Moers: Beratungsbüro für Menschen mit Behinderung eröffnet

Soziales in Moers : Beratungsbüro für Menschen mit Behinderung eröffnet

Caritas, Paritätischer und Lebenshilfe arbeiten in den neuen EUTB-Büros in Moers und Wesel zusammen.

Wenn ein neues Beratungsbüro eröffnet wird, unterstreichen die Festredner das Positive. Das Kritische lassen sie weg, oder erwähnen es nur nebenbei mit einem Scherz, zum Beispiel wenn sie sagen, die Bauzeit habe etwas länger gedauert, aber nicht so viel länger wie bei der Elbphilharmonie in Hamburg. Jetzt war es anders, als in Moers das EUTB-Büro für Menschen mit Behinderung offiziell eröffnet wurde. Dabei steht EUTB für Angebote der ergänzenden und unabhängigen Teilhabeberatung. Die Vertreter der drei Verbände, die diese neuen Beratungsbüros in Moers und Wesel gemeinsam tragen, lobten zwar das neue Beratungsanagebot, fanden aber kritische Worte, wie das Bundesteilhabe-Gesetz umgesetzt werde.

Die Grundsätze des Bundesteilhabe-Gesetzes, das Recht von Menschen mit Begrenzungen auf Selbstbestimmung zu stärken und die Teilhabechancen in Gesellschaft, Arbeit oder Freizeit zu verbessern, lobten sowohl Brunhild Demmer als Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes Moers-Xanten, Christa Niehuis als Leiterin der Ambulanten Hilfen der Lebenshilfe Unterer Niederrhein als auch Andreas Fateh als Geschäftsführer „Der Paritätische“ Kreis Wesel. Alle drei hielten auch den Grundsatz für richtig, Menschen mit Einschränkungen nicht mehr nach dem Sozialgesetzbuch 12 zu behandeln, also wie Sozialhilfeempfänger, sondern ab dem 1, Januar 2019 nach dem Sozialgesetzbuch 11, also wie Rehabilitierte. „Dadurch kommt es für die Betroffenen zu zahlreichen Änderungen“, sagte Caritasmitarbeiterin Katja Kirbach, die mit Bernhard Selin vom Paritätischen das Beratungsbüro in der Volkschule am Hanns-Albeck-Platz 2 betreut. Im Beratungsbüro an der Viktoriastraße 10 in Wesel helfen Miriam Nowak vom Paritätischen und Andreas Herget von der Lebenshilfe Menschen mit Begrenzungen weiter, beispielsweise bei der Frage, welche Leistungen ihnen zustehen.

Kritisch sah Niehuis den Eigenanteil der Träger, der theoretisch bei fünf Prozent liege. Grundsätzlich sei es gut, wenn das Bundesministerium für Arbeit und Soziales drei Stellen für die beiden Büros im Kreis Wesel finanziere. Fraglich sei, ob diese Stellen reichten, meinte Fateh. „Im Kreis Wesel leben 99 500 Menschen mit Behinderung“, unterstrich der Paritätische-Geschäftsführer. „Das sind 21 Prozent der Bevölkerung. Im Bundesdurchschnitt sind es nur 13 Prozent.“ „Der Kreis Wesel ist ländlich geprägt“, sagte Demmer. „Da sind Entfernungen und Kosten größer. Moers, Rheinberg oder Xanten sind nicht Berlin, wo Gesetze und Programme gemacht werden.“ Einmal im Jahr hätten die Träger einen Bericht in Berlin abzugeben, in dem sie auf kritische Punkte hinweisen könnten.

Das Büro in Moers liegt am Hanns-Albeck-Platz 2. Telefon 02841 900031. Das Büro in Wesel befindet sich an der Viktoriastraße 10. Telefon 0281 16435886.

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