beratungsbus solle in erster Linie den Menschen nutzen, die aufgrund weiter Wege bislang kaum Zugang zu den Beratungen hatten. „Unsere Mitarbeiter kennen die Plätze, an denen sich wohnungslose Menschen treffen“, sagte Demmer am Dienstag. Unser Ziel ist es, bestimmte Treffpunkte an festen Tagen und Zeiten anzusteuern.“ Der Bus werde wie ein Büro mit Sitzecken, Tischen, PCs und WLAN ausgestattet sein. Die Hoffnung geht dahin, die Situation der Wohnungslosen zu verbessern. „Oft handelt es sich um Menschen, die unter Suchterkrankungen oder psychischen Erkrankungen leiden.“ Auch Frauen, die aufgrund von häuslicher Gewalt oder sexueller Nötigung ihr früheres Zuhause verlassen haben, gehörten zur Klientel. 

„Wir werden aber mit dem Bus nicht die Welt retten“, zeigte sich Demmer realistisch. „Es wird Menschen geben, die wir trotzdem nicht erreichen.“